Fahrdienstleiter erleben: Zu Besuch in den Stellwerken Nürnberg und Fürth

Die Deutsche Bahn öffnete am 16. Oktober ihre Türen und bot interessierten Bürgern einen spannenden Einblick hinter die Kulissen der Stellwerkstechnik in Fürth und Nürnberg an. Die Besucher hatten dabei die Möglichkeit, den Fahrdienstleitern direkt über die Schultern zu blicken und mehr über den Ausbildungsberuf des Eisenbahners im Betriebsdienst mit der Fachrichtung Fahrweg zu erfahren.


Die meisten Fahrgäste, wenn sie einen Zug betreten, machen sich wohl kaum Gedanken darüber, wie Signale und Weichen auf dem Weg zu ihrem Zielbahnhof gestellt und gelegt werden und wie die Regelung der Zugfolge genau vonstattengeht. Denn Fahrdienstleiter, umgangssprachlich auch als Zuglotsen bezeichnet, arbeiten eher im Verborgenen. Ihr Arbeitsplatz befindet sich in einem örtlichen Stellwerk oder in einer regionalen Betriebszentrale. Sie lenken die Züge durch ihren Stellbereich und verantworten dabei den sicheren, pünktlichen und wirtschaftlichen Ablauf des Zugverkehrs.

Am 16. Oktober veranstaltete die Deutsche Bahn erneut den Aktionstag „Backstage DB: Fahrdienstleiter erleben“. Personalreferentin Kathrin Baum-Grimm und ihre Kollegen begrüßten die Teilnehmer in der Fahrzeughalle II des Nürnberger DB Museums. Unter den Teilnehmern, die der öffentlichen Einladung gefolgt sind, waren auch viele Jugendliche und junge Besucher mit ihren Eltern. Neben einem Modell des neuen Hochgeschwindigkeitszuges ICE 4 (Arbeitstitel ICx) und historischen, teilweise mehr als 50 Jahre alten Fahrzeugen, erhielten die Besucher an verschiedenen Ständen Antworten auf ihre Fragen rund um den Eisenbahner im Betriebsdienst mit der Fachrichtung Fahrweg – wie der Ausbildungsberuf des Fahrdienstleiters genannt wird. Zudem verrieten die DB-Mitarbeiter, worauf es bei der Bewerbung ankommt und welche Voraussetzungen oder Qualifikationen ein Bewerber mitbringen muss.

In der Fahrzeughalle II des DB Museums Nürnberg werden die Besucher begrüßt
Bahn-Mitarbeiter geben Auskunft über die beruflichen Möglichkeiten bei der DB Netz
Azubis zeigen anhand eines Simulationsprogramms die Tätigkeiten des Fahrdienstleiters

In einem Nachbargebäude des Museums stellten Azubis ihren Ausbildungsberuf und die Tätigkeiten eines Fahrdienstleiters anhand einer Stellwerkssimulation etwas genauer vor. Hier wurde recht anschaulich dargestellt, wie Weichen und Signale eines Fahrweges eingestellt werden und welche Besonderheiten es zwischen Zug- und Rangierfahrten zu beachten gibt. Zudem war der Blick in ein historisches, mechanisches Stellwerk möglich, das auf dem Museumsgelände ausgestellt ist.

Stellwerksbesichtigung

Zu den Highlights der Veranstaltung gehörte ganz klar der interessante Einblick in die Stellwerke der Hauptbahnhöfe Fürth und Nürnberg. Denn den Besuchern wurde hier die Möglichkeit geboten, den Mitarbeitern dort bei ihrer Arbeit direkt über die Schultern zu blicken.

„Wir befinden uns hier im wichtigsten Gebäude des Bahnhofs“. Mit diesen Worten leitete der verantwortliche Betriebsleiter des Nürnberger Hauptbahnhofs die Führung durch das dortige Zentralstellwerk ein. Am Standort Nürnberg werden täglich rund 1.200 Zugfahrten und etwa 1.800 Rangierfahrten eingestellt, überwacht und gesteuert. Das Stellwerk selbst, 1988 in Betrieb genommen, gehört zur letzten Generation der Relaisstellwerke der Bauart Sp Dr S 600 der Firma Siemens, die damals noch in Betrieb genommen wurden. Die heute modernste Stellwerksform, das Elektronische Stellwerk (ESTW), kommt hier an beiden Standorten noch nicht zur Anwendung – und sei wohl auch noch nicht so bald geplant, wie die Bezirksleiter der beiden Stellwerke verrieten.

Das Stellwerk des Nürnberger Hauptbahnhofs ist in die Bereiche Ost und West aufgeteilt. Je Bahnhofsseite sind ein Fahrdienstleiter und ein Weichenwärter zuständig. Während die beiden Fahrdienstleiter die Ein- und Ausfahrten der Ost- bzw. Westseite koordinieren und die Zugfahrten durch den Bahnhof lenken, kümmern sind die zwei Weichenwärter um alle sonstigen innerbetrieblichen Fahrzeugbewegungen – Rangierfahrten genannt. Wie der Betriebsleiter erklärte, werden alle Fahrstraßen komplett manuell eingestellt. Die Möglichkeit des Selbststellbetriebs erfolgt nicht. Überwacht wird der gesamte betriebliche Ablauf durch den so genannten Betriebsüberwacher, der als verantwortlicher Entscheidungsträger Änderungen bei Unregelmäßigkeiten und Zugverspätungen vornehmen kann. Ein weiterer Mitarbeiter, der Fahrdienstleiterhelfer, unterstützt die Arbeit seiner Stellwerkskollegen. Während der Bedienraum im Stellwerk des Nürnberger Hauptbahnhofs recht groß dimensioniert erscheint, ist das Stellwerk Fürth dagegen etwas kleiner gehalten.

Besuchergruppe auf dem Weg von Nürnberg nach Fürth
Stellwerksgebäude Fürth Hbf
Stelltafel in einem Spurplandrucktastenstellwerk (Symbolbild)

Über eine große Stelltafel – auf der der gesamte Hauptbahnhof mit allen Haupt- und Nebengleisen, Weichen und Signalen schematisch abgebildet ist – können die Fahrdienstleiter die aktuelle betriebliche Lage sofort erkennen. Läuft der Betrieb normal, sieht die Arbeit eines Fahrdienstleiters in der Regel recht entspannt aus. Kommt es allerdings zu einer Störung, Abweichung oder Unregelmäßigkeit, so kann es schnell hektisch werden. Dann ist Wissen, Können und vor allem das richtige Handeln gefragt. Denn der Beruf des Fahrdienstleiters bringt eine Menge Verantwortung mit sich.

Damit ein Zug in den Bahnhof ein- oder ausfahren kann, muss eine sogenannte Fahrstraße gebildet werden. Über ein Nummernstellpult erfolgt dabei die Eingabe von Start- und Zielsignal. Ist ein Fahrweg zwischen diesen beiden Punkten möglich, so setzt die Relaistechnik die Bedieneingabe in eine Fahrstraße um und bringt dazu alle notwendigen Fahrwegselemente sowie Flankenschutzeinrichtungen in die erforderliche Lage. Erst wenn der Fahrweg korrekt eingestellt, gesichert und frei von anderen Fahrzeugen ist, wechselt das Hauptsignal, das eine Zugfahrt zulässt, von Halt auf Fahrt.

Haben Sie Interesse am Beruf des Fahrdienstleiters?

Neben einer dreijährigen Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst mit der Fachrichtung Fahrweg, haben auch Quereinsteiger die Möglichkeit den Beruf des Fahrdienstleiters im Rahmen einer 90-tägigen Funktionsausbildung zu erlernen. Weitere Informationen zur Ausbildung bei der Deutschen Bahn erhalten Sie auch auf der ► Karriereseite der DB.