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Fahrdienstleiter-Camp für Schüler: Die Weichen- und Signalsteller von morgen

Für das Fahrdienstleiter-Camp in München, am 2. und 3. November, nahmen sich 22 Schüler zwei Tage lang Zeit und opferten sogar gerne einen kleinen Teil ihrer Herbstferien. Denn die DB Netz AG lud dazu ein, den Beruf des Eisenbahners im Betriebsdienst mit der Fachrichtung Fahrweg kennenzulernen und einmal hautnah zu erleben.


Neblig begann er, der herbstliche Morgen am Montag des 2. November. Es war der erste von zwei Tagen im Fahrdienstleiter-Camp in München. Um kurz vor 10 Uhr trafen die ersten der jungen Teilnehmer ein. Ausbildungsgesamtkoordinatorin Lena Hertel, ihre Kollegen der Ausbildungsfachkoordination und einige Azubis aus dem zweiten und dritten Lehrjahr begrüßten die geladenen Schüler in der Münchner DB-Zentrale des Regionalbereichs Süd. Denn die DB Netz AG, als Infrastrukturbetreiber des – mit rund 33.000 Kilometern – größten Schienennetzes in Deutschland, hatte rund 20 Schüler eingeladen, den Beruf des Eisenbahners im Betriebsdienst Fachrichtung Fahrweg (EiB F), wie der Ausbildungsberuf zum Fahrdienstleiter genau genannt wird, kennenzulernen.

Doch was machen Fahrdienstleiter eigentlich? Einfach gesagt sind Fahrdienstleiter Zuglotsen. Ihnen obliegt das Einstellen der signaltechnisch gesicherten Fahrwege, Fahrstraßen genannt, sowie die Zulassung von Zug- und Rangierfahrten. Sie überwachen zudem den Zugverkehr und ergreifen im Falle von Unregelmäßigkeiten erforderliche Maßnahmen um den Bahnbetrieb aufrechtzuerhalten. Fahrdienstleiter arbeiten in örtlichen Stellwerken oder regionalen Betriebszentralen, lenken die Züge durch ihren Stellbereich und verantworten dabei den sicheren, pünktlichen und wirtschaftlichen Ablauf des Bahnbetriebs. Alles in allem also ein sehr anspruchsvoller Beruf, der vor allem ein hohes Verantwortungsbewusstsein, eine hohe Zuverlässigkeit, gute Belastbarkeit und gutes Koordinationsvermögen – aber auch Ruhe und Besonnenheit in stressigen Situationen erfordert.

Azubis und Camp-Teilnehmer lernen sich kennen

Während der erste Tag im Fahrdienstleiter-Camp weitestgehend aus spielerischen Aktionen, der Einweisung in die Unfallverhütung und allgemeinen Infos rund um den Beruf des Fahrdienstleiters bestand, folgten am zweiten Tag zahlreiche Führungen durch Stellwerksanlagen – von der Besichtigung eines historischen, mechanischen Stellwerks, über unterschiedliche Spurplandrucktastenstellwerke bis hin zu modernen Elektronischen Stellwerken (ESTW) mit Blick in die für den Regionalbereich Süd zuständige Betriebszentrale (BZ).

Am Anfang der zweitägigen Veranstaltung wirkten viele der etwa 14- bis 18-Jährigen noch leicht verschüchtert. Nach der Einteilung in vier kleinere Personengruppen von je 5 bis 6 Teilnehmern und den ersten Kennenlerngesprächen lockerte sich dies allerdings schnell auf und die Schüler kamen sogar untereinander ins rege Plaudern.

Kleideranprobe

Wie die erfahrenen Azubis gleich zu Beginn klarstellen wollten und mussten, sind Bahnanlagen keine Spielplätze. Insbesondere das Betreten der Gleise sei nur dann erlaubt, wenn den Teilnehmern dies ausdrücklich gestattet wird und diese mit erforderlicher Schutzausrüstung bekleidet sind. Daher wurde den Schülern unter anderem die Persönliche Schutzausrüstung, kurz PSA genannt, vorgestellt. Denn der Arbeitsbereich im Gleis ist nur mit Warnweste und Arbeitsschuhen sowie je nach dortiger Tätigkeit, ggf. weiteren erforderlichen Bekleidungsstücken zu betreten. Die Kleideranprobe wurde dabei zu einer Spielaktion gestaltet, was jede der vier Teilnehmergruppen durchlief.

Anprobe der Sicherheitsbekleidung

Auf den Tischen in einem Schulungsraum wurden dazu je eine Schutzjacke, Schutzhose, Schutzhelm sowie ein Paar Arbeitshandschuhe verteilt ausgelegt. Die Aufgabe bestand nun darin, die Schutzbekleidung möglichst schnell anzulegen und eine kurze Wegstrecke abzulaufen – natürlich auf Zeit.

Weiche umstellen

Auf dem Bahngelände in der Vorstellgruppe Nord des Münchner Hauptbahnhofes wurde dann der Aufbau und die Funktion einer Weiche erläutert. Die jungen Camp-Teilnehmer erfuhren hier, aus welchen Bestandteilen diese Gleiskonstruktion besteht und welchem Zweck diese bei der Überfahrt eines Zuges dienen. Anschließend konnten die Schüler selbst einmal Hand anlegen. Denn wie Ausbildungsfachkoordinator Jens Konow und sein Kollege erklärten, kann eine Weiche, deren Steuerung im Regelfall aus einem Stellwerk erfolgt, im Störungsfall auch manuell in eine andere Lage gebracht werden. Und das Umlegen der Weiche erfolgte hier mithilfe einer Handkurbel, was dann die Jugendlichen selbst übernahmen. Anschließend wurde die Weichenzunge mit einem Handverschluss gegen Umstellen gesichert.

Camp-Teilnehmer und Ausbildungsfachkoordinator an einer Weiche in der Vorstellgruppe Nord, München Hbf
Anlegen eines Handverschlusses

Stellwerksbesichtigung

Am zweiten Tag war es dann soweit, und die jungen Teilnehmer durften den Profis bei der Arbeit direkt über die Schultern blicken. Für die Stellwerksbesichtigungen waren insgesamt fünf Stationen vorgesehen, die einen umfangreichen Einblick in die Arbeit der Fahrdienstleiter ermöglichten. Mechanische Stellwerke sind dabei eine der ältesten noch existierenden Stellwerksformen. Das Stellwerk München Ost Rangierbahnhof bot daher die wohl größte nostalgische Stellwerkstechnik. Die Jugendlichen konnten hier die Erfahrung machen, dass die Arbeit des Fahrdienstleiters oder Weichenwärters – früher und vereinzelt noch heute – neben der geistigen Anforderung auch körperlich anstrengend sein kann. Denn in dem fast 100 Jahre alten Stellwerk ist heute wie damals noch immer Muskelkraft gefragt, um die Weichen und Signale mit den jeweiligen Stellhebeln über Drahtseilzüge und Gestängeleitungen in die erforderliche Lage bzw. Stellung zu bewegen. Die Abhängigkeit zwischen den Hebeln wird hier, wie Jens Konow erklärte, durch ein mechanisches Verschlussregister bewirkt. Dieses gewährleistet, dass ein Signal nur in Fahrtstellung gebracht werden kann, wenn sich alle Elemente einer eingestellten Fahrstraße tatsächlich in ihrer korrekten Lage befinden und somit eine sichere Zugfahrt ermöglichen.

Etwas moderner wurde es dann in den Stellwerken München Hauptbahnhof und München Ost Personenbahnhof, durch welche Andreas Vogl bzw. Fitore Thaqi führten. Für das Stellen von Weichen und Signalen ist hier auch keine Muskelkraft mehr erforderlich. Denn die sogenannten Spurplandrucktastenstellwerke, die etwa um Mitte des 20. Jahrhunderts gebaut wurden, arbeiten bereits elektronisch und führen alle Stellbefehle und Schaltungen über die im Hintergrund arbeitende Relaistechnik aus. Statt dem Umlegen jeder einzelnen Weiche, werden die Fahrstraßen hier durch die Eingabe von Start- und Zielsignal über Drucktasten oder mithilfe eines Nummernstellpultes eingestellt. Der gesamte Gleisplan des Bahnhofs oder eines Bahnhofsteils ist dabei schematisch auf einem Stelltisch oder einer Stelltafel abgebildet.

Hebelbank zum Stellen der Signale und Weichen im mechanischen Stellwerk München Ost Rangierbahnhof
Fahrdienstleiter-Arbeitsplatz im Spurplandrucktastenstellwerk München Ost Pbf
Auf dem Dach des Stellwerks München Hbf

Die modernste Form der Stellwerkstechnik gab es dann in der Betriebszentrale zu erleben. Hier arbeiten örtlich zuständige Fahrdienstleiter (özF) an modernen Computerarbeitsplätzen und steuern den Zugverkehr mithilfe Elektronischer Stellwerkstechnik (ESTW). Die Bedienung und Sicherungslogik wird hier durch eine Software, die auf den jeweiligen Stellwerksbereich angepasst ist, realisiert. Die Einstellung der Fahrstraßen und Regelung des Zugverkehrs wird manuell per Mausklick oder Tastatureingabe am Bildschirmarbeitsplatz bzw. über eine Zuglenkung automatisch ausgeführt. Die Stellbereiche, die von hier aus bedient werden, reichen oft über weite Strecken vieler Kilometer und umfassen dabei zumeist mehrere Bahnhöfe.

Termine für zukünftige Fahrdienstleiter-Camps sowie weiterführende Informationen rund um die Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Fahrweg erhalten Sie auf der ► Karriereseite der Deutschen Bahn.

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