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Zwischen Schienen, Schwellen und Schotter: Gleisbau-Camp begeistert Schüler

Ein Teilnehmer des Gleisbau-Camps hält ein ausgetrenntes Schienenstück in der Hand.
Ein Teilnehmer des Gleisbau-Camps hält ein ausgetrenntes Schienenstück in der Hand.

„Der beste Tag meines Lebens“: Mit diesen Worten unterstrich einer der Jugendlichen seine überschwängliche Begeisterung für die Teilnahme am Gleisbau-Camp in München. Wie das Streckennetz der Deutschen Bahn instand gehalten wird, konnten sich interessierte Schüler kürzlich einen Tag lang bei der DB Netz AG etwas genauer ansehen. Und dabei war Anpacken angesagt.


Ohne den Gleisbau würde sich im Bahnverkehr nichts bewegen. Denn die Gleise, die zusammen mit dem Gleisbett den sogenannten Oberbau bilden – bestehend aus Schienen, Schwellen und Schotter bzw. einer festen Fahrbahn, sind die Grundlage des Fahrweges für alle spurgeführten Schienenfahrzeuge. Neben Triebfahrzeugführern und Fahrdienstleitern gehört daher auch der Gleisbauer zu einer der wichtigsten Berufssparten im Eisenbahnwesen.

Um den Ausbildungsberuf des Gleisbauers für potenzielle Bewerber möglichst informativ und spannend zu gestalten, lud die DB Netz AG am Standort München kürzlich Schüler zu einem erlebnisreichen Aktionstag ein. Als Treffpunkt war der Bahnhof München-Pasing vorgesehen. Dieser hüllte sich am Morgen des 4. November durch einen herrlichen Sonnenaufgang in hellen Glanz. Das Wetter passte also um die Arbeit des Gleisbauers, die weitestgehend an der frischen Luft stattfindet, ausführlich kennenzulernen. Der Fußweg vom Pasinger Bahnhof zum DB-Gelände in der Varnhagenstraße dauerte rund 10 Minuten. Dort angekommen, wurden die jungen Teilnehmer von der Ausbildungsgesamtkoordinatorin Elisa Duda, ihren Kollegen und den Gleisbau-Azubis in Empfang genommen.

Die Jugendlichen erwartete ein aufregender Tag aus unterschiedlichen Workshops sowie der Besuch einer echten Baustelle. Zu Beginn der Veranstaltung stellte Stephan Kutscher, Leiter der Instandhaltung der Produktionsdurchführung München, sein Team und die Aufgaben des Unternehmensbereichs der DB Netz AG im Allgemeinen vor. Die Mitarbeiter der Instandhaltung sorgen dafür, dass die Funktion der Infrastruktur und alle dazugehörigen Einrichtungen, wie die Fahrwege, die Leit- und Sicherungstechnik (Stellwerks-, Signal- und Weichenanlagen) sowie die Stromversorgung durch die 15.000 Volt führende Oberleitung, jederzeit gewährleistet ist. Kommt es dennoch zu einem technischen Ausfall oder einer Unregelmäßigkeit, so sorgen die Mitarbeiter umgehend für eine zügige Entstörung. Der Zuständigkeitsbereich der Instandhaltung München umfasst alle Anlagen der Eisenbahninfrastruktur im Raum der bayerischen Landeshauptstadt sowie für einen großen Teil des oberbayerischen Streckennetzes. Dazu zählen unter anderem der Münchner Hauptbahnhof und die S-Bahn-Stammstrecke als auch die Streckenabschnitte Richtung Petershausen, Geltendorf, Mühldorf und Rosenheim bis Freilassing.

Teilnehmergruppe im Gleisbau-Camp
UVV-Unterweisung zum Verhalten auf Bahnanlagen

Der Beruf des Gleisbauers ist vielfältig und abwechslungsreich: So gehören unter anderem die Inspektion, Wartung und Instandsetzung von Gleisanlagen, aber auch Arbeitsvorbereitungen und unterschiedliche Messhilfstätigkeiten zum Aufgabenbereich. Durch seine verantwortungsvolle Tätigkeit trägt der Gleisbauer maßgeblich zur Durchführung eines sicheren und reibungslosen Schienenverkehrs bei. Ein Beruf der vor allem Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Ausdauer und handwerkliches Geschick erfordert.

Bevor es aber im Rahmen des Aktionstages sprichwörtlich an die Arbeit gehen konnte und die jungen Teilnehmer in die Geheimnisse des Gleisbaus eingeweiht wurden, stand zuvor noch die Unfallverhütung auf dem Programm. In der Unterweisung wurde jeder der Schüler über das richtige Verhalten im Gleisbereich und den eventuellen Umgang mit Baumaschinen und Werkzeugen aufgeklärt. Anschließend bekamen die Schüler ihre Persönliche Schutzausrüstung (PSA) verliehen. Denn das Tragen von Arbeitsschuhen, einer Schutzjacke und -hose sowie das Mitführen der Arbeitshandschuhe ist im Gleisbereich aus Sicherheitsgründen Pflicht.

Workshops

Das DB-Gelände in der Varnhagenstraße verfügt über eine eigene Übungsanlage, die hervorragend zur praktischen Ausbildung genutzt werden kann. Auf einem kurzen Gleisabschnitt wurde den Schülern hier gezeigt, wie Schienen aus- und später wieder eingebaut werden. Und dabei mussten die Jugendlichen vor allem selbst Hand anlegen. Neben der eigenen Muskelkraft wurde die Arbeit aber durch unterschiedliche Werkzeuge und Baumaschinen unterstützt. So wurde das Lösen der Haken- und Schwellenschrauben mit einer Schwellenschraubmaschine durchgeführt, die unter Anleitung und Aufsicht der Azubis und Ausbildungsfachkoordinatoren durch die Jugendlichen selbst bedient werden durfte. Die Klemmplatten und Federringe ließen sich dann leicht von Hand entfernen. Der rund 15 Meter lange Schienenstrang konnte nun mithilfe von Umsetzblöcken aus dem Gleis gehoben werden. Nachdem die Gruppenaufsicht einige fachliche Erklärungen zum grundlegenden Aufbau des Gleiskörpers erläuterte, folgte der Wiedereinbau der Schiene auf den Schwellen und das Befestigen mit den dazugehörigen Kleineisen, wie die Befestigungsmittel auch genannt werden.

Schienenwechsel mit vereinten Kräften
Vermessung der Gleislage …
… zur Beseitigung von Längshöhenfehlern

Der zweite Workshop, der ebenfalls auf einem Übungsgleis stattfand, umfasste dann das Beseitigen von Längshöhenfehlern. Hierbei handelt es sich um Abweichungen der Höhe eines Gleises von seiner planmäßigen Lage. Auch wenn diese Höhenfehler zumeist nur wenige Zentimeter oder sogar Millimeter betragen, so kann eine minimale Abweichung bereits zu Beeinträchtigungen des Fahrkomforts und im schlimmsten Fall sogar zu Sicherheitsrisiken führen. Die Vermessung wurde dabei mithilfe eines Nivelliergeräts und der dazugehörigen Messlatte vorgenommen. Festgestellte Längshöhenfehler wurden dann durch das Anheben bzw. Absenken des Gleises ausgeglichen. Anschließend wurde der Schotter unter den Schwellen des Gleises mithilfe von Kraftstopfern wieder verdichtet und stabilisiert.

Baustellenbesichtigung

Zu einem Highlight des Aktionstages gehörte aber sicher auch der interessante Besuch bei einem Gleisbautrupp auf der Baustelle im nahegelegenen Betriebsbahnhof. Hier bekamen die jungen Teilnehmer unter anderem hautnah zusehen, wie Schienen mit einer Schienentrennschleifmaschine geflext und im Anschluss verschweißt wurden.

Austrennen eines Schienenstücks
Gleisbauer beim Oberbauschweißen
Schleifen der Schweißstelle

Der Schweißvorgang, bei dem die zwei Schienenenden – die sogenannten Schienenstöße – wieder verbunden wurden, erfolgte mithilfe einer aluminothermischen Reaktion. Bei diesem Vorgang entstehen Infolge des chemischen Verfahrens im Schmelztiegel Temperaturen von bis zu 2.400 °C. Der flüssige Thermitstahl füllt bei diesem Prozess die Lücke in der Gussform zwischen den zwei Schienenstößen aus und verbindet somit die beiden Schienenenden miteinander. Anschließend wurden überstehende Teile mit einem Abschergerät entfernt und der Schienenkopf mit einer Gleisschleifmaschine abgeschliffen.

Oberbauschweißen (360-Grad-Video)

Abschlussveranstaltung

Bevor jedem der Teilnehmer zum Abschluss der Veranstaltung ein persönliches Zertifikat überreicht wurde, baten die Verantwortlichen aber noch einmal um ein kurzes Feedback. Denn natürlich wollten auch die Organisatoren des Camps erfahren, was bei den Jugendlichen an vermitteltem Wissen hängen geblieben ist und ob sich der eine oder andere den Beruf tatsächlich vorstellen kann. Wie Instandhaltungsleiter Kutscher zum Ende der Veranstaltung noch einmal erwähnte, werde jeder Azubi, der seine Ausbildung abschließe, in den Betrieb übernommen. Im späteren Karriereweg sind zudem unterschiedliche Aufstiegsmöglichkeiten gegeben. Neben einer Weiterqualifizierung beispielsweise zum Industriemeister oder Fahrbahn- bzw. Weichenmechaniker ist auch ein Ingenieurstudium im Bereich Bauingenieurwesen möglich. Die Einstiegsvoraussetzung für die Ausbildung ist hier in der Regel ein Hauptschulabschluss. Die dreijährige Ausbildung umfasst neben dem Beruf des Gleisbauers auch den Lehrberuf des Tiefbaufacharbeiters.

Weitere Informationen zum Ausbildungsberuf des Tiefbaufacharbeiters/Gleisbauers sowie Termine für zukünftige Gleisbau-Camps erhalten Sie auf der ► Karriereseite der Deutschen Bahn.

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