180 Jahre Deutsche Eisenbahn: Mit dem „Adler“ fing es an

Nachbau der ersten in Deutschland eingesetzten Dampflokomotive „Adler“ (Foto: © DB Museum / Klaus Mosch)
Nachbau der ersten in Deutschland eingesetzten Dampflokomotive „Adler“ (Foto: © DB Museum / Klaus Mosch)

Man mag es kaum glauben, die Eisenbahn in Deutschland feiert heute bereits ihr 180-jähriges Bestehen. In einer Zeit als die Pferdekutsche die nahezu einzige Form der Reisemöglichkeit bot, war die Geburtsstunde der Eisenbahn etwas ganz Besonderes. Doch der Beginn des Eisenbahnzeitalters wurde bewundert und verteufelt zugleich. Ein Blick zurück auf die Entstehung einer der wichtigsten technischen Innovationen des 19. Jahrhunderts.


Als am 7. Dezember 1835 gegen 9 Uhr früh die erste Eisenbahnstrecke, die Ludwigseisenbahn, zwischen Nürnberg und Fürth feierlich eröffnet wurde, war für Deutschland eine ganz besondere Zeit angebrochen. Die Mobilität der Menschen veränderte sich und der Beginn einer neuen Epoche war angebrochen. Ab sofort war das Reisen bequemer und vor allem schneller möglich als jemals zuvor. Heute ist die Eisenbahn eines der schnellsten, wichtigsten und sichersten Fortbewegungsmittel in Deutschland und in weiten Teilen der Welt. Doch ihre Ursprünge finden sich in England.

England als Vorreiter

1712 entwickelte Thomas Newcomen die erste verwendbare Dampfmaschine, die zum Abpumpen von Wasser in einem Bergwerk benutzt wurde. Sie war der Vorläufer nachfolgender Dampfmaschinen und ein wichtiger Entwicklungsschritt hin zur späteren Dampflokomotive. Die ersten erfolgreichen dampfbetriebenen Lokomotiven, „Puffing Billy“ und „Wylam Dilly“, kamen rund 100 Jahre später, 1814, auf einer Grubenbahn in Nordengland zum Einsatz. Mit der grandiosen Idee, eine Dampfmaschine auf Räder zu stellen, die sich wiederrum auf Schienen fortbewegt, war die Eisenbahn im Grunde geboren. George Stephenson, dem sogenannten „Vater der Eisenbahn“, und seinem Sohn Robert gelang Mitte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, rund zehn Jahre vor dem Start der Eisenbahn in Deutschland, der erste große Meilenstein. Nach unzähligen Rückschlägen erfolgte am 27. September 1825 mit der eigens entwickelten „Locomotion No. 1“ die Jungfernfahrt der ersten maschinenbetriebenen Eisenbahn zwischen Stockton und Darlington in England. Eine Weltpremiere: Erstmals wurden Passagiere mit einer Dampflokomotive befördert. Vier Jahre später, im Jahr 1829, kam dann die „Rocket“ zum Einsatz. Auf der Strecke von Liverpool nach Manchester setzte sich die ebenfalls von Stephenson entwickelte Lokomotive erfolgreich gegen vier weitere Konkurrenten durch.

Deutschland zog nach

Die Nachrichten über den Bau und den Erfolg der ersten Eisenbahnen in England – in den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts, erregten auch in Deutschland großes Aufsehen. Denn zur gleichen Zeit gab es Pläne, eine Pferdegüterstrecke zwischen den Handelsstädten Nürnberg und Fürth einzurichten. Die Idee eine Eisenbahn zu nutzen, schuf dabei völlig neue Möglichkeiten. Die Vorbereitungen zum Bau der damaligen rund sechs Kilometer langen Strecke begannen bereits im Jahr 1833. Am 19. Februar 1834 erhielt die in Nürnberg ansässige Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft schließlich die königlich bayerische Konzession zum Bau der ersten deutschen Eisenbahn. Mit diesem Schritt war der Weg frei für den Start in ein neues Transportzeitalter. Das notwendige Kapital für das Projekt wurde durch Aktienverkäufe erzielt. Verantwortlich für den Streckenbau war der königlich bayerische Bezirksingenieur Paul Camille Denis. Wie schon beim englischen Vorbild, übernahm man auch hier die Spurweite von 1.435 mm (4 Fuß 8½ Zoll) – die heute noch immer verwendete Normalspur.

Für die feierliche Eröffnung der eingleisigen Strecke wurde die vom englischen Ingenieur Robert Stephenson entwickelte Dampflokomotive mit dem Namen „Adler“ verwendet. Der damalige Mann auf dem Führerstand, Deutschlands erster Lokomotivführer, war der 26-jährige Engländer William Wilson. Neben der Lokomotive bestand der Premierenzug aus drei Wagen der ersten Klasse, vier Wagen der zweiten Klasse, sowie zwei Wagen der dritten Klasse. Der Ludwigszug legte die 6,04 Kilometer lange Strecke während der Premierenfahrt am 7. Dezember 1835 in nur neun Minuten zurück. Im späteren Regelbetrieb dauerte die Fahrt bei einer maximalen Geschwindigkeit von 28 km/h 14 Minuten. Bei Pferdebespannung – ohne den Einsatz der Lokomotive, wie es anfangs wechselweise vorgesehen war, brauchte man eine Fahrzeit von 25 Minuten.

Zögerlich gefördert durch Ludwig I., König von Bayern, wurde die Ludwigseisenbahn ein Symbol für den Fortschritt. Doch die neue Technik hatte nicht nur Freunde und Befürworter. Es gab auch Menschen, die den Fortschritt fürchteten. Kritiker, vor allem aus der Ärzteschaft, erwarteten gesundheitliche Schäden aufgrund des Qualms der Lokomotive und der für damalige Verhältnisse unvorstellbar hohen Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h. Zudem wurde die Eisenbahn ein zunehmend stärker werdender Konkurrent für die Betreiber von Pferdewagen-Fuhrparks und der Binnenschifffahrt. Doch allen Unkenrufen zum Trotz, wurde die Ludwigseisenbahn ein Erfolg – auch finanziell. Bereits im ersten Betriebsjahr wurden mehr als 449.000 Fahrgäste befördert.

Der Erfolg der Ludwigseisenbahn regte den Bau weiterer Eisenbahnstrecken in Deutschland an. Während anfänglich nur relativ kurze Strecken zwischen benachbarten Handelsstädten geplant waren, entstand innerhalb der folgenden Jahrzehnte ein Schienennetz von mehreren tausend Kilometern. Neben der Beförderung von Personen wurden zunehmend auch Güter mit dem neuen Verkehrsmittel transportiert.

Mehr als 20 Jahre lang fuhr der „Adler“ auf der Strecke zwischen Nürnberg und Fürth. Das Original der ersten in Deutschland eingesetzten Dampflokomotive ist heute nicht mehr erhalten. Im DB Museum in Nürnberg lässt sich jedoch ein detailgetreuer Nachbau der legendären Zugmaschine bestaunen.

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