Neuvergabe später: DB bleibt vorerst Betreiber der S-Bahn München

Mehrere Medien hatten im Vorfeld bereits davon berichtet – nun ist es offiziell: Die Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio wird über das Jahr 2017 hinaus vorerst Betreiber des Schnellbahnnetzes in und um die bayerische Landeshauptstadt bleiben. Eine spätere Ausschreibung soll dann für langfristigen Wettbewerb sorgen.


Ursprünglich sollte der Verkehrsvertrag mit der DB in knapp zwei Jahren, im Dezember 2017, enden. Da jedoch die Zeit für einen möglichen Betreiberwechsel zu kurz ist, bleibt die Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio vorerst bis zu einer Neuvergabe Betreiber des Münchner S-Bahn-Verkehrs.

Bayerns Verkehrsminister Joachim Hermann (CSU) und BEG-Geschäftsführer Dr. Johann Niggl präsentierten heute ein „Drei-Stufen-Konzept“. Dieses sieht vor, dass die Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio ab 2018 einen zweijährigen Übergangsvertrag erhält und weiter für die Erbringung der Verkehrsleistungen im Münchner S-Bahn-Netz sorgen wird. Damit werde die Betriebsstabilität über die kommenden Jahre gesichert, heißt es. Zu einer Ausschreibung soll es dann später kommen. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaats Bayern den Nah- und Regionalverkehr vergibt, will damit für langfristigen Wettbewerb sorgen.

S-Bahn-Zug auf der Münchner Stammstrecke zwischen Donnersbergerbrücke und Hackerbrücke

Für den zunächst zweijährigen Übergangsvertrag habe sich die BEG aufgrund der außerordentlich komplexen Rahmenbedingungen und zur Klärung noch offener Grundsatzfragen entschieden.

Herrmann: „Die S-Bahn München ist nicht nur das größte Schienennahverkehrsnetz in Bay­ern, sondern wegen der Stammstrecke, über die in enger Taktung fast alle Linien ge­führt werden, auch das komplexeste S-Bahn-System in ganz Deutschland, wenn nicht sogar in Europa. Die Sicherstellung der Betriebsstabilität hat angesichts der überragenden Bedeutung der S-Bahn München deshalb besondere Priorität. Alle Planungen müssen sich daran orientieren.“

Für die Zeit ab Dezember 2019 wird die BEG in einem ‚Ersten Münchner S-Bahn-Vertrag‘ die ge­sam­ten Verkehrsleistungen für zirka zwölf Jahre vergeben. Nach Einschätzung von Verkehrsexperten dürfte auch hier – aufgrund der Komplexität des Münchner S-Bahn-Netzes – die DB zum Zug kommen. In diese Vertragslaufzeit fällt der Ersatz der heutigen Fahrzeugflotte durch Neufahrzeuge, die Inbetriebnahme der 2. Stammstrecke und die damit einhergehende Erweiterung des Verkehrsangebots.

Niggl: „Auf eine Aufteilung des Netzes in mehrere Lose muss in dieser Phase verzichtet werden, da dies in Anbetracht der dichten Zugfolge in der bestehenden Stammstrecke zu inakzeptablen Risiken für die Betriebsstabilität führen würde.“

Unter Berücksichtigung der ersten Betriebserfahrungen mit der 2. Stammstrecke wird die BEG die Verkehrsleistungen dann in einem ‚Zweiten Münchner S-Bahn-Vertrag‘ ab Anfang der 2030er Jah­re erneut für voraussichtlich rund zwölf Jahre vergeben. Dabei strebt die BEG eine Aufteilung des Netzes in mehrere Lose an.

Triebzug der S-Bahn München, Baureihe 423
Streckennetz der Münchner S-Bahn

Übersicht: Das „Drei-Stufen-Konzept“ sieht vor:

  • Ab Januar 2018 soll dem heutigen S-Bahn-Vertrag, der im Dezember 2017 endet, ein zweijähriger Übergangsvertrag folgen.
  • Ab Dezember 2019 will die BEG in einem 1. Münchner S-Bahn-Vertrag die gesamten Verkehrsleistungen zunächst ohne Aufteilung in Lose vergeben (Laufzeit voraussichtlich ca. zwölf Jahre).
  • Anfang der 2030er-Jahre nach der Inbetriebnahme der 2. Stammstrecke und dem Ersatz der heutigen Fahrzeugflotte durch Neufahrzeuge sowie einer Stabilisierungsphase für das das neue Betriebskonzept mit einem deutlich erweiterten Verkehrsangebot will die BEG die Verkehrsleistungen in einem 2. Münchner S-Bahn-Vertrag erneut für vsl. rund zwölf Jahre vergeben und strebt dabei eine Aufteilung des Netzes in mehrere Lose an.
Drei-Stufen-Konzept zum Vergabeverfahren S-Bahn München (Grafik: BEG)

S-Bahn-Geschäftsleiter Bernhard Weisser begrüßt die Entscheidung zur Vertragsverlängerung ab 2018: „Wir freuen uns, dass der Freistaat Bayern und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) uns das Vertrauen schenken, die S-Bahn München im Übergangsvertrag bis Ende 2019 weiter zu betreiben. Dieses Vertrauen ist für uns zugleich Verpflichtung, trotz der bekannten Engpässe in der Infrastruktur und der weiterhin steigenden Fahrgastzahlen, unseren Fahrgästen auch in den kommenden Jahren eine stabile und zuverlässige Leistung anzubieten. Wir begrüßen auch die Entscheidung des Freistaats und der BEG mit der geplanten Vergabe des 1. Münchner S-Bahn-Vertrags für alle Beteiligten mehr Planungssicherheit zu schaffen. Damit wird insbesondere die Basis für die Entwicklung und Beschaffung der künftigen S-Bahn-Flotte geschaffen. Die DB Regio AG wird sich selbstverständlich an dem wettbewerblichen Verfahren beteiligen.“

Über die S-Bahn München

Die Münchner S-Bahn beschäftigt ca. 1.100 Mitarbeiter und wird täglich von rund 840.000 Fahrgästen genutzt. Das seit 1972 in Betrieb befindliche S-Bahn-Netz in der bayerischen Landeshauptstadt sowie im dazugehörigen Umland umfasst mehr als 150 Bahnhöfe sowie Haltepunkte und hat eine Länge von mehr als 430 Kilometern. Der Fahrzeugbestand umfasst 238 Triebzüge der Baureihe ET 423 und 15 Triebzüge der Baureihe ET 420.

Über die BEG

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) wurde im Jahr 1995 im Zuge der Bahnstrukturreform durch den Freistaat Bayern gegründet. Die BEG organisiert den gesamten Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern. Bis 2023 hat sie das langfristige Ziel, alle Verkehrsleistungen im bayerischen Regionalverkehr im Wettbewerb zu vergeben.

Die BEG im Portrait

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