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Vom Stellhebel zum Mausklick: Wie die Bahn den Zugverkehr steuert

Arbeitsplatz eines Fahrdienstleiters im ESTW. (Foto: © Bahnblogstelle)

Arbeitsplatz eines Fahrdienstleiters im ESTW. (Foto: © Bahnblogstelle)

Stellwerke dienen dem Stellen von Weichen und Signalen. Sie ermöglichen damit die Sicherung der Fahrwege und die Zulassung der Zug- und Rangierfahrten. Täglich sorgen bundesweit mehr als 12.000 Fahrdienstleiter tausendfach dafür, dass Züge sicher von A nach B kommen. Damit Züge über einen technisch gesicherten Fahrweg fahren können, werden in Stellwerken sogenannte Fahrstraßen gestellt.


Um einen reibungslosen Bahnverkehr gewährleisten zu können, sind technische Einrichtungen erforderlich, mit denen alle Elemente eines Fahrweges, wie Weichen und Signale, für Züge und Rangierfahrten zentral gesteuert, gesichert und überwacht werden können. Sie schaffen dabei die so genannte Signalabhängigkeit. Diese Aufgabe übernehmen örtlich besetzte Stellwerke oder ferne Betriebszentralen – die einen großen Regionalbereich disponieren, in denen Fahrdienstleiter den Zugverkehr regeln und somit einen sicheren, pünktlichen und wirtschaftlichen Betriebsablauf sicherstellen.

Da Schienenfahrzeuge keine Möglichkeit des Ausweichens oder Lenkens haben, übernimmt die Stellwerkstechnik die Einstellung des korrekten und technisch gesicherten Fahrweges – der sogenannten Fahrstraße. Man unterscheidet hier unterschiedliche Sicherungsniveaus: So ist die Fahrstraße für Zugfahrten, die Zugstraße oder im Ausnahmefall die Zughilfsfahrstraße, im Ausmaß der Fahrwegssicherung umfangreicher als bei einer Rangierstraße für einzelne Fahrzeugbewegungen im Rangierdienst. Fahrstraßen beginnen in der Regel an einem Startsignal und enden an einem Zielsignal oder auf der freien Strecke.

Die Zulassung einer Zugfahrt obliegt dabei dem Fahrdienstleiter. Dieser gibt in der Regel durch Licht- oder Formsignale – im Sonderfall auch durch einen schriftlichen Befehl – dem Triebfahrzeugführer die Zustimmung zur Abfahrt.

Stellwerke dienen dem Stellen von Weichen und Signalen. Sie ermöglichen damit die Sicherung der Fahrwege und die Zulassung der Zugfahrten  (Foto: Uwe Miethe / DB AG)

Täglich sorgen mehr als 12.000 Fahrdienstleiter bundesweit dafür, dass sich Weichen und Signale in der korrekten Lage befinden. Die DB Netz investiert seit Jahren in moderne Leit- und Sicherungstechnik (LST), durch welche die Sicherheit erhöht und die Steigerung der Leistungsfähigkeit des Eisenbahnbetriebs gewährleistet wird.

Rund 40.000 Züge im Personennah-, -fern- und Güterverkehr sind tagtäglich auf dem deutschen Schienennetz unterwegs, bringen Millionen Reisende an ihr Ziel oder Güter zur rechten Zeit zu ihren Bestimmungsort. Gesteuert wird der Zugverkehr durch bundesweit rund 3.000 Stellwerke.

Anzahl Stellwerke in Deutschland nach Bauart
(Quelle: Daten aus dem Infrastrukturzustandsbericht 2014)

Bauform | Anzahl | Anteil am Gesamtbestand

  • Mechanische Stellwerke  ( 839  |  27% )
  • Elektromechanische Stellwerke  ( 339  |  10% )
  • Relais- / Drucktastenstellwerke  ( 1.397  |  45% )
  • Elektronische Stellwerke  ( 424  |  13% )
  • Sonstige Bauformen  ( 91  |  2% )
  • Summe  3.090

Während in den Anfangsjahren der Eisenbahn nur die Einzelstellung der jeweiligen Fahrwegselemente vor Ort möglich war, wurde den damaligen Eisenbahnpionieren um 1840 schnell klar, dass diese Tätigkeiten zur Sicherheit – bei einem immer komplexer werdenden Schienensystem – zukünftig nur über zentrale Bedienstellen erfolgen kann. Darüber hinaus wurde durch technische Abhängigkeiten zwischen den angesteuerten Außenanlagen bei der zentralen Fahrstraßeneinstellung gewährleistet, dass ein Signal nur dann in Fahrstellung gebracht werden kann, wenn sich alle notwendigen Elemente des Fahrweges in der richtigen Lage bzw. Stellung befinden und verschlossen sind. Diese Abhängigkeit wird auch als Signalabhängigkeit bezeichnet und ist damals wie heute ein elementarer Bestandteil der Fahrstraßensicherung.

Historisch bedingt werden Stellwerksanlagen hinsichtlich ihrer technischen Ausführung in unterschiedliche Bauformen unterschieden:

Mechanische Stellwerke

Mechanische Stellwerke sind durch einen Fahrdienstleiter örtlich besetzte Stellwerke, bei denen die Außenanlagen (Signale und Weichen) über Drahtseilzüge und Gestängeleitungen durch Hebel mit Muskelkraft in eine bestimmte Stellung bzw. Lage gebracht werden. Weichen können damit nur bis zu 800 und Signale bis maximal 1.800 Meter Entfernung gestellt werden. Die Abhängigkeit (Signalabhängigkeit) zwischen den Hebeln wird durch ein mechanisches Verschlussregister bewirkt. Die Stellbezirke, also die Streckenabschnitte, für die der Fahrdienstleiter in seinem Stellwerk verantwortlich ist, sind daher vergleichsweise klein. Hinzu kommt, dass sich der Stellwerksmitarbeiter per Augenschein davon überzeugen muss, ob das Gleis, in das ein Zug fahren soll, auch wirklich frei ist. Größere Bahnhöfe erfordern deshalb stets mehrere dieser Stellwerke.

Mechanische Stellwerke sind der älteste Stellwerkstyp, der ab etwa 1867 in Deutschland zum Einsatz kam.

Stellhebel in einem mechanischen Stellwerk

Elektromechanische Stellwerke

Elektromechanische Stellwerke sind durch einen Fahrdienstleiter örtlich besetzte Stellwerke, bei denen die Außenanlagen (Signale und Weichen) elektrisch gestellt und überwacht werden. Diese Bauform wandelt mechanische Bedienhandlungen des Personals in elektrische Impulse um. Die Betriebszustände der Signale und Weichen werden im Stellwerk über verschiedenfarbige Lichtpunkte angezeigt. Der Fahrdienstleiter überzeugt sich per Augenschein davon, dass die Gleise für Zug- oder Rangierfahrten frei sind. Die Abhängigkeit (Signalabhängigkeit) zwischen den Hebeln wird ähnlich wie bei einem mechanischen Stellwerk durch ein mechanisches Verschlussregister bewirkt.

Technik in einem Elektromechanischen Stellwerk

Relaisstellwerke

Relaisstellwerke sind durch einen Fahrdienstleiter besetzte Stellwerke, bei denen die Abhängigkeit (Signalabhägigkeit) der Fahrwegselemente über Relaisschaltungen hergestellt wird. Durch den Wegfall eines mechanischen Verschlussregisters können die Bedientasten und Meldeleuchten in einem schematischen Gleisbild angeordnet werden, wodurch diese Stellwerksbauform auch als Gleisbildstellwerk bezeichnet wird. Die Gleise werden bei dieser Bauart überwiegend automatisch frei gemeldet.

Eingabe von Start- und Zielsignal am Stelltisch eines Drucktastenstellwerks

Eine Weiterentwicklung ist das (Spurplan-)Drucktastenstellwerk, welches auf einem Baukastenprinzip beruht. Die Bausteine sind Relaisgruppen, wobei jedem Element der Gleisanlage einer Relaisgruppe zugeordnet ist. Drucktastenstellwerke sind eine heute noch immer häufig verwendete Stellwerksbauform, welche jedoch zunehmend durch moderne Elektronische Stellwerke (ESTW) abgelöst werden.

Elektronische Stellwerke (ESTW)

Elektronische Stellwerke, abgekürzt ESTW, sind rechnergesteuerte Stellwerke, die unter Verwendung von Computerkomponenten die Bereitstellung eines gesicherten Fahrweges gewährleisten. Die Bedienung und Sicherungslogik wird durch eine Software, die auf den jeweiligen Stellwerksbereich angepasst ist, realisiert.

Die Einstellung der Fahrstraßen und Regelung des Zugverkehrs erfolgt manuell per Mausklick bzw. Tastatureingabe am Bildschirmarbeitsplatz oder über eine automatische Zuglenkung.

Mühldorf 051

Fahrdienstleiter an einem ESTW-Bedienplatz

Fahrdienstleiter können in den ESTW größere regionale Bereiche steuern und überwachen. Viele Fahrdienstleiter arbeiten inzwischen in den bundesweit sieben Betriebszentralen der DB Netz AG, wodurch ein hoher Automatisierungsgrad in der Betriebsführung erreicht wird.


Artikelfoto: © Uwe Miethe / DB AG

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