Staatsanwaltschaft: Zugunglück von Bad Aibling durch menschliches Versagen verursacht

Die Ermittler gehen nun offiziell von einem menschlichen Versagen aus: Der zuständige Fahrdienstleiter im Stellwerk soll das Zugunglück von Bad Aibling am 9. Februar 2016, das elf Menschen das Leben kostete, fahrlässig verursacht haben. Die Ermittler äußerten sich heute dazu auf einer Pressekonferenz.


Eine Woche nach dem schweren Zugunglück von Bad Aibling (► Bahnblogstelle berichtete) führen die Ermittlungsbehörden die Ursache auf menschliches Versagen zurück. Wie der Leitende Staatsanwalt Wolfgang Giese sagte, habe man „schon kurz nach dem Unglück, gegen den für die Zugabwicklung zuständigen Fahrdienstleiter ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet.“

Unfallort nach dem Zusammenstoß der zwei Meridian-Züge bei Bad Aibling (Foto: Achim Stauß / DB AG)

Der 39-Jährige hatte offenbar den zwei Zügen – die in entgegengesetzter Richtung unterwegs waren – auf einer eingleisigen Strecke die Fahrt zugelassen, was wenig später zu einer Kollision mit elf Toten und mehr als 80 Verletzten führte. „Nachdem er sich zuerst auf sein Aussageverweigerungsrecht beruften hatte, hat er sich gestern Nachmittag mit seinen Verteidigern einer mehrstündigen Vernehmung gestellt, und sich in allen Einzelheiten zu seinem Verhalten in Zusammenhang mit der Zugabwicklung vor dem Unfallgeschehen geäußert. Sein Verhalten ist nicht mit dem für ihn geltenden Regelwerk als Fahrdienstleiter in Einklang zu bringen. Hätte er sich regelgerecht – also pflichtgemäß – verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß der Züge gekommen. […] Es geht in unserem Ermittlungsverfahren um menschliches Versagen mit katastrophalen Folgen, aber nicht um vorsetzliche Herbeiführung des Zugunglücks.“, so Giese.

Der Fahrdienstleiter habe, als er seinen Fehler bemerkte, noch einen Notruf abgesetzt, so Oberstaatsanwalt Jürgen Branz. Wenige Sekunden später waren die Züge bereits zusammengestoßen.

Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft und Polizei zum aktuellen Ermittlungsstand

Ein technisches Versagen schließen die Ermittler derzeit aus. Bereits am Montag hatte auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bekräftigt, dass es darauf keine Hinweise gebe.

Wie Geise sagte, sei der Beschuldigte derzeit nicht in Untersuchungshaft. „Man muss nicht davon ausgehen, dass hier ein Haftgrund vorliegt“, so der Leitende Staatsanwalt. Es gehe um eine fahrlässige Tat, nicht um eine vorsätzliche und um einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren. Der Fahrdienstleiter wurde in Absprache mit seinen Verteidigern an einen sicheren Ort gebracht. „Ihm geht’s nicht gut“, so Branz. „Was wir momentan haben, ist ein furchtbares Einzelversagen“, fügte er hinzu.

Update 18.02.: Die für den kommenden Samstag geplante Rekonstruktion des Unglücks auf der eingleisigen Strecke wurde abgesagt. Der Aufwand für eine Simulationsfahrt sei schlichtweg nicht mehr nötig, sagte ein Polizeisprecher nach Informationen des Bayerischen Rundfunks. Die Auswertung der Daten aus den Fahrtenschreibern habe der Staatsanwaltschaft genügend Erkenntnisse gebracht, heißt es.

Reparaturarbeiten an der Strecke

Seit Montag laufen die Reparaturarbeiten an der Bahnstrecke bei Bad Aibling. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, arbeiten die Instandsetzungsteams Tag und Nacht mit Hochdruck daran, die Schäden an der Bahnstrecke zu beheben. Insgesamt müssen 120 Meter Gleisanlagen wiederhergestellt werden.

Am Mittwoch soll ein 160-Tonnen-Kran den letzten Zugteil, der noch vor Ort ist, auf einen Güterwagen verladen. Im Anschluss daran können die Techniker damit beginnen, die Oberleitung zu reparieren.

Die Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim bleibt voraussichtlich noch bis Ende der Woche gesperrt. Ein Busersatzverkehr ist eingerichtet.

Update 18.02.: Ab Samstag soll der reguläre Fahrplanbetrieb wieder aufgenommen werden.


Letzte Aktualisierung: 18.02.2016, 21:35 Uhr

Artikelfoto: © Reinhold Weinretter / DB AG

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