Erschreckende Parallelen: Berlin-Wannsee (1993) – Bad Aibling (2016)

Nach der Zugkollision von Bad Aibling werden Erinnerungen an ein Zugunglück aus dem Jahr 1993 wach. Damals waren ein InterCity und ein Schnellzug bei Berlin-Wannsee frontal zusammengestoßen. Das erschreckende daran, der Unfallhergang weist gewisse Ähnlichkeiten zur Zugkollision vom 9. Februar 2016 auf. 


Zwölf Tage liegt das Unglück bei Bad Aibling nun mittlerweile zurück. Bei Recherchen zu ähnlichen Unfällen stieß ich kürzlich auf einen Bahnbetriebsunfall, bei dem ein InterCity und ein Schnellzug ebenfalls frontal zusammengestoßen waren. Das ist nun fast 23 Jahre her. Bei näherer Betrachtung beider Zugunglücke weist der Unfallhergang von damals erschreckende Parallelen zum Unfall vom 9. Februar auf. Auch das Zugunglück von damals ist auf menschliches Versagen im Stellwerk zurückzuführen und konnte anschließend per Zugfunk nicht mehr verhindert werden.

Was war passiert?

In der Nähe des Bahnhofs Berlin-Wannsee stießen am 9. April 1993 zwei Züge, ein InterCity und ein Schnellzug, frontal zusammen. Drei Menschen verloren dabei ihr Leben, insgesamt 49 wurden verletzt. Es war das schwerste Eisenbahnunglück in der Berliner Nachkriegsgeschichte zur damaligen Zeit.

Der damals zuständige Fahrdienstleiter im Bahnhof Wannsee stellte irrtümlicherweise für den IC 995 den Fahrweg auf das Gleis der Gegenrichtung ein. Diese unrichtige Fahrstraße ermöglichte keine Fahrtstellung des Ausfahrsignals. Dies wurde als Störung angesehen. Der Fahrdienstleiter betätigte daraufhin das Ersatzsignal Zs 1 – das Signal, das er zuvor am meisten bedient hatte, da aufgrund von Bauarbeiten in den Tagen zuvor nur ein eingleisiger Betrieb stattfand. Das dramatische daran, zur selben Zeit befuhr Schnellzug D 10545 dasselbe Gleis aus der Gegenrichtung.

Da der Lokführer des InterCity das für diesen Tag gültige Verzeichnis der vorübergehenden Langsamfahrstellen pflichtwidrig ignorierte, viel ihm der Fehler der eingestellten Gegengleisfahrt nicht auf.

Nachdem der Fahrdienstleiter seinen Fehler bemerkte, hatte er jedoch keine Möglichkeit mehr, die Züge noch zu erreichen um eine Kollision zu vermeiden. Grund dafür war eine fehlende Funkausrüstung im Stellwerk. Auch der Fahrdienstleiter im benachbarten Griebnitzsee konnte den entgegenfahrenden D-Zug nicht mehr aufhalten, da der Zug bereits zu weit von Griebnitzsee entfernt war, um den Funkspruch mit dem relativ unempfindlichen Bundesbahn-Zugfunkgerät noch zu empfangen.

Die Lok des InterCity (Foto: Olaf Saenger)
Zerstörter Personenwagen (Foto: Olaf Saenger)

Der InterCity, der mit einem empfindlicheren Reichsbahn-Zugfunkgerät ausgestattet war, empfing den Funkspruch des Fahrdienstleiters Griebnitzsee zwar, konnte ihn aber nicht einordnen und ignorierte ihn. Das Unglück war damit vorprogrammiert.

Als der Lokführer des IC den entgegenkommenden Schnellzug bemerkte, leitete er eine Schnellbremsung ein und rannte in den hinteren Teil seiner Lok. Gegen 14:30 Uhr stießen der IC und der D-Zug mit 63 und 40 km/h bei Streckenkilometer 14,9 frontal zusammen. Die beiden jeweils ca. 100 t schweren Diesellokomotiven verkeilten sich ineinander, die jeweils folgenden Personenwagen wurden von der Masse der folgenden Züge bis auf die Hälfte ihrer Länge zusammengedrückt.


Artikelfoto: © Olaf Saenger / Quelle: Wikipedia

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