ÖBB statt DB: Allianz pro Schiene sieht Chancen für neue Nachtzugverbindungen in Deutschland

Ein besonderes Flair: In Berlin einsteigen, in Mailand aufwachen. Der Nachtzug gehört zur Eisenbahn. (Foto: © DB AG / Hansjörg Egger)
Ein besonderes Flair: In Berlin einsteigen, in Mailand aufwachen. Der Nachtzug gehört zur Eisenbahn. (Foto: © DB AG / Hansjörg Egger)
Ein besonderes Flair: In Berlin einsteigen, in Mailand aufwachen. Der Nachtzug gehört zur Eisenbahn. (Foto: © DB AG / Hansjörg Egger)

Nach der Entscheidung der Deutschen Bahn, die Nachtzugverbindungen zum Jahresende komplett einzustellen, hat Allianz pro Schiene die Ankündigung der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), das eigene Nachtzugnetz grenzüberschreitend auszuweiten, mit Freude aufgenommen.


„Der Nachtzug ist ein fester Teil der Eisenbahnkultur, dem viele Reisende sogar ein besonderes Flair zugestehen. Die ÖBB-Nachtzug-Offensive hat daher gute Chancen, in Deutschland bei den Fahrgästen erfolgreich zu sein“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege.

Flege nahm Bezug auf die Bilanzpressekonferenz der ÖBB in Wien, vom vergangenen Freitag. Hier hatte ÖBB-Chef Kern von einem jährlichen 4 Prozent-Wachstum im Nachtzugsegment berichtet und Investitionen in neue Züge von 230 Millionen Euro angekündigt.

„Wir hoffen, dass es der ÖBB auch mit ihren deutschen Verbindungen gelingt, diesem wesentlichen Baustein des Systems Eisenbahn neues Leben einzuhauchen“, sagte Flege und verwies auf einen Bericht des österreichischen „Standard“, wonach die ÖBB ganz gezielt den Rückzug der DB aus dem Nachtzuggeschäft kompensieren wolle.

Auch die Russische Staatsbahn und die Briten haben jüngst massive Investitionen in ihre Nachtzugverkehre angekündigt. Der Pro Bahn Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann gab zu bedenken, dass der Nachtzug kein Nachfrageproblem habe.

„Die Nachtzüge der DB waren und sind voll. Die Deutsche Bahn hat kein Problem mit den Fahrgästen, sondern eins mit den Kosten“, sagte Naumann, der auch Allianz pro Schiene Vorstandsmitglied ist.

Politik macht Nachtzügen das Leben schwer

Die Allianz pro Schiene kritisierte, dass beim Nachtzug-Angebot längst viel mehr möglich wäre, wenn die Politik die Bremser-Rolle aufgeben würde. Unternehmen und Fahrgäste seien in der Vergangenheit von der Politik allein gelassen worden. Geschäftsführer Flege verwies darauf, dass Passagiere von grenzüberschreitenden Nachtzügen beim Ticketkauf in Deutschland bis zur Grenze den vollen Mehrwertsteuersatz zahlen müssten, während die meisten Staaten in der EU keine Mehrwertsteuer auf grenzüberschreitende Zugtickets erheben. Flugpassagiere zahlen ebenfalls keine Mehrwertsteuer auf grenzüberschreitende Tickets. Dazu kommt eine Ungleichbehandlung bei den Energiesteuern. Airlines und Flugpassagiere zahlen keine Kerosin- und Ökosteuer. „Bahnen und Zugpassagiere werden dagegen mit der Stromsteuer sowie der EEG-Umlage belastet und zahlen Ökosteuer.

„Die Politik macht den Nachtzügen das Leben schwer“, sagte Flege.

Nach Österreich zahlen die Bahnen in Deutschland den höchsten Stromsteuersatz in der EU.


(red/ApS)

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