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Pilotprojekt zur Steigerung der Pünktlichkeit: DB testet modifiziertes Abfertigungsverfahren im Fernverkehr

Bahnhofsuhr an einem Bahnsteig in Hannover Hbf. (Foto: © DB AG / Axel Hartmann)

Bahnhofsuhr an einem Bahnsteig in Hannover Hbf. (Foto: © DB AG / Axel Hartmann)

Um die Pünktlichkeit der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit zu erhöhen, testet die Deutsche Bahn ein modifiziertes Abfertigungsverfahren, auch „verschärftes Abfertigungsverfahren“ genannt. Ob und wann dieses aber deutschlandweit eingeführt wird, ist bislang noch unklar.


Geht es nach dem bisherigen Abfertigungsverfahren, so sieht dieses vor, dass 20 Sekunden vor der fahrplanmäßigen Abfahrzeit die Bahnsteigansage ausgelöst wird. 10 Sekunden vor der geplanten Abfahrzeit erfolgt der Achtungspfiff und anschließend das Schließen der Türen (Schlüsseln durch den Zugchef/Zugführer). Bis der Zug dann aber tatsächlich abfahrbereit ist, alle Zugbegleiter fertiggemeldet haben, die Türen geschlossen sind und der Abfahrauftrag mit Signal Zp 9 oder Befehlsstab an den Triebfahrzeugführer erteilt wurde, vergehen wertvolle Sekunden, wodurch der Zug den Bahnhof meist erst 15 bis 30 Sekunden nach der fahrplanmäßigen Abfahrzeit verlässt.

Abfahrt mit Zeigersprung

Um diese minimale Verzögerung künftig zu vermeiden und die Pünktlichkeit der Fernverkehrszüge im Allgemeinen zu erhöhen, testet die DB seit dem 25. April an den Hauptbahnhöfen in Köln und Hannover ein neues Pilotprojekt zur Verfahrensmodifizierung der Zugabfertigung.

Wie die DB auf Nachfrage von Bahnblogstelle mitteilt, ist das Abfertigungsverfahren ein Prozess, der sekundengenau festgelegt ist. Ziel des Projekts ist es, die Zugabfertigung 20 Sekunden früher als bisher zu beginnen und dadurch zu erreichen, dass sich die Züge bereits mit Sprung des Minutenzeigers auf die planmäßige Abfahrtszeit in Bewegung setzen.

Symbolbild: Bahnhofsuhr an einem Bahnsteig. (Foto: © DB AG / Axel Hartmann)

Symbolbild: Bahnhofsuhr an einem Bahnsteig. (Foto: © DB AG / Axel Hartmann)

Ob und in wie weit sich die Pünktlichkeit durch eine pünktlichere Abfahrt verbessern lässt, kann die Deutsche Bahn bislang noch nicht mitteilen. Da das Projekt noch laufe, konnten noch keine kommunizierbaren Zahlen veröffentlicht werden. Ebenfalls unklar ist noch, ob und wann dieses Abfertigungsmodell deutschlandweit eingeführt werden könnte. Wie eine Bahnsprecherin sagte, kann erst nach Abschluss des Pilotprojekts und der Auswertung der Ergebnisse eine zuverlässige Aussage getroffen werden.

Teil des Projekts „Zukunft Bahn“

„Unser großes Ziel ist es, die Pünktlichkeit im Fernverkehr dauerhaft zu verbessern. Dabei ist dieses Pilotprojekt Teil eines Maßnahmenbündels. Konkret mit diesem Projekt wollen wir erreichen, dass die Züge sich pünktlich zum Zeigersprung in Bewegung setzen. Dies ist nur möglich, wenn der Abfertigungsprozess rechtzeitig beginnt und ohne Verzögerung verläuft, so eine Sprecherin der DB. „Aktuell setzen sich die meisten Züge erst ca. eine halbe Minute nach dem Zeigersprung in Bewegung. Mit der modifizierten Abfertigung wollen wir erreichen, dass die Züge künftig pünktlich den Bahnhof verlassen und damit planmäßig auf die Strecke kommen. Damit werden die Engpässe in den Verkehrsknoten entlastet.

In der persönlichen Fahrplanauskunft des Kunden ist die verkürzte Umsteigezeit jedoch nicht berücksichtigt. Die DB erklärt dazu, dass sich an der geplanten Abfahrtzeit mit Einführung des Pilotprojekts nichts geändert hat. Die Türen werden lediglich 20 Sekunden früher, also 30 statt bisher 10 Sekunden vor der Abfahrt des Zuges zum Zeigersprung geschlossen.

„Allerdings ist auch für das modifizierte Abfertigungsverfahren der Fahrgastwechsel maßgeblich. Das bedeutet, dass unabhängig von den Regelprozessen der Abfertigungsuhr auch weiterhin Fahrgäste, die bis zur Einleitung des Türschließvorgangs für das Abfertigungspersonal erkennbar den Zug besteigen wollen, dies auch können. Betroffen sind damit nur einige einzelne Fahrgäste, die wenige Sekunden vor dem Zeigersprung noch in den Zug einsteigen wollen“, sagte eine Bahnsprecherin. „Wir erhoffen uns bereits von den 20 Sekunden eine spürbare Verbesserung der Pünktlichkeit.“

Mit dem modifizierten Abfertigungsverfahren passt sich die Deutsche Bahn an die internationalen Standards an. So schließen beispielsweise bei der französischen Staatsbahn SNCF die Türen bereits 2 Minuten und bei Arriva in Großbritannien 40 Sekunden vor der Abfahrt.


(red)

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