EVG sieht Pläne zum führerlosen Fahren kritisch: „Nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch sinnvoll“

Triebfahrzeugführer in einem ICE. (Foto: © DB AG / Pablo Castagnola)
Triebfahrzeugführer in einem ICE. (Foto: © DB AG / Pablo Castagnola)

Nachdem sich bereits die Lokführergewerkschaft GDL insbesondere über ihren Vorsitzenden Claus Weselsky in den vergangenen Tagen sehr kritisch zu den Plänen der Deutschen Bahn, in einigen Jahren autonome Züge einzusetzen, äußerte (Bahnblogstelle berichtete), ergreift nun auch die Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft (EVG) das Wort.


In einer aktuellen Stellungnahme heißt es, die EVG äußere sich kritisch und distanziert zum Thema autonom fahrende Züge. Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte in einem Interview angekündigt, dass die Deutsche Bahn plane, ab 2021, spätestens aber im Jahr 2023, in Teilen des Schienennetzes vollautomatisch fahren zu können (Bahnblogstelle berichtete).

Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner sehe bei dem Thema aktuell aber keine kurzfristige Umsetzung, da noch unzählige Sachverhalte zu klären wären.

„Viele Fragen sind noch ungeklärt. Wir sehen einen erheblichen Abstimmungsbedarf in rechtlicher und technischer Hinsicht, in den die Interessenvertretung zu beteiligen ist“, betonte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner.

„Bahnfahren hat immer auch etwas mit Vertrauen und damit mit Menschen zu tun. Nicht alles, was technisch machbar ist, ist insofern auch sinnvoll und für den Kunden akzeptabel“, führte Kirchner aus.

Zudem sei noch völlig offen, was passiere, wenn ein Zug ohne Lokführer beispielsweise mit technischem Schaden liegen bleibe.

Die bisherigen Pilotprojekte hätten außerdem mit dem komplexen System einer Zugfahrt auf freier Strecke nichts zu tun, ergänzte Kirchner. So sei beispielsweise bei dem geplanten Test bei der Erzgebirgsbahn das Streckennetz sehr überschaubar. Bei einer normalen Zugfahrt seien deutlich mehr Faktoren und Unwägbarkeiten zu berücksichtigen.


(red)

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