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AeroLiner3000 – Ein Zugkonzept für Großbritanniens Schienenverkehr der Zukunft

Mit Aerodynamik, Eleganz und Effizienz soll der AeroLiner3000 in einigen Jahren die Fahrgäste in Großbritannien begeistern. Das Architektur- und Designbüro Andreas Vogler Studio hat den doppelstöckigen Hochgeschwindigkeitszug in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) entworfen. Das entwickelte Zugkonzept gehört zu den drei Finalisten des weltweit ausgeschriebenen Wettbewerbs „Tomorrow’s Train Design Today“.


„In der Luftfahrt hat Leichtbau oberste Priorität“ sagt der in München lebende Schweizer Architekt Andreas Vogler. „Mit dem AeroLiner3000 zeigen wir, dass die Leichtbauweise auch in der Welt der Schienenfahrzeuge einen Wandel anstoßen kann.“ Die ingenieur- und designtechnischen Methoden der Luftfahrt wurden auf die Konzeption und das Design des neuen Zuges übertragen.

Wie das Münchner Architektur- und Designbüro mitteilt, habe die neue Bauweise beeindruckende Vorteile: Mehr Sitzplätze, weniger Gewicht, gesteigerte Effizienz. Die Betriebs- und Unterhaltskosten würden zudem erheblich reduziert, ebenso die CO2-Emissionen. Das Andreas Vogler Studio arbeitet seit Jahren erfolgreich mit Architekten und Industrie-Designern aus dem Luft- und Raumfahrt-Bereich. Beim AeroLiner3000 hat sich Andreas Vogler zusätzlich mit dem DLR zusammengeschlossen, um die Erkenntnisse aus dessen Projekt „Next Generation Train“ zu nutzen. So entstand eine gelungene Verknüpfung von Kompetenzen.

Radikal neu gedacht – Zwei Stockwerke trotz enger Vorgaben

Der AeroLiner3000 ist doppelstöckig ausgelegt – eine Premiere in Großbritannien, wo die sehr kleinen Lichtraumprofile (70 Zentimeter niedriger als in Kontinentaleuropa) dies bis jetzt unmöglich erschienen ließen. Die neuartige Leichtbau-Konstruktion des Wagenkastens gilt als die große technische Innovation. Denn die Innenräume der Züge lassen sich nun flexibler gestalten, bis zu 30 Prozent mehr Sitzplätze sind realisierbar. Der chronischen Überlastung des britischen Bahnsystems kann auf diese Weise erfolgreich entgegengewirkt werden. Und dies ohne eine milliardenschwere Erneuerung der Infrastruktur. Die charakteristische Wabenstruktur des Wagenkastens basiert auf durchgehend gebogenen Stahlrohren mit gleichbleibendem Durchmesser, die mit Laserschweißung zusammengefügt werden. Dadurch entsteht eine extrem leichte Konstruktion, die durch großzügige Fensterflächen und schlanke diagonale Rahmen auch visuell auffällt. Das Gesamtgewicht liegt etwa 20 Prozent unter jenem konventioneller Wagenkästen.

Interior Design: Reisen wie in einem Business Jet

Mit eleganten Formen, dezenten Farben und edlen Materialien erzeugt das Wageninnere des AeroLiner3000 ein nobles Reiseambiente. Angelehnt an hochwertiges Airline-Design, hat das Team des Andreas Vogler Studio Komfort auf kleinstem Raum geschaffen, ohne die wichtigsten Aspekte von Architektur zu vernachlässigen: das Gefühl für Licht und Raum. So entsteht eine Atmosphäre, die dem Reisen in einem Business Jet sehr ähnelt. Leichtigkeit und ein eleganter Look dominieren trotz der notwendigen Strapazierfähigkeit der Oberflächenmaterialien. Die Leder-Stoff Kombination wird in der Premium- und Standard Class verwendet.

“Das elegante Reisen in viktorianischer Zeit wurde später immer mehr dem reinen Funktionalismus und der Widerstandsfähigkeit der Züge gegen Vandalismus geopfert“, sagt Andreas Vogler. „Der AeroLiner3000 zeigt allerdings, dass Fahrgäste auch in Zügen nicht auf geschmackvolle, wertige Innenraumgestaltung verzichten müssen.“

Komfort, den jeder Fahrgast spürt

Bei der Konzeption des AeroLiner3000 war ein hoher Fahrgastkomfort eines der wichtigsten Ziele. Das Raum- und Fahrerlebnis soll nicht nur hohen technischen und praktischen Ansprüchen genügen, sondern vor allem die menschliche Perspektive berücksichtigen.

„Wir haben einen psychologischen und physiologischen Komfort entwickelt“, so beschreibt Andreas Vogler diesen komplexen Ansatz. Konkret umgesetzt bedeutet dies: Einen angemessenen Sitzabstand von 830 Millimeter, einen geringen Geräuschpegel, eine interaktive, Smartphone-basierte Fahrgastinformation, sowie eine verbesserte Klimatisierung.

Das Luftventilationssystem wurde von modernen Flugzeugen übernommen. Auch das Beleuchtungskonzept setzt Maßstäbe in Bezug auf die Bedürfnisse der Fahrgäste. Im AeroLiner3000, dem temporären Zuhause oder Büro der Reisenden, erleichtern organische LEDs (OLED) die Lektüre von Geschäftsunterlagen oder Magazinen und den Blick auf Laptops: das Licht ist blendfrei, dimmbar und komfortabel. Eine weitere Innovation: Die Fensterflächen können automatisch abgedunkeltwerden, je nach Sonnenstand, Tageslicht oder vor der Einfahrt in einen Tunnel.

Charakteristische Aerodynamik

Ein modernes Symbol für Tempo, Technik und Temperament: Der aerodynamische Kopf des AeroLiner3000 hat ausgeprägte Strömungsflügel, die die Seitenwindeinflüsse stabilisieren sollen. Die Gestaltung berücksichtigt die Aerodynamik auf vielfältige Weise, vor allem durch die super-elliptische Schalenoberfläche zwischen der Nase und dem Dach der Endwagen. Aufgrund der vollständig verkleideten Radsätze und Wagenübergänge sowie durch einen glatten Unterboden entsteht zusätzlich ein positiver Umwelteffekt: der Luftwiderstand und die Geräuschemissionen werden deutlich reduziert. Charakteristisch für die Außenwirkung sind ebenso die großen Fensterflächen mit diagonal verlaufenden Fensterholmen, eine an Waben angelehnte Struktur, die weite Ausblicke und einen offenen Gesamteindruck schafft. Die neue Zuggeneration AeroLiner3000, die aus maximal zwei Halbzügen besteht, soll bis zu 400 Stundenkilometer schnell sein und in jeder 200 Meter langen Zugeinheit 620 bis 700 Fahrgästen Platz bieten, mehr als im doppelstöckigen TGV. Ein Halbzug besteht aus zwei Endwagen, acht Mittelwagen und einem einstöckigen Multifunktionswagen mit beispielsweise Restaurant oder Fahrradabteil. Jeder Wagen hat einen eigenen Antrieb, was die Zugbildung erheblich flexibler macht. Die Züge untereinander sind virtuell gekoppelt, sie können also auch während der Fahrt getrennt oder verbunden werden, und unterschiedliche Ziele anfahren. Die Folge: eine große Zeitersparnis.

Ein Zug für die Zukunft – der Wettbewerb „Tomorrow’s Train Design Today“

Das britische Bahnsystem steht vor einem Innovationssprung. Eine neue Infrastruktur und die Modernisierung sowie der Austausch zahlreicher alter Personenfernzüge sind bereits beschlossen. Bis jetzt gibt es in Großbritannien nur eine Schnellfahrstrecke zwischen London und dem Eurotunnel nach Paris – weitere Hochgeschwindigkeitsverbindungen sind jedoch geplant. Um neue Bahnperspektiven auszuloten, initiierten das Britische Verkehrsministerium und der Eisenbahnverband RSSB einen hochkarätigen Wettbewerb für innovative Bahnprojekte: „Tomorrow’s Train Design Today“. Andreas Vogler Studio München zählt mit seinem Konzept für den AeroLiner3000 zu den drei Finalisten.

Welt-Premiere in Berlin

Um der Schienenfahrzeugbranche ein Gefühl für das Innendesign des AeroLiner3000 zu geben, wird erstmals ein neun Meter langes 1:1-Modell auf der InnoTrans vom 20. bis 23. September in Berlin zu begehen sein. Zu finden ist das Modell am Stand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) in Halle 2.2, Stand 405.


(red/DLR/Andreas Vogler Studio)

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