Platz für moderne Nachfolger: S-Bahn Stuttgart verabschiedet die Baureihe 420

S-Bahn-Veteran - Baureihe 420 geht in den Ruhestand: V.l.n.r.: Dr. Dirk Rothenstein (Sprecher Geschäftsleitung S-Bahn Stuttgart), Thomas S. Bopp (Vorsitzender, Verband Region Stuttgart), Nicola Schelling (Regionaldirektorin, Verband Region Stuttgart), Rene Neuhäuser (Leiter Produktion und Technik, S-Bahn Stuttgart) Dr. Jürgen Wurmthaler (Leitender Direktor, Verband Region Stuttgart). (Foto: © DB AG)
S-Bahn-Veteran – Baureihe 420 geht in den Ruhestand: V.l.n.r.: Dr. Dirk Rothenstein (Sprecher Geschäftsleitung S-Bahn Stuttgart), Thomas S. Bopp (Vorsitzender, Verband Region Stuttgart), Nicola Schelling (Regionaldirektorin, Verband Region Stuttgart), Rene Neuhäuser (Leiter Produktion und Technik, S-Bahn Stuttgart) Dr. Jürgen Wurmthaler (Leitender Direktor, Verband Region Stuttgart). (Foto: © DB AG)

Der Verband Region Stuttgart und die S-Bahn Stuttgart haben kürzlich die letzten Fahrzeuge der Baureihe 420 verabschiedet. Mit den Nachfolgefahrzeugen der Baureihen 423 und 430 werden in der Region zukünftig ausschließlich modernere S-Bahn-Züge eingesetzt. Zusätzlich soll ein Redesign die Baureihe 423 auf den Stand der Baureihe 430 bringen, so die Deutsche Bahn.


Die zwei letzten S-Bahn-Züge der Baureihe 420 haben am 4. November nach 38 Jahren die S-Bahn Stuttgart verlassen. Dr. Dirk Rothenstein, Sprecher der Geschäftsleitung der S-Bahn Stuttgart, Thomas S. Bopp, Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart, und Nicola Schelling, Regionaldirektorin des Verbands Region Stuttgart, verabschiedeten gemeinsam die beiden Fahrzeuge offiziell in den Ruhestand.

„Fast vier Jahrzehnte war der 420er bei der S-Bahn Stuttgart im Einsatz“, so Dr. Rothenstein. „Heute geht er nach weit über hundert Millionen erbrachten Kilometern auf dem S-Bahn-Netz in der Region in den wohlverdienten Ruhestand und macht Platz für seine modernen Nachfolger.“

Damit sind in der Region Stuttgart ausschließlich moderne S-Bahn-Fahrzeuge der Baureihen 423 und 430 unterwegs – alle klimatisiert, mit Echtzeitanzeigen, Komfortsitzen und freundlichem Innenraum.

„Der Verband Region Stuttgart hat einen gewichtigen Anteil daran, dass wir deutschlandweit eine der modernsten S-Bahn-Flotten haben“, sagte Thomas S. Bopp, Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart.

Ende der 90er, Anfang der 2000er-Jahre habe die Region die ersten ET 423 gegen heftige Widerstände mitfinanziert. Über den S-Bahn-Vertrag habe sie den Weg für die neuen ET 430 geebnet und die Frischzellenkur der ET 423 vereinbart.

Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling verwies darauf, dass komfortabler ÖPNV nicht im Fahrzeuginneren ende. „Wir müssen Mobilität gesamthaft denken und von den Bedürfnissen der Fahrgäste ausgehen.“ Vieles habe der Verband Region Stuttgart während der Lebensdauer des ET 420 angestoßen: von ständig besseren Tarifangeboten über dichtere Takte bis hin zum WLAN in S-Bahnen.

Bei der Verabschiedung des 420ers präsentierte die S-Bahn auch die Nachfolgemodelle der Baureihen 423 und 430. Wie im Verkehrsvertrag mit dem Verband Region Stuttgart vereinbart, brachte ein umfangreiches Modernisierungsprogramm in den vergangenen drei Jahren die 60 Fahrzeuge vom Typ 423 auf den Stand der später beschafften 430er. Alle Einheiten wurden im S-Bahn-Werk Plochingen umgebaut. So mussten die Züge nicht lange zu anderen Werkstätten fahren und waren nach dem Umbau schnell wieder in der Region unterwegs. Ermöglicht hat dies ein 15-köpfiges Team, das die Modernisierung der Baureihe 423 durchgeführt hat.

Vier verschiedene Arbeitsgruppen – Elektrik, Boden, Mechanik und Reisendeninformationssystem – brachten Technik und Optik des 423ers auf den Stand der moderneren Baureihe 430. Anfängliche Probleme hat das kleine Team sofort aufgegriffen und gemeinsam Lösungen entwickelt.

Dr. Rothenstein: „Das hat mit dazu beigetragen, dass sowohl der enge Zeitplan – pro Fahrzeugumbau zwei Wochen – als auch das Budget von rund 500.000 Euro pro Fahrzeug eingehalten wurden. Dafür danke ich besonders dem Modernisierungsteam, das hier einen rundum tollen Job gemacht hat.“

Während des Projekts „Redesign 423“ verlegten die Techniker mehr als 60 Kilometer Kabel, tauschten über 11.300 Sitze aus und klebten über 500 Quadratmeter neuen Fußbodenbelag ein. Zudem sind 480 Monitore für das Reisendeninformationssystem, 480 neue Zugzielanzeiger und 720 Sprechstellen in den Einstiegsbereichen installiert worden. 2.880 Türtaster und Einstiegsleuchten, 2.640 LED-Lampen sowie mehrere hundert Trennscheiben, Türverkleidungen und Haltestangen haben ebenfalls Einzug in den 423er gehalten.

Die Baureihe 420

Die Züge der Baureihe 420 sind dreiteilige Elektrotriebzüge mit einer Länge von 67,40 Metern. Sie sind Ende der 1960er-Jahre für den Einsatz als S-Bahn entwickelt worden. Nach der Einführung im Rhein-Ruhr-Gebiet 1970 und München 1972 fuhren sie ab 1978 auch in der Region Stuttgart. Bis zu 136 Fahrzeuge der 120 km/h schnellen Züge waren für die S-Bahn Stuttgart im Einsatz.

Die Baureihe 423

Die vierteiligen Triebzüge der Baureihe 423 sind 67,40 Meter lang, durchgängig begehbar und klimatisiert. Als Leichtbaufahrzeuge bestehen sie größtenteils aus Aluminium. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 140 km/h. Ab 2000 kamen sie nach und nach auf dem Stuttgarter Liniennetz zum Einsatz. 60 Stück sind an die S-Bahn Stuttgart bis Ende 2005 ausgeliefert worden. Nach der Modernisierung in Plochingen in den Jahren 2013 bis 2016 bieten sie den gleichen Komfort wie die Nachfolgebaureihe 430.

Die Baureihe 430

Die Baureihe 430 ist Ende der 2000er-Jahre entwickelt worden und sollte in Stuttgart die verbliebenen 90 Fahrzeuge vom Typ 420 ersetzen. Ab kommendem Frühjahr werden 97 Einheiten die Flotte bilden. Der vierteilige 430er ist durchgängig begehbar, klimatisiert und gehört zu den modernsten S-Bahn-Fahrzeugen in Deutschland. Er ist 68,30 Meter lang und 140 km/h schnell.


(red/DB)