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Vorbildwirkung fragwürdig: Herr Grube, sind Fotos im Gleisbereich wirklich eine gute Idee?

Ein Pressefoto sorgt unter zahlreichen Eisenbahnern in den sozialen Medien für mächtig Aufregung. Es geht um ein Bild, das Bahnchef Rüdiger Grube stehend im Gleisbereich zeigt.


Halten sich unbefugte Personen im Gleisbereich auf, steht der Bahnbetrieb still. Nicht selten ist das der Fall. Ärgerlich für Bahnkunden und Bahnmitarbeiter zugleich: Die Einen kommen zu spät, die Anderen kämpfen gegen das Chaos. Das sollte auch Bahnchef Grube verärgern – immerhin ist das einer der Gründe, die oft genug zu Verspätungen und Zugausfällen führen. Hinzu kommen tragische Personenunfälle. Gerade in letzter Zeit bringen sich vor allem Kinder und Jugendliche, die sich zum Erstellen von Selfies im Gleisbereich aufhalten, immer wieder in erhebliche Lebensgefahr. Bahn und Bundespolizei warnen seit geraumer Zeit vor den Unfallgefahren im Bahnbetrieb (Bahnblogstelle berichtete).

Wenn jedoch der Bahnchef selbst für Fotojournalisten mitten im Gleis parat steht: Was soll man davon halten? Ist das ein gutes Vorbild? Ist das Betreten der Gleise für schöne Fotos mittlerweile kein Problem mehr? Der Eindruck, der dabei entsteht, ist einfach verheerend!

Einerseits wurde hier zwar „nur“ ein Foto während eines Pressetermins auf einer gesperrten Strecke geschossen. Allerdings suggeriert das Foto auch einen sehr laschen und fragwürdigen Umgang mit den eigenen Regeln und Vorschriften. Denn genau genommen ist der Aufenthalt innerhalb der Gleise nur gestattet, wenn dies zur Erfüllung amtlicher Aufgaben erforderlich oder im Rahmen eines Nutzungsverhältnisses zugelassen worden ist (§ 62 Abs. 2 EBO) und Bedienstete der Eisenbahnen in Ausübung ihres Dienstes handeln (§ 64a EBO). Ob der Bahnchef hier „in Ausübung seines Dienstes“ handelte, ist zumindest fraglich.

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(Quelle: Facebook)

Man kann hier nur hoffen, dass Bahnchef Grube, aber auch der Fotograf und eventuell weitere Personen im Hintergrund, vor dem Betreten des Gleisbereichs eine Unterweisung über die Unfallverhütungsvorschrift (UVV) erhalten haben. Die Warnweste fehlt dennoch.

Natürlich könnte man ja der Meinung sein: Was soll die ganze Aufregung! Auf der anderen Seite muss man sich dann aber auch fragen, was wäre wohl los, wenn ein Eisenbahnbetriebsleiter sagen würde: PSA (Persönliche Schutzausrüstung) brauchen wir nicht – diese Vorschriften sind lächerlich. Ein Bahnmitarbeiter mit dieser Einstellung könnte sich dann wohl relativ schnell einen neuen Job suchen.

Das Foto entstand im Juni 2014, als Bahnchef Grube und NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) die Unwetterschäden unter Begleitung von Fotojournalisten auf einer Bahnstrecke in der Nähe von Ratingen in Augenschein nahmen. Nach unseren Recherchen wurde das Bild durch einen Fotografen der Agentur Picture Alliance angefertigt. Grube habe sein Einverständnis gegeben. Eine Fotomontage, wie sie zuerst vermutet wurde, ist ausgeschlossen.

Die Deutsche Bahn nimmt den Vorgang ernst und betrachtet die Veröffentlichung des Fotos ebenfalls als kritisch. Sie werde dies zum Anlass nehmen, ihre Mitarbeiter der Pressestellen für das Thema Sicherheit und Unfallverhütung noch mehr zu sensibilisieren (Bahnblogstelle berichtet).

 


Letzte Aktualisierung: 19.12.2016, 14:40 Uhr

red

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