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Der Güterzug der Zukunft: DLR entwickelt 400 km/h schnellen NGT CARGO

Grafische Visualisierung des NGT CARGO. (Grafik: © DLR)

Die Verkehrsforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickeln mit dem Triebwagenzug NGT CARGO ein innovatives und ganzheitliches Güterzugkonzept für die Zukunft. Ziel sei es, die Attraktivität und damit den Anteil am europäischen Schienengüterverkehr deutlich zu steigern. Der Güterzug der Zukunft zeichne sich durch einen hohen Automatisierungsgrad, eine intelligente Abfertigung und höhere Geschwindigkeiten aus. So könne der Warentransport laut DLR flexibler gestaltet und die Kapazität des Systems erhöht werden.


Grafische Visualisierung des NGT CARGO beim Ladevorgang. (Grafik: © DLR)

Noch ist er Zukunftsmusik: Doch die Forscher des DLR arbeiten am Güterzug der Zukunft. Die automatisch fahrenden NGT CARGO-Züge sollen je nach Bedarf aus Einzelwagen und leistungsstarken Triebköpfen zusammengestellt und automatisch gekuppelt werden. Damit könnten unterschiedlichste Güter flexibel, ressourcenschonend, mit geringem personellen Aufwand und kurzen Transportzeiten befördert werden, erklärt DLR-Forscher Dr. Joachim Winter, der das Projekt Next Generation Train (NGT) leitet. Da in Zukunft vor allem der Transport von kleinteiligen Sendungen stark zunehmen werde, liege der Fokus der DLR-Wissenschaftler auf einem schnellen, verlässlichen Güterverkehr.

Laut Winter beherrschten aktuell Ganzzüge, die nicht rangiert werden und mit ganz vielen Wagen eine große, einheitliche Frachtmenge von Punkt A nach Punkt B bringen, den Güterverkehr. Denn bisher stehe hinter dem Einzelwagenverkehr ein sehr aufwändiger Prozess mit starren Betriebsabläufen: Das Zusammenstellen und Trennen von Wagen, deren Abholung und Zustellung sei sehr ressourcen- und zeitintensiv und verursache rund 30 bis 40 Prozent der Gesamtkosten. Eine Vielzahl manueller Kupplungsvorgänge führe zu langen Stillstandszeiten der einzelnen Wagen und einer durchschnittlichen Systemgeschwindigkeit von nur 18 Stundenkilometern im Einzelwagenverkehr. Rund fünf Tage Vorlaufzeit seien bislang notwendig, um Personal, Material und Trassen zur Verfügung zu stellen, so das DLR.

Um den Einzelwagenverkehr daher fit für die Zukunft zu machen, sollen die intelligenten Güterwagen im NGT CARGO-Konzept über einen eigenen Antrieb verfügen, der auf Elektromotoren basiert. Zudem sollen die Wagen mit Batterien ausgestattet sein, die Bremsenergie speichern können und diese zum selbstständigen Rangieren wieder einsetzen. Rangierpersonal und Rangierloks sowie Oberleitungen seien nicht nötig. Nach Angaben des DLR sollen die Einzelwagen sogar automatisch und autonom die letzten Kilometer zum jeweiligen Kunden fahren. Dazu sei geplant, jeden Einzelwagen mit entsprechender Sensorik auszustatten. Damit könnte auch jeder Wagen jederzeit lokalisiert werden und die Kunden könnten exakte Angaben zum aktuellen Status und der erwarteten Ankunftszeit ihrer Fracht erhalten. Die Wagen könnten auch direkt in Häfen, Umschlagsbahnhöfe oder Logistikterminals hineinfahren bis hin zu den Hochregalen, wo sie dann ebenfalls automatisiert be- oder entladen werden.

Hohe Geschwindigkeit und optimale Streckennutzung

Für den Betrieb im Hochgeschwindigkeitsbereich sollen die NGT CARGO-Einzelwagen einen Verband bilden. Ein bis zwei Triebköpfe seien als Antriebseinheiten für den Triebwagenzug vorgesehen. Die futuristischen Züge könnten nach Vorstellung der DLR-Forscher bei entsprechender Infrastruktur mit Geschwindigkeiten von bis zu 400 km/h verkehren, auf bestehenden Strecken wären Geschwindigkeiten von 160 bis 200 km/h möglich.

„Ein interessanter Anwendungsfall für den NGT CARGO wäre der Einsatz im interkontinentalen Güterverkehr zwischen Europa und Asien als Alternative zum Transport mittels Containerschiffen, die lange Seewege haben und mit riesigen Seecontainern beim Frachtvolumen wenig flexibel sind“, veranschaulicht Winter.

Mit dem sogenannten dynamischen Flügeln, will das DLR sogar das zusammenstellen mehrerer Triebwagenzüge während der Fahrt ermöglichen. Hierbei sei der Zugverband nur virtuell und nicht mit einer materiellen Kupplung verbunden. Auch eine Kombination mit dem Hochgeschwindigkeitspersonenzug NGT HST sei möglich. Auf diese Weise wollen die DLR-Forscher den Personen- und Güterverkehr bündeln, um vorhandene Streckenkapazitäten optimal zu nutzen.

Grafische Visualisierung eines futuristischen Logistikterminals. (Grafik: © DLR)

Nach der Vorstellung des grundlegenden Konzepts für den NGT CARGO machen sich die Wissenschaftler nach Angaben des DLR nun daran, ein detailliertes Logistik- und Betriebskonzept zu erarbeiten, Terminals und Entladestellen zu designen sowie an der Fahrzeugarchitektur und dem Antriebskonzept weiter zu arbeiten. Im Gegensatz zum aktuell fahrenden Wagenmaterial, sollen die Wagen des NGT CARGO geschlossen und aerodynamisch verkleidet sein. Die Lücken zwischen den einzelnen Wagen entfallen, was den Fahrwiderstand verringere und so zudem für weniger Lärm sorge.

DLR-Projekt Next Generation Train

Seit rund zehn Jahren untersucht und entwickelt die DLR-Verkehrsforschung im Projekt Next Generation Train (NGT) zukunftsweisende Zugkonzepte. Hauptziele dabei sind, die Reise- und Transportzeiten zu verkürzen, Energie zu sparen und Lärmemissionen zu senken, den Komfort für Passagiere zu steigern, die Fahrsicherheit zu verbessern und die Lebenszykluskosten des rollenden Materials zu verringern. Zur NGT-Zugfamilie gehören neben dem NGT CARGO der Hochgeschwindigkeitstriebwagenzug NGT HST, der auf geeigneten Zugtrassen eine Geschwindigkeit von bis zu 400 Stundenkilometern erreichen kann sowie der NGT LINK, ein bis zu 230 Stundenkilometer schneller Intercity-Triebwagenzug, der Fahrgäste aus dem Umland an die Knotenbahnhöfe der Hochgeschwindigkeitsstrecken bringen soll.


red/DLR

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