Bahnbetrieb und Eisenbahnunternehmen

Nach massiven Problemen: Land Baden-Württemberg und DB Regio ziehen erste Zwischenbilanz für Aktionsplan Nahverkehr

© Deutsche Bahn

Sechs Monate nach Inkrafttreten eines 10-Punkte-Aktionsplans zur Verbesserung der Qualität des Nahverkehrs haben das Land Baden-Württemberg und DB Regio eine erste Zwischenbilanz gezogen. Nach Angaben der Deutschen Bahn wurden vielerorts deutliche Fortschritte erzielt, außerdem würden die Züge wieder pünktlicher und zuverlässiger fahren. Aber auch einige kritische Linien wie zum Beispiel die Franken-, Bodenseegürtel- und Filstalbahn bleiben im Fokus der Anstrengungen.


In den Jahren 2016 und 2017 war es auf einigen Strecken in Baden-Württemberg zu massiven Verspätungen und Zugausfällen gekommen. Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, haben das Land und die Deutsche Bahn ein umfangreiches Maßnahmenpaket für Verbesserungen im regionalen Schienenverkehr vereinbart. Ein zehn Punkte umfassender Aktionsplan sah unter anderem personelle Unterstützung für das Management der DB Regio Baden-Württemberg, unbürokratische Entschädigungsregelungen für betroffene Vielfahrer, frühzeitige und umfassende Information bei möglichen künftigen Zugausfällen, Bereitstellung von besserem Wagenmaterial aus anderen Regionen Deutschlands sowie ein Programm zur Personalgewinnung vor. Nun, sechs Monate später, ziehen DB Regio und Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann eine erste Zwischenbilanz.

Man sei insgesamt besser geworden, sagte der Vorstandsvorsitzende der DB Regio AG, Jörg Sandvoß. Dennoch sei man immer noch nicht da, wo man sein wollte. „Deswegen setzen wir den Aktionsplan 2018 fort und lassen in unserem Engagement für eine gute Leistung für alle Fahrgäste auf keinen Fall nach.“

Laut Verkehrsminister Hermann erhalte man weiterhin viele Beschwerden über die mangelnde Qualität auf einigen Strecken, gleichwohl habe man auf anderen Verbindungen Besserungen erzielt. „Neuralgische Punkte wie die Bereitstellung von genügend Wagen und Personal führen immer noch zu Unpünktlichkeit, zu kurzen Zügen bis hin zu Ausfällen im regionalen Schienenverkehr.“ Im Sinne der Fahrgäste fordert Hermann daher dauerhaft spürbare Verbesserungen. „Um sich ein Bild von der Lage der Pendlerinnen und Pendler zu machen, habe ich die DB Regio Spitze, Herrn Sandvoß, Herrn Hantel und Herrn Weltzien, zu gemeinsamen Fahrten auf den Problemstrecken aufgefordert. Die Fahrten werden in den kommenden Wochen stattfinden“, so der baden-württembergische Verkehrsminister.

Nach Angaben der Deutschen Bahn sieht die Bilanz des Aktionsplans 2017 wie folgt aus:

  • Die Erfüllungsquote (Zahl der bestellten und gefahrenen Züge) lag im Jahr 2017 bei 98,9 Prozent. Die Quote der eigenverschuldeten Zugausfälle (bezogen auf Kilometer) lag dabei bei 0,7 Prozent. Die Zahl der Komfortstörungen wie defekte Türen, Beleuchtung oder Toiletten nahm im zweiten Halbjahr im Vergleich zum ersten Halbjahr um rund ein Drittel ab.
  • Auf der von Problemen besonders betroffenen Frankenbahn habe sich die Pünktlichkeit im 4. Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahr spürbar, aber noch nicht ausreichend verbessert. Die Quote der Zugausfälle ging hier leicht zurück.
  • Auf der bereits stark ausgelasteten Filstalbahn habe DB Regio zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt und den Fahrplan angepasst, so dass deutlich mehr Züge pünktlich ihr Ziel erreichen konnten. Aber auch hier seien weitere Anstrengungen erforderlich, so die Bahn.
  • Um die Qualität zu stabilisieren, wurden unter anderem Fahrzeuge und Personale von DB Regio aus anderen Bundesländern eingesetzt; so arbeiten derzeit über 30 Lokführer aus anderen Regionen in Baden-Württemberg, zudem werden Züge auch in Werkstätten anderer Regionen repariert und instand gehalten.
  • Die Entschädigungsaktionen für Pendler auf besonders betroffenen Strecken umfasste mehr als 14.000 Fahrgäste und machten nach DB-Angaben eine Gesamtsumme von rund 1,8 Millionen Euro aus. Zudem konnten Reisende des Nahverkehrs bei Ausfall ihrer Züge auf Strecken, auf denen parallel auch der Fernverkehr fährt, diesen häufig ohne Zuzahlung nutzen.

Aktionsplan 2018

  • Das Ministerium für Verkehr und DB Regio arbeiten derzeit gemeinsam an Verbesserungen für die Fahrgäste auf der Bodenseegürtelbahn.
  • Auch wenn sich die Pünktlichkeit auf der Frankenbahn verbessert habe und die Zahl der Zugausfälle gesunken ist, sei klar, dass jeder Zug, der ausfällt, einer zu viel ist. Nach den Worten von DB-Regio-Chef Sandvoß arbeite man daran, die Lage zu stabilisieren. Das gelte auch für die Pünktlichkeit im Filstal. Dazu arbeiten Vertreter verschiedener DB-Geschäftsfelder weiterhin zusammen.
  • Beschlossen sei bereits der Aufbau eines Flexi-Teams – Triebfahrzeugführer, die je nach Bedarf an verschiedenen Einsatzstellen unterstützen. Wenn ab März die Höllentalbahn für neun Monate komplett gesperrt ist, können zum Beispiel knapp zwei Dutzend Lokführer an anderer Stelle eingesetzt werden, einige ausschließlich auf der Frankenbahn. Die Westfrankenbahn übernimmt zudem Leistungen von Heilbronn aus. Parallel laufe eine Rekrutierungskampagne für Triebfahrzeugführer. Ziel ist, dass 2018 mehr als 120 Lokführer ihre Ausbildung abschließen und dann in Baden-Württemberg unterwegs sein werden. Der bereits laufende Einsatz von 30 zusätzlichen Kräften aus anderen Bundesländern soll über die bislang vereinbarten sechs Monate hinaus möglichst verlängert werden.
  • Um Fahrzeugprobleme schneller in den Griff zu bekommen, will DB Regio auf eine verstärkte Spezialisierung in den Werkstätten setzten. Nicht mehr jede Werkstatt soll jede Baureihe reparieren. Ziel ist, dass sich die großen Werkstätten jeweils nur noch auf einige wenige Baureihen konzentrieren. Nach DB-Angaben sind in Baden-Württemberg aktuell 25 unterschiedliche Loks und Wagentypen auf dem Netz unterwegs.
  • Nach intensiven Analysen von wiederholt auftretenden technischen Problemen bei bestimmten Fahrzeugtypen sollen die Lokführer nun laufend darin geschult werden, kleine Reparaturen selbst vorzunehmen. Damit soll vermieden werden, dass Wagen bei jeder Störung in die Werkstatt müssen.
  • Die Werkstatt Ulm wurde indes noch einmal technisch aufgerüstet und ist nun mit einer modernen Maschine zur Radsatzbearbeitung schneller als bisher in der Lage, Radreifen zu reprofilieren. Dadurch könnten die Züge schneller wieder in den Umlauf.

red

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