Bahnbetrieb und Eisenbahnunternehmen

Jahresergebnis 2017: SBB zieht überwiegend positive Bilanz – Rückschlag nur beim Güterverkehr

© Bahnblogstelle

Die SBB hat 2017 positive Ergebnisse erzielt und war überwiegend – trotz Rückschlägen beim Güterverkehr – gut unterwegs. Züge des Personenverkehrs waren im vergangenen Jahr zu 89,0 Prozent (0,2 Prozentpunkte mehr als 2016) pünktlich; die Kundenzufriedenheit sei deutlich gestiegen, teilt die SBB mit. Kritischer wurde das Preis-Leistungsverhältnis eingeschätzt, zufriedener waren die Kunden dagegen mit der Information im Störungsfall und der Anschlusserreichung. In der Gütersparte bei SBB Cargo war die Kundenzufriedenheit zurückgegangen, insbesondere in Bezug auf Pünktlichkeit.


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Das Konzernergebnis stieg um CHF 18 Mio. auf CHF 399 Mio., aufgrund erhöhter Produktivität, dem besseren Ergebnis im Personenverkehr, von Immobilien und Infrastruktur sowie dank dem 2016 lancierten Effizienzprogramm „RailFit20/30“. Dieses ist mit Einsparungen von CHF 785 Mio. per Ende 2017 gut auf Kurs, davon CHF 512 Mio. beim operativen Aufwand Dritter und CHF 273 Mio. bei Investitionen. Der Ergebnisbeitrag der abgeltungsberechtigten Bereiche Infrastruktur und Regionalverkehr ist zweckgebunden, fließt gemäß Vorgaben in die spezialgesetzlichen Reserven und bleibt für diese Bereiche reserviert.

Die Entgelte von Bund und Kantonen für Betrieb und Unterhalt der Infrastruktur, Ausbauten sowie den bestellten Regionalverkehr stiegen vorab aufgrund von höherem Unterhalt und Betrieb um 8,1 Prozent auf CHF 2.666 Mio. Im Regionalverkehr erhöhte sich der Kostendeckungsgrad von 59 auf gut 61 Prozent (+2,2); hier sind die Entgelte von Bund und Kantonen leicht gesunken, während das Angebot leicht verbessert wurde.

Der Free Cash Flow lag bei CHF 396 Mio. (Vorjahr: CHF -540 Mio.). Die verzinsliche Nettoverschuldung reduzierte sich auf CHF 8.406 Mio. (Vorjahr: CHF 8.796 Mio.). Der Schuldendeckungsgrad, d.h. die verzinsliche Nettoverschuldung im Verhältnis zum EBITDA, verbesserte sich auf 5,97 (Vorjahr: 7,47). Damit hat die SBB das Eignerziel von 6,5 erstmals deutlich unterschritten. Für einen langfristig robusten Schuldendeckungsgrad sind weitere Effizienzsteigerungen erforderlich, da in den kommenden Jahren große Investitionen anstehen, insbesondere in Rollmaterial oder Immobilienprojekte. Die Anzahl Vollzeitstellen sank um 364 auf 32.754, vor allem in der Administration.

Personenverkehr mit steigendem Ergebnis

Das Ergebnis des Personenverkehrs stieg auf CHF 186 Mio. (Vorjahr: CHF 139 Mio.). Die Verkehrserträge des Personenverkehrs haben um 4,3 Prozent auf CHF 3.409 Mio. zugenommen. Gründe sind die Verbesserung im internationalen Personenverkehr dank gesteigerter Nachfrage auf der Gotthardachse sowie eine aktive Marktbearbeitung und ein daraus resultierendes Wachstum bei den General- und Halbtaxabonnementen.

Güterverkehr: Einzel-Wagenladungsverkehr eingebrochen

SBB Cargo International konnte das Ergebnis trotz siebenwöchigem Streckenunterbruch in Rastatt (Deutschland) verbessern. Dagegen war der System-Wagenladungsverkehr von SBB Cargo Schweiz mit einem Minus von 0,8 Prozent bei den beladenen Wagen leicht rückläufig, der kleinteilige und unregelmässige Einzel-Wagenladungsverkehr mit einem Minus von 14,5 Prozent stark rückläufig. Diese Tendenz wird sich weiter verstärken. SBB Cargo musste mit CHF 239 Mio. einen deutlichen Jahresverlust hinnehmen (Vorjahr: plus CHF 1 Mio.). Darin enthalten sind der operative Verlust der Division Cargo von CHF 31 Mio, eine Rückstellung für die Restrukturierung von CHF 19 Mio. sowie eine Wertberichtigung von CHF 189 Mio.

Mit der Wertberichtigung einher geht ein Sanierungs- und Weiterentwicklungsprogramm, um die Güterbahn fit für Partnerschaften zu machen: SBB Cargo wird zu einem schlanken, auf Kundenbedürfnisse und die Stärken der Bahn ausgerichteten Unternehmen. Die SBB wird den System-Wagenladungsverkehr als Rückgrat der Schweizer Logistik weiter stärken und dabei das Automatisierungspotenzial neuer Technologien wie Sensortechnik oder automatische Kupplung und Bremsprobe nutzen. Im Einzel-Wagenladungsverkehr werden in den nächsten Jahren rund 170 Bedienpunkte und mögliche Alternativen gemeinsam mit den Kunden sorgfältig überprüft. Eine Partnerschaft mit andern Marktteilnehmern und Investoren soll das Unternehmen am Markt stärken.

Angesichts der zwingenden Weiterentwicklung ist es leider unumgänglich, bis 2020 330 von heute 2200 Stellen abzubauen. Per Ende 2023 wird SBB Cargo ihre Leistungen voraussichtlich mit rund 800 Mitarbeitenden weniger als heute erbringen können. Dem gegenüber steht der Weggang von 750 Mitarbeitenden über natürliche Fluktuation, insbesondere aufgrund mehrerer Hundert Pensionierungen. Zentral in der Umbruchphase ist es, den Mitarbeitenden Perspektiven zu geben. SBB Cargo ist bereit, CHF 10 Mio. in deren Weiterbildung zu investieren.

SBB Infrastruktur steigert Produktivität

SBB Infrastruktur hat die Produktivität im Vergleich zum Vorjahr sowohl im Betrieb, im Unterhalt als auch bei Investitionen gesteigert. So sind die in der Leistungsvereinbarung (LV) 2017-2020 vereinbarten Unterhaltsmengen mehrheitlich erreicht oder übertroffen worden.

Das Jahresergebnis belief sich auf CHF 100 Mio. (Vorjahr: CHF -103 Mio.). Der Bereich Energie trug CHF 46 Mio. bei; dieser Betrag fliesst in Reinvestitionen von Energieanlagen. Der Bereich Netz trug CHF 53 Mio. bei; dieser Ergebnisbeitrag ist zweckgebunden und fließt gemäß Vorgaben vollständig in die spezialgesetzlichen Reserven für die Zukunft.

Grund für das positive Jahresergebnis im abgeltungsberechtigten Netz ist nebst besserer Produktivität die neue Leistungsvereinbarung, mit der die für den Unterhalt nötigen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Die Investitionen mit LV-Mitteln fielen tiefer aus als geplant und wurden nicht vollständig ausgeschöpft. Grund ist nebst tieferen Baukosten und erhöhter Produktivität der Umstand, dass die SBB gewisse Projekte nicht wie geplant umsetzen konnte, etwa wegen Verzögerungen oder Einsprachen.

Netzzustandsbericht 2017 und Zielerreichung Leistungsvereinbarung mit Bund

Der Netzzustand der SBB sei unverändert „gut bis ausreichend“. Es gibt laut SBB keine akut kritischen Anlagen. Das Sicherheitsniveau könne jederzeit gehalten werden. Der Zustand der Fahrbahn ist nach wie vor nur „ausreichend“. Die SBB hat 2017 jedoch erneut mehr Kilometer Fahrbahn erneuert als im Vorjahr (+31 km oder 17 Prozent). Die Unterhalts- und Erneuerungsmengen nähern sich den strategisch notwendigen Werten, um den Zustand der Bahninfrastruktur konstant zu halten und längerfristig zu verbessern.

Bei den in der Leistungsvereinbarung mit dem Bund enthaltenen Zielen hat sich die SBB eigenen Angaben zufolge erneut verbessert. 12 von 15 Zielen wurden erreicht (Vorjahr: 6). Sämtliche Sicherheitsziele wurden übertroffen.


red/SBB

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