Verkehrspolitik und Regulierung

Deutschland macht Grenzüberschreitung für Güterzüge schwer – Allianz pro Schiene: „Ohne Stromleitung ist Lkw-Flut nicht zu stoppen“

Seit Jahrzehnten verspricht die jeweils amtierende Bundesregierung, Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Dennoch wachsen die Lkw-Kolonnen auf Deutschlands Autobahnen ungebremst, und der Marktanteil der Güterbahnen sinkt. Ein Grund für diesen Missstand sei nach Ansicht des Branchenverbandes Allianz pro Schiene, dass sich Deutschland als Haupttransitland Europas durch fehlende Oberleitungen an Grenzübergängen für internationale Güterzüge abschotte.


© Allianz pro Schiene / Andreas Taubert

„Langlaufende Güterzüge werden von Elektro-Lokomotiven gezogen, aber von den elf Grenzübergängen nach Polen ist nur einer elektrifiziert und von den 13 Schienenstrecken nach Tschechien ebenfalls nur eine. Da ist es kein Wunder, dass osteuropäische Lkw täglich massenhaft auf Deutschlands Autobahnen strömen. Ohne Stromleitungen für die Güterbahnen ist die Lkw-Flut nicht zu stoppen“, sagte Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege am Samstag in Berlin.

Nach einer Erhebung der Allianz pro Schiene seien von den 57 Grenzübergängen, die Deutschland auf dem Schienenweg mit sämtlichen Nachbarstaaten verbinden, lediglich 25 mit einer Oberleitung ausgestattet. Die Elektrifizierungsquote der grenzüberschreitenden Schienentrassen (44 Prozent) liege damit deutlich unter der des inländischen Schienennetzes (60 Prozent).

„Güterzüge haben volkswirtschaftlich die größten Vorzüge, wenn sie große Mengen über weite Strecken transportieren. Daher ist es auch kein Wunder, dass mehr als 50 Prozent des Schienengüterverkehrs in Deutschland bereits grenzüberschreitend sind. Durch fehlende Oberleitungen an Grenzübergängen zwingt Deutschland insbesondere Güterzüge aus Osteuropa in Nadelöhre, die eine Verlagerung der Fracht vom Lkw auf die Güterbahnen in großem Stil unmöglich machen“, kritisierte Flege.

Deutschland hinke nach Angaben des Branchenverbandes auch insgesamt bei der Elektrifizierung seines Schienennetzes im Vergleich mit Nachbarstaaten hinterher. Während Polen 64 Prozent seines Schienennetzes elektrifiziert hat, kämen etwa die Österreicher auf eine Quote von 71 Prozent, die Niederländer auf 76 Prozent, die Belgier auf 86 Prozent und die Schweizer auf stolze 100 Prozent. Die Bundesregierung hat sich in ihrer Koalitionsvereinbarung das Ziel gesetzt, bis 2025 den Anteil elektrifizierter Schienenstrecken in Deutschland auf 70 Prozent zu steigern. Eine Zielsetzung für die Grenzübergänge habe die Große Koalition bislang nicht, und dies, obwohl deren Elektrifizierung nach Angaben der Allianz pro Schiene „auch für internationale Personenzüge extrem wichtig ist“.


red/ApS

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