Bahnbetrieb und Eisenbahnunternehmen

Deutschland-Takt: Kommt bald ein Fahrplan-Modell nach dem Vorbild der Schweiz?

Laut einem Medienbericht will der Bund im Herbst das Konzept für einen „Musterfahrplan“ vorstellen, um die Anschlussverbindungen im Schienenverkehr zu verbessern. Das Vorbild für dieses neue Fahrplan-Modell ist die Schweiz. Über den sogenannten „Deutschland-Takt“ wird bereits seit längerer Zeit diskutiert.


Bahnreisen sollen mit einem neuen Fahrplan-Modell einfacher und schneller möglich werden. Das Prinzip: An wichtigen Umsteigestationen treffen Züge ungefähr gleichzeitig ein und fahren kurz darauf wieder ab. Lange Umsteigezeiten von einer halben Stunde und mehr soll es dann nicht mehr geben.

Enak Ferlemann, der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, kündigte gegenüber der Welt an, dass man im Herbst ein Konzept für den „Musterfahrplan für die Bahn im ganzen Land“ vorstellen wolle. Auch mit Nachbarländern wie Dänemark und den Niederlanden sollen Abstimmungen laufen, heißt es.

Über den sogenannten „Deutschland-Takt“, einem Taktfahrplan nach dem Vorbild der Schweiz, wird seit Jahren diskutiert. Verbände wie der Verkehrsclub Deutschland und der Fahrgastverband Pro Bahn sehen darin einen Beitrag zu einer ökologischen Verkehrswende, weil dann mehr Menschen auf die Bahn umsteigen würden. Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag einen vertakteten Fernverkehr zum Ziel gesetzt. Darin heißt es: „Der weitere Ausbau der Infrastruktur muss sich am gewünschten Fahrplan ausrichten.“ Denn mitunter wären zusätzliche Gleise und Bahnsteige nötig.

Laut einer Studie im Auftrag des Verkehrsministeriums könnten mindestens acht bis zwölf Millionen Stunden Reisezeit im Jahr gespart werden, wenn Zugverbindungen besser getaktet wären. „Schnelle Verbindungen mit reibungslosem Umsteigen zwischen Fern- und Nahverkehr machen Bahnfahren attraktiv“, hofft Ferlemann. Die Studie betont allerdings auch, dass die Einführung einer solchen Taktung ein mehrjähriger Prozess sei und nur dann realistisch, wenn sie sich auch wirtschaftlich rechne und daraus keine Behinderungen für den Güterverkehr entstünden.

Für die Realisierung eines Deutschland-Takts seien allerdings pünktliche Züge notwendig. Daher bemängelt Ferlemann dem Bericht zufolge die aktuellen Pünktlichkeitswerte im Fernverkehr der Deutschen Bahn. „Ich bin sehr unzufrieden, wie das zurzeit läuft.“. Denn im Juli kam mehr als jeder vierte Zug sechs oder mehr Minuten zu spät. „Das muss besser werden, und das wird es auch“, so der Verkehrs-Staatssekretär weiter.

Von Seiten der Deutschen Bahn werde die Initiative des Bundes begrüßt. Wie eine Bahnsprecherin laut dem Welt-Bericht sagte, sei der Deutschland-Takt eine „wichtige Grundlage“ für eine „fahrplanbasierte Infrastrukturentwicklung.“ Die Bahn wolle sich in den kommenden Monaten weiter an der Diskussion beteiligen.


red

Titelfoto: © Deutsche Bahn (Archivfoto)

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