Karriere und Beruf

Deutsche Bahn setzt Virtual und Augmented Reality für Schulungszwecke ein (mit Video)

Was auf den ersten Blick wie reine Spielerei wirkt, ist für die Deutsche Bahn eine perfekte Möglichkeit komplexe Abläufe mithilfe digitaler Anwendungen einfach und flexibel zu trainieren. Aus diesem Grund setzt das Unternehmen seit einigen Monaten Virtual und Augmented Reality für die Schulung der eigenen Mitarbeiter ein.


© Deutsche Bahn

Seit diesem Jahr gehören Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) zum festen Bestandteil der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern der Deutschen Bahn. Mit Hilfe einer VR-Brille können Bahnmitarbeiter neue Fahrzeuge und Arbeitsabläufe bereits kennen lernen, bevor sie einen neuen Zug überhaupt betreten haben. Ein Beispiel, wie dies heute schon genutzt wird, ist der ICE 4. Von der jüngsten ICE-Generation stehen bislang nur wenige Fahrzeuge der insgesamt 119 bestellten Züge zur Verfügung. Aber schon jetzt sollen sich zahlreiche Lokführer und Zugbegleiter mit der neuen Technik und den neuen Funktionen, wie dem eingebauten Hublift an den Türen, vertraut machen.

Für die Nutzung des Hublifts, der das Ein- und Aussteigen von mobilitätseingeschränkten Reisenden vereinfachen soll, sind insgesamt 28 Handgriffe nötig. Die Bedienung umfasst zahlreiche Arbeitsschritte, die in einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt werden müssen. Durch die VR-Brille können Mitarbeiter in ihren Einsatzstellen alle Handgriffe im virtuellen ICE 4 trainieren. Begleitet werden sie dabei von einem Praxistrainer. Der Trainer hat dazu eine spezielle App auf seinem Tablet, mit deren Hilfe er bei Bedarf eingreifen und unterstützen kann. Das Eintauchen in authentische 3D-Modelle ersetzt aber nicht die Schulung am realen Objekt – sie dient lediglich als Unterstützung, heißt es von Seiten der Deutschen Bahn. Ein weiterer Vorteil sei, dass durch diese Art des Trainings seltener Züge für reale Schulungszwecke „blockiert“ werden.

Entwickelt wurden die virtuellen Schulungen für den ICE 4 von einem Team der DB Systel, dem IT-Dienstleister der Deutschen Bahn. Mit ihrem Projekt EVE (Engaging Virtual Education) bringen sie die Praxis in den Unterricht. Seit April wird das VR-Training für Bordservice-Mitarbeiter bundesweit an allen neun Schulungszentren des Fernverkehrs angeboten. Mehr als 500 DB-Mitarbeiter haben das Training nach Unternehmensangaben bereits absolviert. Über 1.000 werden es voraussichtlich bis Ende 2018 durchlaufen haben. Bis 2020 sollen sukzessive alle 4.000 Zugbegleiter im Fernverkehr mit der VR-Brille in Berührung kommen.

(Quelle: Deutsche Bahn)

Aber auch Lokführer können mit der EVE-Lösung bereits virtuell in den Führerstand des ICE 4 einsteigen. In einer interaktiven Lernanwendung trainieren sie beispielsweise, wie sich die Bugklappen öffnen oder Bremsen von Hand lösen lassen. Ab 2019 sei außerdem geplant, für Azubis das Kuppeln von Wagen mit VR-Brille in die Ausbildung zu integrieren.

Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Instandhaltung des Schienennetzes. Hier müssen in den kommenden Jahren viele Nachwuchskräfte ausgebildet werden. Mit der neuen Digitaltechnik ist es so möglich, eine Weiche und ihre einzelnen Bestandteile anhand eines virtuellen Modells direkt in den Unterrichtsraum zu bringen. Die Lösung hierzu haben die Münchner Gründer von VISCOPIC im Startup-Förderprogramm der Deutschen Bahn in der DB mindbox entwickelt. VISCOPIC projiziert über Augmented Reality (AR)-Brillen 3D-Darstellungen von Weichen in den virtuellen Raum. Die realitätsnahen Hologramme können in alle Richtungen gedreht, Funktionsabläufe mit Fingertipps auf virtuelle Schaltflächen ausgelöst und animiert gezeigt werden. So wird die Montage von Weichenverschlüssen oder die Behebung von Weichenstörungen ohne großen Aufwand für die Mitarbeiter fachlich trainiert. Da Augmented Reality im Gegensatz zu Virtual Reality reale Umgebungsbilder mit zusätzlichen Informationen anreichert, können nützliche Angaben auch direkt im Sichtfeld der Nutzer eingeblendet werden. Grafisch aufbereitete Schritt-für-Schritt-Anleitungen ermöglichen somit Reparaturen in Echtzeit.

(Quelle: Deutsche Bahn)


red/DB

Titelfoto: © Deutsche Bahn / Johannes Hillebrenner

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