Bahnindustrie und Bahntechnik

Stadler stellt auf der InnoTrans 2018 sieben Neuheiten vor

Der Zughersteller Stadler zeigt auf der InnoTrans 2018 insgesamt sieben Neuheiten. Dazu gehören zwei neue S-Bahn-Züge, eine selbstfahrende METRO, zwei neue FLIRT-Züge, eine leistungsstarke bi-modale Lokomotive und den neusten Doppelstockzug für Skandinavien mit angepasstem Lichtraumprofil. Allein die Stadler-Fahrzeuge beanspruchen bereits über 500 Schienenmeter des Berliner Messegeländes.


Auf dem Außengelände präsentiert Stadler vom 18. bis 20. September die folgenden Neuheiten:

S-Bahn Berlin für die S-Bahn Berlin GmbH, Deutschland

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106 Züge, davon 21 zweiteilige Triebzüge (Baureihe 483 – Viertelzug) und 85 vierteilige Triebzüge (Baureihe 484 -Halbzug) umfasst der Auftrag, den Stadler und Konsortialpartner Siemens im Dezember 2015 gewonnen haben. Auf der InnoTrans kann der erste fertiggestellte Halbzug von innen und aussen besichtigt werden. Das 73,6 Meter lange Fahrzeug verfügt über 184 Sitzplätze und ist massgeschneidert für die Bedürfnisse der deutschen Hauptstadt. Der mit 750 V DC über die dritte seitliche Schiene angetriebene Zug verfügt durch eine eigenständige Antriebsgruppe pro Wagen über eine hohe Redundanz der Antriebsanlage. Der vierteilige Halbzug ist durchgängig begehbar und ermöglicht so eine optimierte Fahrgastverteilung. Erstmals ist eine S-Bahn-Baureihe für Berlin mit einer Klimaanlage ausgestattet. Das neue Fahrgastinformationssystem beinhaltet unter anderem eine Flachbildschirm-Anzeige auf jeder Wagenseite, welche die Inhalte dank einer hohen Auflösung gestochen scharf anzeigt und die Fahrgäste über den Streckenverlauf informiert. Auch aussen ist auf einer LED-Anzeige vom Bahnsteig aus erkennbar, welche S-Bahn am Gleis steht und wohin sie fährt. Neben Design und Entwicklung der neuen Fahrzeug-Baureihe ist Konsortialführer Stadler für Konstruktion und Fahrzeugproduktion verantwortlich. Darunter fallen unter anderem Wagenkasten, Türen, Klimatisierung und die Montage aller Komponenten. Siemens verantwortet das Antriebs- und Bremssystem und die Elektrik. Ab 2021 werden die bei Stadler in Berlin-Pankow gebauten neuen Züge auf dem Berliner Teilnetz Ring/Südost eingesetzt.

EURODUAL-Lokomotive für die Havelländische Eisenbahn (HVLE), Deutschland

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Die Havelländische Eisenbahn (HVLE) hat im März 2017 zehn EURODUAL-Lokomotiven inklusive Full-Service-Instandhaltungsleistungen bei Stadler bestellt. HVLE ist der Erstkunde für diese sechsachsige Lokomotive mit bi-modalem Antrieb. Die leistungsstarken Lokomotiven – im dieselelektrischen Betrieb stehen bis zu 2.800 kW zur Verfügung, elektrisch bis zu 7.000 kW – sind für den Güterverkehr in Deutschland vorgesehen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 km/h. Die EURODUAL ist eine vielseitige Co’Co‘-Lokomotive die mit ihrem versatilen Antriebssystem auf elektrifizierten und nicht elektrifizierten Strecken eingesetzt werden kann. Das bringt hohe Flexibilität im Betrieb. Transportwege können direkter und damit effizienter gestaltet werden, da keine Unterbrechungen drohen auf nicht elektrifizierten Strecken. Immer dort, wo elektrisch gefahren werden kann, sinkt allerdings der Gesamtenergieverbrauch auf den Level einer effizienten elektrischen Lok. Überdies weist die EURODUAL für HVLE eine glänzende Recyclingquote auf: 97.71% der Komponenten sind über den ganzen Lebenszyklus des Fahrzeugs wiederverwertbar. Weitere technologische Highlights sind die wirksame Adhäsionskontrolle und das nicht-selbstlenkende Drehgestell für äusserst geringe Gleisbeanspruchung. Stadler beginnt mit den Auslieferungen im Jahr 2020.

Elektrischer Doppelstocktriebzug für Transitio, Schweden

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Im April 2016 haben Stadler und das schwedische Leasingunternehmen Transitio einen Vetrag für 33 elektrische Doppelstocktriebzüge, mit einer Option für weitere 110 Züge, für Mälab unterzeichnet. Der Auftrag für Mälab ist der erste Abruf aus dem Rahmenvertrag, den Transitio im Jahr 2014 mit drei Anbietern für die Beschaffung von Regionalbahnfahrzeugen abgeschlossen hat. Die Züge werden ab Mai 2019 unter dem Markennamen Mälartåg verkehren und auf vier Strecken westlich von Stockholm um den Mälarsee eingesetzt. Die neueste Generation des Doppelstockzuges weist eine offene und fliessende Architektur auf. Der Passagierfluss im Eingangsbereich ist optimiert worden – das wirkt sich vor allem in stark frequentierten urbanen Regionen positiv aus. Die vierteiligen Züge bieten 357 Fahrgästen Sitzplätze. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 200 km/h. Die Wagenkasten sind an das schwedische Lichtraumprofil (KISS Nordic) angepasst worden, das höher und breiter ist als die Schweizerische Norm. Die Züge sind so gebaut, dass sie auch bei minus 40 Grad und einer Schneehöhe von bis zu 800 Millimetern fahren können. Einige Beispiele für Konstruktionslösungen, die den extremen Witterungsbedingungen trotzen, sind doppelwandige Wagenübergänge, große Schneepflüge, effiziente Fussboden- und Seitenwandheizungen und eine speziell angepasste Isolierung. Die Unterböden der Züge sind so entwickelt, dass ein Einfrieren möglichst verhindert wird.

Elektrischer Triebzug TRAVERSO für die Voralpen-Express-Strecke der SOB, Schweiz

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Ende Juni 2016 hat die Schweizerische Südostbahn AG (SOB) bei Stadler 11 elektrische Niederflurtriebzüge bestellt, um ab dem Fahrplanwechsel 2019 die alten, teils 40 Jahre im Einsatz stehenden Kompositionen, zu ersetzen. Die Züge für die SOB stellen den aktuellen Entwicklungsstand des FLIRT (Flinker Leichter Intercity- und Regional-Triebzug) dar. Für den Intercityverkehr wurde der TRAVERSO mit dem Intercity-Frontdesign versehen. Innovationen wie komplett neue Motordrehgestelle oder weiter optimierte Laufdrehgestelle sorgen für hohen Fahrkomfort, die neueste Antriebstechnologie für einen energieeffizienten Betrieb. Große Panoramafenster bieten den Fahrgästen auf der einzigartigen Touristikstrecke zwischen Luzern und St. Gallen eine herrliche Aussicht. Zwei Bistrobereiche, ein Familienabteil und komfortable Sitze mit Steckdosen sind nur einige Merkmale, die das Reisen im Zug darüber hinaus angenehm machen. Die achtteiligen Züge, lackiert in einem unverwechselbaren Metallic-Kupferfarbton, verfügen über 359 Sitzplätze, davon 68 in der 1. Klasse. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 160 km/h. Am 13. Dezember 2020 steigt die SOB in Kooperation mit der SBB ins Fernverkehrsgeschäft ein. Ab diesem Datum fahren die SOB mit den neuen TRAVERSO auch von Basel nach Zürich und über die Gotthard-Bergstrecke ins Tessin.

METRO für die Strathclyde Partnership for Transport (SPT), Großbritannien

Im März 2016 hat Stadler im Konsortium mit Ansaldo STS den Vertrag zur Lieferung von 17 U-Bahnzügen für die SPT Glasgow Subway gewonnen. Sie werden für vollautomatischen, führerlosen Betrieb (ATO) ausgerüstet. Für Stadler ist dieser Auftrag ein Meilenstein: Erstmals wird Rollmaterial von Stadler in einem führerlosen U-Bahnsystem unterwegs sein. Die Glasgow Subway ist das viertälteste Subway-System der Welt nach London, Liverpool und Budapest. Es besteht aus einer 10,5 Kilometer langen Ringstrecke mit 15 Stationen. Das U-Bahnsystem aus viktorianischer Zeit hat eine einzigartige Spurweite von nur 1.219 Millimetern (vier Fuss), die Tunnelröhren haben einen Durchmesser von 3,4 Metern. Das macht Glasgow zum kleinsten Untergrundbahnnetz der Welt. Die Züge haben dieselbe Länge, gut 39 Meter, wie die bestehenden, die abgelöst werden. Allerdings sind die neuen Fahrzeuge vierteilig statt wie aktuell dreiteilig. Eine offene Raumarchitektur mit vielen Stehplätzen maximieren den zur Verfügung stehenden Raum und sorgen für gute Zugänglichkeit auch für Personen mit reduzierter Mobilität (PRM). Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 58 km/h. Die ersten Züge sollen im Jahr 2020 kommerziell in Betrieb genommen werden.

Elektrischer Niederflurtriebzug – Tailormade – für RBS, Schweiz

Der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) hat im Juni 2016 14 S-Bahn-Züge für die Linie S7 von Bern nach Worb bestellt. Die vierteiligen elektrischen – durchgehend begehbaren – Triebzüge sind für eine Geschwindigkeit von 100 km/h ausgelegt. Trotz ziemlich kurzer Fahrzeit von etwas über 20 Minuten stehen den Fahrgästen 102 Sitzplätze und 380 Stehplätze zur Verfügung. Das neue, Worbla getaufte Fahrzeug, steckt nach Herstellerangaben voller Innovationen. Auf 60 Metern Fahrzeuglänge sind neu acht statt sechs Türenpaare verteilt – das ist eine Neuheit im Schweizer Meterspurmarkt. Das unterstützt einen sehr raschen Fahrgastwechsel und stellt auch sicher, dass der neue Siebeneinhalbminutentakt auf der hochfrequentierten Strecke bis Bolligen gefahren werden kann. Ausserdem ist darauf geachtet worden, dass im Einstiegsbereich viele Stehplätze zur Verfügung stehen. So finden Reisende, die mit Kinderwagen, Rollkoffern oder im Rollstuhl unterwegs sind, mehr Platz beim Ein- und Aussteigen. Im Betrieb versprechen die voll redundante Traktionsanlage inklusive redundanter Leittechnik eine hohe Verfügbarkeit und tiefe Lebenszykluskosten. Die kommerzielle Betriebsaufnahme beginnt Ende 2018.

FLIRT (BMU) für Greater Anglia, Großbritannien

Im Oktober 2016 hat Stadler den bisher grössten Auftrag in Großbritannien gewonnen: 14 dreiteilige und 24 vierteilige bi-modale FLIRT (Class 755/3 und 755/4) und 20 zwölfteilige elektrische FLIRT (Class 745/0 und 745/1). Die neuen Züge ersetzen Greater Anglia’s bestehende Regional -, Intercity- und Stansted-Express-Flotte. Das Ziel: Den Bahnreiseverkehr in Ostanglien schneller, zuverlässiger, komfortabler – in Summe viel attraktiver zu machen. Mit der neuen FLIRT-Flotte wird Greater Anglia 20 Prozent mehr Sitzplätze anbieten können. Fahrgäste finden auf bequemen Sitzen Platz und können in durchgängig niederflurigen Fahrzeug ungehindert zirkulieren – auch Personen mit reduzierter Mobilität können einfach ein- und aussteigen. Ein offenes Ambiente mit großen Fenstern führt zu einem luftigen großzügigen Raumgefühl. Weitere Komfortmerkmale sind WiFi in allen Wagen, USB- und 240V-Steckdosen an den Sitzen, Klimaanlage, Stellplätze für Fahrräder und eine PRM-Toilette. Als besonders innovativ gilt der bimodale Antrieb, des an der InnoTrans erstmals gezeigten FLIRT BMU. In diesen Zügen kann vom „klassischen“ elektrischen auf dieselelektrischen Antrieb umgeschaltet werden. In diesem Betrieb fahren die Züge weiterhin mit Elektrizität, die aus ruhig laufenden Dieselmotoren der sauberen Abgasstufe lllB gewonnen wird. Die neuen Züge werden von Rock Rail East Anglia finanziert, einem Joint Venture zwischen Rock Rail, Aberdeen Standard Investments und GLIL Infrastructure. Greater Anglia least die Züge von Rock Rail. Die Auslieferung der 58 Züge beginnt im Jahr 2019.


red/Stadler – aktualisiert

Titelfoto: © Bahnblogstelle

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