Bahnbetrieb und Eisenbahnunternehmen

Schäden nach ICE-Brand größer als erwartet – Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main bleibt noch tagelang gesperrt

Die Sperrung der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main dauert länger als zunächst vermutet. Die an der Infrastruktur entstandenen Schäden nach dem Brand von zwei Wagen des ICE 511 am Freitagmorgen (12. Oktober) erfordern nach Angaben der Deutschen Bahn eine längere Reparaturzeit als ursprünglich angenommen. Fahrgäste müssen sich auf längere Reisezeiten und Beeinträchtigungen bis zum Ende der kommenden Woche einstellen.


© Deutsche Bahn / Nicolai Seher

Wie die Deutsche Bahn am Samstagabend mitteilte, haben Analysen durch Fachleute ergeben, dass die Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main für Reparaturarbeiten voraussichtlich bis Ende kommender Woche gesperrt bleiben muss. Nachdem Sachverständige der ermittelnden Behörden zuvor ihre Untersuchungen abgeschlossen hatten, konnte die DB Schäden an Gleisen, Signaltechnik und Oberleitung analysieren. Um einen umfassenden Überblick über das Ausmaß der Schäden zu erhalten, waren im ersten Schritt Aufräumarbeiten notwendig. Nach der Schadensfeststellung wurden sofort Reparaturmaßnahmen und weitere Untersuchungen in die Wege geleitet, teilt die DB mit. Ziel sei es nun, das weniger betroffene Gleis zuerst zu reparieren, so dass im ersten Schritt wieder ein eingleisiger Betrieb möglich wird.

Bis zur Aufhebung der Streckensperrung zwischen Siegburg und Montabaur werden die Züge des Fernverkehrs zwischen Köln und Frankfurt über Koblenz und Mainz umgeleitet und sind daher bis zu 80 Minuten länger unterwegs. Die Halte in Siegburg/Bonn, Montabaur und Limburg Süd entfallen. Reisende können von Montabaur mit dem Regionalzug nach Koblenz und dann weiter nach Köln fahren. Reisende von Limburg Süd können nach Limburg und von dort aus mit dem Regionalzug nach Frankfurt fahren. Ab Montag plant die DB, zusätzliche Züge zwischen Montabaur-Limburg/Süd-Frankfurt Flughafen-Frankfurt/Main Hbf anzubieten. Für alle Bahnkunden auf der Strecke Köln-Frankfurt/Main ist die Zugbindung für Spar- und Supersparpreise aufgehoben worden. Darüber hinaus können Reisende, die ein Ticket für eine Fahrt mit Geltungstag bis einschließlich 21. Oktober 2018 auf dem betroffenen Streckenabschnitt erworben haben, dieses kostenlos zurückgeben.

ICE 511 war am Freitag auf dem Weg von Köln nach München auf der Schnellfahrstrecke im Abschnitt zwischen Siegburg und Montabaur in Brand geraten. Alle 510 Reisenden sowie das Zugpersonal konnten den ICE, der auf freier Strecke durch eine Notbremsung zum Halten gekommen war, verlassen. Nach Angaben der Rettungskräfte mussten fünf Personen mit leichten Verletzungen versorgt werden. Der Unglückszug war am Freitag von der Bundespolizei beschlagnahmt worden, wurde inzwischen aber wieder freigegeben, sodass die Deutsche Bahn mit den Abschlepp- und Reparaturarbeiten beginnen konnte.

Laut Mitteilung der Bundespolizei gehen die Ermittler als Ursache des Brandes von einem technischen Defekt aus. Eine Fremdeinwirkung konnte auch von Seiten eines Brandsachverständigen ausgeschlossen werden. Wie es genau zu dem Brand kommen konnte, müssen nun weitere Untersuchungen klären. Unter anderem werden einzelne Komponenten im Labor untersucht. Die gemeinsamen Ermittlungen der Bundespolizei und der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) können noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Die DB werde den Reisenden von ICE 511 den Ticketpreis komplett erstatten und für beschädigtes Gepäck aufkommen, teilt das Unternehmen mit. Für Fahrgäste aus dem betroffenen Zug wurde die Sondernummer 08000/101111 und die Email-Adresse ice511@dbdialog.de geschaltet.


red – aktualisiert

Titelfoto: THW / Yann Walsdorf

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