Deutsches Zentrum für Schienenverkehrsforschung gegründet

In Dresden entsteht das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF). Dort sollen künftig mehr Innovationen für den Schienenverkehr erforscht und Forschungsaktivitäten koordiniert werden. Angeschlossen ist die neue Einrichtung an die Außenstelle des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) in der sächsischen Landeshauptstadt.


Am Donnerstag ist das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung, kurz DZSF, offiziell an den Start gegangen. An der Gründungsveranstaltung nahm neben Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer u.a. auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer teil.

Das DZSF soll künftig das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in Fragen des Schienenverkehrs wissenschaftlich beraten. Es ist geplant, dass die neue Einrichtung sowohl eigene als auch Auftragsforschung betreibt; außerdem soll sie die Forschung rund um das Gesamtsystem Schiene fördern und koordinieren. Angesiedelt ist das DZSF mit Dienstsitzen in Dresden und Bonn als eigenständiges Bundesinstitut beim Eisenbahn-Bundesamt.

© DB / VTG (Archiv)

„Die Schiene ist mehr als nur ein Stück Stahl auf einem Schotterbett. Auf ihr können wir automatisiert, digital, sauber, leise und sicher unterwegs sein. In ihr steckt ungeheures Zukunftspotenzial, das wir heben und nutzen wollen“, sagte Verkehrsminister Scheuer. „Wir wollen erforschen, wie der Schienenverkehr noch umweltfreundlicher, effizienter und moderner werden kann. Durch unsere neue Denkfabrik in Dresden und unser Bundesforschungsprogramm können wir Innovationen schneller zur Anwendung bringen und noch mehr Menschen vom Bahnfahren begeistern.“

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer ergänzte: „Wir haben in Sachsen hervorragende Kompetenzen im Bereich der Verkehrswissenschaften, bei der Digitalisierung und in der Materialforschung. Auch unsere Hochschulen setzen immer wieder starke Impulse. Der Freistaat unterstützt im Erzgebirge ein Technologiezentrum, bei dem der automatisierte Zugbetrieb ein Schwerpunkt sein wird. Die Ansiedlung der neuen nationalen Forschungseinrichtung passt daher ausgezeichnet zu uns und ist gut für Dresden, Sachsen und ganz Deutschland. Mit dem Zentrum sind neue Chancen, Beschäftigung und Kooperationsmöglichkeiten verbunden.“

Das neue Bundesinstitut sei in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit unabhängig. „Es arbeitet interdisziplinär und sorgt für den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Bahnsektor und Politik“, betonte EBA-Präsident Hörster.

Das Zentrum soll zunächst 13 Mitarbeiter beschäftigen. Im Juni werde nach einem Direktor gesucht. Nach dem Sommer soll das Forschungszentrum seine Arbeit aufnehmen. In diesem Jahr seien rund fünf Millionen Euro für das Bundesforschungsprogramm Schiene eingeplant, das laut Bundesverkehrsministerium die Arbeitsgrundlage für das neue Forschungszentrum bildet. Für 2020 seien rund 20 Millionen Euro vorgesehen.

Die Allianz pro Schiene begrüßte die Gründung der neuen Einrichtung. Das neue Zentrum für Schienenverkehrsforschung diene der umwelt- und klimafreundlichen Mobilität in der Zukunft, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. Zugleich wies Flege jedoch auf ein Missverhältnis und Widersprüche in der Verkehrspolitik des Bundes hin: „Was nützt die beste Schienenforschung, wenn die Erkenntnisse nicht umgesetzt werden können und die Innovationen nicht in den Markt kommen?“ Das Verkehrsbündnis erinnert an das angekündigte Bundesprogramm „Zukunft Schienengüterverkehr“. Damit wollte der Bund die Erprobung und Markteinführung von innovativen Technologien mit einer halben Milliarde Euro in fünf Jahren unterstützen. Doch diese „Sofortmaßnahme“ aus dem bereits 2017 verabschiedeten Masterplan Schienengüterverkehr lasse auf sich warten. Dabei hätten sich kürzlich die Koalitionsfraktionen von Union und SPD in einem Bundestags-Antrag klar zur Finanzierung des Programms bekannt. Dennoch sieht der Eckwertebeschluss zum Bundeshaushalt 2020 vom März keine Mittel für die Innovationsförderung vor, kritisiert der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer. „Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie das Bundesprogramm ‚Zukunft Schienengüterverkehr‘ jetzt unverzüglich in den Regierungsentwurf für den Haushalt 2020 aufnimmt und die Finanzierung bereitstellt“, so Flege.


red, Titelfoto: DB / VTG (Archiv)

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