Strategie „Starke Schiene“: Bahnvorstand will sich wieder aufs Kerngeschäft konzentrieren

Der Vorstand der Deutschen Bahn AG hat am Dienstag dem Aufsichtsrat in einer Sondersitzung seine neue Strategie „Starke Schiene“ vorgestellt. Wie es aus der Konzernzentrale in Berlin dazu heißt, wolle man sich künftig wieder auf einen konsequenten Ausbau des Kerngeschäfts konzentrieren.


Ende des vergangenen Jahres nahm sich der DB-Konzern vor, mit der „Agenda für eine bessere Bahn“ zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, die Qualität und Pünktlichkeit zu erhöhen und die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Nun macht die Deutsche Bahn mit einer neuen Dachstrategie von sich reden, die am Dienstag im Rahmen einer Sondersitzung des Aufsichtsrates durch den Konzernvorstand vorgestellt wurde. Mit „Starke Schiene“, so der Name des neuen Masterplans, sollen zentrale verkehrs- und klimapolitische Ziele der Bundesregierung in Angriff genommen werden. Neben der schrittweisen Digitalisierung des Eisenbahnnetzes komme auch dem langfristigen Neu- und Ausbau eine ebenso zentrale Rolle zu. Die neue Dachstrategie löst die seit Anfang des Jahrzehnts gültige Strategie „DB 2020“ ab.

„Wir bekennen uns zu unserer Verantwortung in der Gesellschaft und werden alles, was wir tun, auf eine starke Schiene ausrichten“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Richard Lutz. Er ist sich sicher, dass Deutschland seine Klimaziele nur erreichen werde, wenn es gelingt, im kommenden Jahrzehnt massiv Verkehr auf die Schiene zu verlagern. Voraussetzung dafür sei eine starke Schiene – für das Klima, für die Menschen, für die Wirtschaft und nicht zuletzt für Europa.

Diese zehn zentralen Aussagen und Ziele will der Bahnkonzern in den kommenden Jahren angehen:

  1. Klimaschutz: 100 Prozent Ökostrom bereits bis 2038 statt 2050
  2. Konzentration auf das Kerngeschäft in Deutschland
      • DB Arriva soll verkauft werden
      • DB Schenker soll DB Cargo beim Wachstum unterstützen
  3. Verdoppelung der Fahrgastzahlen im Fernverkehr
      • Ziel: über 260 Millionen Reisende pro Jahr
      • Umsetzung durch zusätzliche Direktverbindungen und Frequenzen
      • geplanter 30 Minuten-Takt für mehr als 30 Großstädte
  4. Eine Milliarde zusätzliche DB-Kunden im ÖPNV
      • intelligente Angebote für den urbanen und ländlichen Raum sollen helfen
  5. Steigerung der Verkehrsleistung von DB Cargo um 70 Prozent, ebenso des Marktanteils im Schienengüterverkehr von heute 18 auf 25 Prozent
  6. Schaffung von 30 Prozent mehr Kapazität in der Schieneninfrastruktur
  7. Einstieg in den digitalen Eisenbahnbetrieb
      • Projekt Digitale Schiene Deutschland soll Verbesserung der Kapazität, Qualität, Zuverlässigkeit und Effizienz bringen
  8. Bahnhöfe sollen Drehscheiben moderner Mobilität werden
      • Ziel: Verdoppelung der Kapazität auf bis zu 40 Millionen Gäste täglich
      • besserer Übergang zwischen den Systemen Schiene, Rad, Bus sowie neuen Mobilitätsangeboten (CarSharing, EScooter)
  9. Einstellung von 100.000 neuen Mitarbeitern
  10. Zusätzliche Züge und mehr Anbindungen
    • Ziel im Fernverkehr: Steigerung der Platzkapazität um bis zu 100 Prozent durch Ausbau der Flotte auf bis zu 600 Fahrzeuge; Investitionen vor allem in Hochgeschwindigkeitszüge
    • mindestens Zwei-Stunden-Takt zur besseren Anbindung von kleinen und mittleren Städten
    • Ziel im Regionalverkehr: DB und Aufgabenträger wollen gemeinsam bis zu zwölf Prozent mehr Platz in fast 1.000 Bestandsfahrzeugen schaffen

Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, sei nach Darstellung des Unternehmens ein gemeinsamer Kraftakt der Deutschen Bahn, der gesamten Branche und der Politik vonnöten. „Auf dem Weg zur Realisierung der ambitionierten Vorhaben stehen in den kommenden Monaten wichtige Weichenstellungen bevor, unter anderem die angestrebte Vereinbarung über die ab 2020 geltende Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV III)“, teilte die DB am Mittwoch mit.


red, Titelfoto: DB AG / Oliver Lang

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