BEG und agilis testen Alstoms Coradia iLint auf bayerischen Strecken

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) und das Bahnunternehmen agilis haben Alstoms neuen Nahverkehrstriebwagen vom Typ Coradia iLint auf einer Präsentationsfahrt unter Alltagsbedingungen getestet.


Am Montag (8. Juli) fand in Bayern eine Präsentationsfahrt mit dem neuen Coradia iLint des Herstellers Alstom statt. Der Zug, der seine Antriebsenergie nicht aus Dieselkraftstoff sondern aus einer mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzelle bezieht und auf oberleitungsfreien Strecken eingesetzt werden kann, wurde im Rahmen einer Sonderfahrt von Coburg nach Bayreuth und zurück unter realen Alltagsbedingungen getestet. Die Fahrt fand in enger Kooperation mit dem Eisenbahnunternehmen agilis, dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr sowie der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regional- und S-Bahn-Verkehr im Auftrag des Freistaates plant, finanziert und kontrolliert, statt.

Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart zeigte sich erfreut, dass man den Wasserstoffzug von Alstom zu einer Testfahrt nach Bayern holen konnte. „Wir wollen bei den bayerischen Zügen im Schienenpersonennahverkehr auf umweltfreundlichere Antriebe setzen“, erklärt Reichhart und ergänzt: „Neben der Elektrifizierung forcieren wir die Einführung der Wasserstofftechnik im Bahnbereich wie kein anderes Land. Über 25 Millionen Euro Landesmittel setzen wir beispielsweise ein, um weitere Forschungen an dieser Technologie zu unterstützen. Dabei geht es vor allem um die Entwicklung eines Prototyps, der auch in hügeliger Landschaft fahren kann“, so der bayerische Verkehrsminister weiter.

Der Coradia iLint basiert im wagenbaulichen Teil auf dem zweiteiligen Dieseltriebzug Coradia Lint 54. Ein elektrischer Antriebsstrang mit Stromrichtern und Traktionsmotoren, die auf die vorhandenen Radsatzgetriebe wirken, erzeugt das Antriebsmoment. Statt über eine Fahrleitung wird dieser elektrische Antrieb durch auf dem Dach befindliche Protonen-Austausch-Membran-Brennstoffzellenanlagen versorgt, die mit Wasserstoff betrieben werden. Unter dem Wagenboden befinden sich die Batterieanlagen. Sie puffern die überschüssige elektrische Energie der Brennstoffzelle, speisen die Fahrmotoren und nehmen beim Bremsen rekuperierte Energie auf. Die Reichweite mit einer vollen Wasserstoff-Tankfüllung beträgt laut Herstellerangaben etwa 1.000 Kilometer. Das Fahrzeug emittiert bei der Fahrt lediglich Wasserdampf und ist damit besonders umweltfreundlich.

Auf dem dach des Coradia iLint befindet sich die Brennstoffzellenanlage. | © BEG

„Wir freuen uns über die Einladung, unseren Wasserstoffzug unter realen Bedingungen mit Fahrgästen an Bord in Oberfranken zu präsentieren“, sagt Alstom-Chef Jörg Nikutta. Bei der Testfahrt kam eines der beiden Vorserienfahrzeuge zum Einsatz, das am Wochenende zuvor bereits im Rahmen des „Tag der Franken“ seine ersten Kilometer im Freistaat zurückgelegt hatte. Ziel des Herstellers sei es, durch umfangreiche Fahrten in verschiedenen Bundesländern die Einsatzmöglichkeiten bei unterschiedlichen Gegebenheiten zu demonstrieren. Der Coradia iLint darf sich als erstes für den Fahrgastbetrieb in Deutschland zugelassenes Fahrzeug mit alternativem Antrieb seit September 2018 im flachen Nordwesten Niedersachsens in zwei Exemplaren mit Fahrgästen an Bord bewähren.

Nach eigenen Angaben beabsichtigt auch Bayern, seinen Schienenpersonennahverkehr mittel- bis langfristig auf Fahrzeuge ohne Dieselantrieb umzustellen. Wasserstoffbetriebene Züge stellten dabei grundsätzlich eine interessante Möglichkeit dar,  erklärt die BEG, sofern es keine Elektrifizierungsperspektive gebe und Streckennetze sich hierfür als prädestiniert erwiesen. „In einem ersten Schritt sollen gemäß der von der Staatsregierung beschlossenen Bayerischen Elektromobilitäts-Strategie Schiene (BESS) einzelne Pilotprojekte mit unterschiedlichen Antriebsarten zum Laufen gebracht werden, um ausreichend und belastbare Erfahrungen zu machen. Bei Wasserstoffzügen ist – unabhängig von der Zuganzahl in der betriebenen Flotte – stets eine zusätzliche Infrastruktur zur Betankung und zur Wasserstoffherstellung nötig. Diese kann so gebaut werden, dass sie verkehrsträgerübergreifend genutzt werden kann, beispielsweise von Pkw, Bussen und Nutzfahrzeugen“, teilt die BEG mit.


red, Titelfoto: Alstom

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