Schwere Metallersatzteile kommen ab sofort auch aus dem 3D-Drucker

Die Deutsche Bahn lässt ab sofort nicht nur Ersatzteile aus Plastik sondern auch schwere Metallteile mithilfe von 3D-Druckverfahren herstellen. Dadurch soll sich die Instandhaltung der Fahrzeuge entscheidend verkürzen.


Ab sofort erhält die Deutsche Bahn auch schwere Ersatzteile aus Metall direkt aus dem 3D-Drucker. Möglich macht dies ein Verfahren des Berliner Unternehmens GEFERTEC. Gedruckt werden hier beispielsweise Radsatzlagerdeckel für Rangierlokomotiven, die funkensprühend Schicht für Schicht aus einzelnen Edelstahldrähten mithilfe eines dunkelblauen Lichtbogens im 3D-Drucker entstehen. Durch dieses Verfahren lassen sich die Lieferzeiten laut DB-Angaben „drastisch verkürzen“. Bevor ein Ersatzteil auf Knopfdruck produziert werden kann, wird zuerst aus vorhandenen Zeichnungen oder eingescannten Objekten eine Konstruktionsvorlage für den 3D-Druck erstellt.

© DB AG / Désirée-Mareike Reifschneider

Ersatzteile wie der genannte Radsatzlagerdeckel seien auf herkömmlichem Wege bei Gießereien nur schwer zu beschaffen. Hier gebe es Warte- und Lieferzeiten von häufig bis zu 24 Monaten. Die Folge: Ohne Radsatzlagerdeckel, der die Lok unter anderem vor aufwirbelnden Schottersteinen schützt, ist das Fahrzeug nicht einsetzbar.

Wie Sabina Jeschke, DB-Vorstand Digitalisierung und Technik, erklärt, könne man durch den Einsatz von Metalldruck jetzt schrittweise eine schnellere Versorgung mit Ersatzteilen sicherstellen. Dadurch seien die Fahrzeuge wieder zügig auf der Strecke. „Ziel ist es, bis 2021 rund 10.000 verschiedene Ersatzteile über den 3D-Druck abrufbar zu machen“, so Jeschke.

Den Anfang im 3D-Druck machte Ende 2015 ein einfacher, hellgrauer Mantelhaken aus Plastik, wie er tausendfach in den ICE-Zügen angebracht ist. Heute kann die DB, so teilt das Unternehmen mit, über das Metalldruckverfahren im 3D-Drucker sogar mehr als 17 Kilogramm schwere, betriebsrelevante Bauteile für ICE-Züge herstellen – etwa die sogenannte Kastenkulisse. Dieses Bauteil wird unter dem Wagenkasten montiert und sorgt für den sicheren Lauf des Wagens in engen Kurven oder beim Passieren von Weichen.

Um künftig noch schneller und in größeren Mengen Ersatzteile zu drucken, will die Bahn als erstes Mobilitätsunternehmen ihre Lieferanten im 3D-Druck zertifizieren. Prüfung und Zertifizierung soll dabei der TÜV SÜD übernehmen.

Ab diesem Jahr werde die Bahn den 3D-Druck erstmals auch im Bereich der Berufsausbildung einsetzen. Alle rund 200 Berufsanfänger, die im September 2019 ihre Ausbildung in einem der zwölf großen Instandhaltungswerke der DB beginnen, sollen künftig Teile im 3D-Druckverfahren herstellen. Da die gewerblich-technische Ausbildung den 3D-Druck bisher noch nicht berücksichtigt, habe das Unternehmen dafür eigene Ausbildungsinhalte entwickelt.

Nach Konzernangaben wurden seit 2015 bereits mehr als 7.000 Ersatzteile für die Deutsche Bahn im 3D-Drucker gefertigt. Mittlerweile sei man in der Lage, mehr als 120 verschiedene Teile herzustellen: Darunter sind beispielsweise Lüfterräder, Kopfstützen für Regionalzüge, unterschiedliche Gehäuse wie Klemmenkästen, die sensible Kabel für den Zugantrieb schützen, oder auch kleine Ersatzteile für Kaffeemaschinen.


red, Titelfoto: Deutsche Bahn

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