Städtebahn Sachsen stellt Bahnbetrieb auf allen Linien ein

Die im Großraum Dresden verkehrende Städtebahn Sachsen hat ihren Betrieb auf den Nahverkehrslinien RB 33, RB 34, RB 71, RB 72 und RE 19 mit sofortiger Wirkung eingestellt. Grund dafür sei die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und der seit Jahren anhaltende Streit mit der DB Netz AG.


Die Städtebahn Sachsen (SBS) hat in der Nacht zum Donnerstag (25. Juli) überraschend den gesamten operativen Betrieb eingestellt. Betroffen sind alle Zugverbindungen auf den Strecken zwischen Dresden, Kamenz und Königsbrück, im Müglitztal und zwischen Pirna und Sebnitz. Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) hat einen Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Schuld an der Betriebseinstellung sei die wirtschaftliche Lage des privaten Bahnbetreibers. Die Liquidität des mittelständischen Unternehmens aus Dresden ist offenbar massiv belastet. Die Städtebahn wirft in diesem Zusammenhang dem Infrastruktureigentümer DB Netz vor, dass sich die von ihr befahrenen Strecken im Raum Dresden in einem schlechten Zustand befänden. Deshalb sei es mehrfach zu Vegetationsschäden und Zugkollisionen gekommen. Der SBS seien dadurch seit 2014 Schäden in einem siebenstelligen Euro-Bereich entstanden. Ob und wann der Betrieb möglicherweise wieder aufgenommen wird, ist aktuell nicht bekannt.

Lokalen Medien zufolge bezeichnet der Wahlkreisabgeordnete Jens Michel (CDU) die Einstellung des Betriebs als „Armutszeugnis des Unternehmens“. Auch Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke zeigt sich im WochenKurier entrüstet: „Es kann nicht sein, dass ein Streit zwischen zwei Bahngesellschaften auf dem Rücken der Reisenden ausgetragen wird, die auf dieses Angebot angewiesen sind. So schaffen wir es nicht, die Menschen wieder mehr für Bus und Bahn zu begeistern und unsere Straßen vom Individualverkehr zu entlasten. Das ist ein herber Rückschlag für den ländlichen Raum. Die Bürger über Nacht über diese Entscheidung zu informieren, ist zudem alles andere als kundenfreundlich!“

Verkehrsministerium fordert Städtebahn zur Wiederaufnahme des Betriebs auf

Wie es in einer Mitteilung des sächsischen Verkehrsministeriums heißt, teile man den Unmut und das Unverständnis der betroffenen Kunden und erwarte, „dass der Bahnbetreiber unverzüglich seinen vertraglichen Verpflichtungen mit dem Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) nachkommt.“

Verkehrsstaatssekretär Hartmut Mangold: „Ich teile die Einschätzung des VVO, dass die von der Städtebahn Sachsen in ihrer Erklärung angeführten Gründe das Bahnunternehmen nicht von der Erfüllung seiner vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem VVO befreit – in diesem Fall der Beförderung von Fahrgästen. Wir werden allerdings von unserer Seite Kontakt mit der benannten DB Netz AG aufnehmen und eine Stellungnahme zu den erhobenen Vorwürfen der Städtebahn einfordern. Eine rechtliche Handhabe seitens des SMWA gegenüber der DB Netz besteht nicht, Aufsichtsbehörde ist das Eisenbahn-Bundesamt.“

Vertragspartner der Städtebahn Sachsen ist der VVO als verantwortlicher Betreiber des Nahverkehrs in der Region. Der Verkehrsverbund habe die Rahmenbedingungen im Vertrag mit der Städtebahn in eigener Verantwortung abgestimmt. Aus diesem Vertrag ergeben sich, so teilt das sächsische Verkehrsministerium weiter mit, gegebenenfalls Sanktionsmöglichkeiten. Ob und in wieweit der VVO davon Gebrauch machen wird, obliege allein ihm.

Der Verkehrsverbund Oberelbe habe stets alle verkehrsvertraglichen Verpflichtungen gegenüber der Städtebahn Sachsen erfüllt oder sogar überfüllt, heißt es vom Ministerium. Mangold weiter: „So hat er die mehrmalige Erhöhung seines Budgets durch den Freistaat Sachsen auch dafür genutzt, die Städtebahn Sachsen bei der Fahrzeugmodernisierung zu unterstützen. Darüber hinaus wurden vom VVO allein bei der Städtebahn Sachsen ca. 100.000 zusätzliche Zugkilometer pro Jahr bestellt.“


red – aktuelisiert, Titelfoto: SBS / Neumann

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