Städtebahn-Chef äußert sich zur Betriebseinstellung – Sewerin: „VVO war in alle Gespräche eingebunden“

Seit wenigen Tagen verkehren auf den Strecken zwischen Dresden, Kamenz und Königsbrück, im Müglitztal und zwischen Pirna und Sebnitz keine Züge mehr. Die Städtebahn Sachsen hatte am Donnerstag den Betrieb kurzfristig eingestellt. Über die genauen Gründe wird seither spekuliert. Nachdem am Freitag der zuständige Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) „jegliche Anschuldigungen entschieden“ zurückwies, äußert sich nun auch der Chef des privaten Bahnunternehmens, Torsten Sewerin, selbst zu den Hintergründen.


Bislang habe sich die Städtebahn Sachsen (SBS) mit Äußerungen zur Schuldfrage hinsichtlich der Betriebseinstellung zurückgehalten. Jetzt wirft das Unternehmen dem zuständigen Aufgabenträger, dem Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), jedoch vor, nicht nur sehr „schmutzige Wäsche“ zu waschen, sondern auch, dass sich seine Vertreter „dümmer“ stellen, „als sie sind“.

Torsten Sewerin, Geschäftsführer der Städtebahn Sachsen GmbH:

Wir wären gerne weiter auf unseren Strecken gefahren, im Interesse der Fahrgäste, der Kommunen und unserer Mitarbeiter.

[…] Es gab leider bereits seit einiger Zeit Streitpunkte mit dem Leasingunternehmen, der Firma Alpha Trains, von dem wir unsere Triebwagen geleast haben. Der VVO war darüber informiert und in alle Gespräche mit Alpha Trains eingebunden.“

Nach Unternehmensangaben habe es am 17. Juli ein Gespräch in Köln bei Alpha Trains gegeben, bei dem auch der VVO-Prokurist Peter Kreger persönlich anwesend gewesen sei. Zudem sei VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen telefonisch aus dem Urlaub zugeschaltet gewesen. Bei diesem Gespräch, so teilt die Pressestelle der Städtebahn mit, hätte der kaufmännische Leiter der Firma Alpha Trains, Thomas Schmitt, der Städtebahn Sachsen die fristlose Kündigung des Leasingvertrages „wegen angeblichen Zahlungsverzuges“ überreicht. Der VVO sei also bereits seit diesem Tag über die Situation informiert gewesen, heißt es.

Am 24. Juli – wenige Stunden vor der Betriebseinstellung – habe eine Telefonkonferenz unter Einbeziehung des VVO stattgefunden. Diese habe jedoch zu keiner Klärung geführt. Die fristlose Kündigung seitens Alpha Trains blieb demnach bestehen.

Der Anwalt der Städtebahn Sachsen, Dr. Michael Krebs, habe laut Unternehmensangaben ausdrücklich auf die beiden Möglichkeiten: „Stilllegung des Betriebes oder Einigung“ hingewiesen. Jetzt zu behaupten, der VVO habe von nichts gewusst, sei daher nachweislich gelogen.

Städtebahn veröffentlicht Schriftverkehr

Die Städtebahn Sachsen hat am Samstag mehrere interne E-Mails und Briefe veröffentlicht, aus denen hervorgehen soll, dass sich die Betriebseinstellung bereits vor dem 25. Juli durch die Kündigung des Leasingunternehmens Alpha Trains angekündigt habe. Laut dem E-Mail-Verkehr wäre tatsächlich auch der VVO frühzeitig über die Lage informiert gewesen.

Quelle: Städtebahn Sachsen
Quelle: Städtebahn Sachsen

Einem Schreiben des VVO zufolge soll nach einer Einstellung des Fahrbetriebes von mehr als 72 Stunden „die fristlose Kündigung“ des Verkehrsvertrages an die SBS ausgesprochen werden, – „wohl wissend um die seitens Alpha Trains ausgesprochene Kündigung der Züge“, fügt die Städtebahn hinzu.

„Der zwischen Alpha Trains und dem VVO initiierte Weg in die Insolvenz des Unternehmens ist somit vorprogrammiert“, schreiben die Verantwortlichen der Städtebahn und fügen hinzu: „der Weg ist frei für die Länderbahn (trilex).“ Zudem habe Alpha Trains mit seiner Kündigung „eigene wirtschaftliche Interessen“ umgesetzt, heißt es in der Erklärung der Städtebahn weiter.


red

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