GdP-Vizechef warnt vor unrealistischen Erwartungen in Sachen Sicherheitskonzepte

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, hat nach dem gewaltsamen Tod eines achtjährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof vor übereilten Maßnahmen gewarnt.


Jörg Radek, der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), warnt in den Medien vor möglichen Nachahmungstätern, aber auch unrealistischen Erwartungen in Sachen Sicherheitskonzepte. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagte Radek, dass angesichts von 5.600 Bahnhöfen und Haltestellen in Deutschland nicht mit schnellen Lösungen gerechnet werden dürfe. Im Morgenmagazin von ARD und ZDF sprach er sich dennoch dafür aus, zumindest über den Einbau technischer Sperren oder über Bahnsteigkarten, die zum Betreten der Bahnanlagen berechtigten, zu diskutieren. SPD-Verkehrsexperte Martin Burkert bemängelt in einem Bericht der Bild-Zeitung eine unzureichende Aufsicht an den Bahnsteigen, außerdem fehle es an den Bahnhöfen an Bundespolizisten. Forderungen nach mehr Personal bezeichnete der GdP-Vize hingegen als unseriös.

Laut Radek sollte die besondere Tragik dieser Tat alle zur Besonnenheit mahnen. Er rief jeden einzelnen Reisenden dazu auf, nicht zu nah an der Bahnsteigkante auf den Zug zu warten. Denn: Sämtliche Maßnahmen könnten nicht vor einem Täter schützen, der heimtükisch handele, so der GdP-Vizechef.

Ähnlich äußerte sich laut Tagesschau auch Thomas Kraft vom Fahrgastverband Pro Bahn Hessen: „Man kann so etwas nicht hundertprozentig verhindern.“ An kleinen Bahnhöfen oder Haltepunkten könne letztlich auch jemand aus einer Hecke hervorspringen und Reisende auf die Gleise stoßen.

Auch Anke Rehlinger (SPD), die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, gibt zu bedenken, dass Taten wie in Frankfurt durch Sicherheitsmaßnahmen nicht zu verhindern seien. Dem RND sagte die saarländische Verkehrsministerin am Dienstag: „Eine solche Tat offenbart keine Sicherheitslücke, sondern eine Menschlichkeitslücke.“


red – aktualisiert, Titelfoto:  Pixabay

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