Städtebahn Sachsen: Insolvenzverwalter prüft Optionen zur Fortführung des Betriebes

Wie die Anwaltskanzlei PLUTA mitteilt, meldete die Städtebahn Sachsen GmbH am vergangenen Freitag, einen Tag nach der Betriebseinstellung, Insolvenz an. Das Amtsgericht Aschaffenburg hat daraufhin am Montag das vorläufige Verfahren angeordnet und Rechtsanwalt Stephan Laubereau zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.


Laut einer Mitteilung der Kanzlei PLUTA wurde Rechtsanwalt Laubereau vom Amtsgericht Aschaffenburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die Städtebahn Sachsen GmbH bestellt. Er habe sich in den vergangenen Tagen einen ersten Überblick über die Lage des Eisenbahnunternehmens verschafft und werde nun sämtliche Optionen prüfen, um den Geschäftsbetrieb des Unternehmens fortführen zu können, heißt es.

„Mit allen Beteiligten habe ich sehr konstruktive Gespräche geführt. Unser Ziel ist es, vorübergehend den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen, bis eine endgültige Lösung gefunden ist. Der Zugverkehr auf den regionalen Strecken um Dresden soll schnellstmöglich wieder rollen. Sowohl der Verkehrsverbund Oberelbe als auch der Triebwagenvermieter unterstützen meinen Plan. In den nächsten Tagen werden wir entscheiden, ob eine Wiederaufnahme des Betriebs erfolgen kann“, so Anwalt Laubereau.

Die Mitarbeiter der Städtebahn Sachsen haben nach Kanzleiangaben ihre Gehälter für den Monat Juni erhalten. Auch für die nächsten drei Monate seien die Gehälter über das Insolvenzgeld gesichert. „Noch in dieser Woche werden wir die Mitarbeiter über die Lage informieren. Wir werden alles daran setzen, um kurzfristig eine Lösung zu erzielen. Dies ist aber nur möglich, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen“, erklärt Laubereau.

Die Städtebahn Sachsen GmbH ist ein Eisenbahnunternehmen mit Sitz in Niedernberg in der Nähe von Aschaffenburg, das seit 2010 Nahverkehrsleistungen im regionalen Liniennetz der sächsischen Landeshauptstadt Dresden erbracht hat. Im Auftrag des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) betriebt das Unternehmen bis zur Kündigung am vergangenen Sonntag die Strecken von Dresden nach Königsbrück (RB 33), Kamenz (RB 34), Heidenau und den Kurort Altenberg (RB 72 und RE 19) sowie die Verbindung von Pirna nach Neustadt und Sebnitz (RB 71). Hierfür wurden insgesamt 15 Triebwagen eingesetzt, die allesamt vom Zugleasingunternehmen Alpha Trains geliehen waren. Am Donnerstag vor einer Woche musste die Städtebahn Sachsen nach einer fristlosen Kündigung des Leasingvertrages den Zugverkehr auf allen Strecken einstellen. Seither ruht der operative Geschäftsbetrieb des Unternehmens, das rund 90 Mitarbeiter beschäftigt. Statt der Züge verkehrt auf dem betroffenen Streckennetz derzeit ein Ersatzverkehr mit Bussen.

Die Geschäftsführung der Städtebahn Sachsen erklärte unterdessen laut einem Bericht des MDR, dass der Servicebetrieb STS Städtebahn Service GmbH als eigenständiges Unternehmen nicht von der Insolvenz betroffen sei. Die Mitarbeiter in der Werkstatt in Laußnitz bei Königbrück würden weiterhin Eisenbahnfahrzeuge auch für andere Unternehmen warten und reparieren. Geschäftsführer Thomas Sewerin kündigte an, dass man Reparaturdienstleistungen auch für Nachfolgeunternehmen auf dem bisherigen Städtebahn-Netz anbieten wolle.

Ferner kündigte Sewerin laut dem Bericht an, rechtliche Schritte gegen den VVO prüfen zu wollen, weil dieser vor der Insolvenz versucht haben soll, Mitarbeiter abzuwerben. Einem VVO-Sprecher zufolge habe es jedoch keine Abwerbeversuche gegeben, sondern lediglich Gespräche mit Gewerkschaften, berichtet der MDR weiter.


red, Titelfoto: VVO

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