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Nach tödlichem Unfall mit Zugbegleiter – BAV fordert Maßnahmen zur Mängelbeseitigung an SBB-Zugtüren

© Bahnblogstelle (Archiv)

Nach der Veröffentlichung eines Zwischenberichts der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle zum tragischen Unfalltod eines Zugbegleiters Anfang August, hat das Bundesamt für Verkehr die SBB zu Maßnahmen aufgefordert, um die Mängel an den Zugtüren zu beheben und die Erkennung von Fehlern zu verbessern. 


Das Bundesamt für Verkehr (BAV) in der Schweiz verlangt von der SBB, dass sie Maßnahmen ergreift, um die sichere Funktionsweise der Türen bei den EW IV-Wagen zu gewährleisten. „Die SBB muss die Anzeige im Führerstand zum Schließzustand der Türen rasch verbessern und mittelfristig die Türsteuerung ersetzen“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Zudem ordnet das BAV ein umfassendes externes Audit zu den Rollmaterial-Instandhaltungsprozessen an. Die entsprechende Verfügung des BAV basiert auf einem Zwischenbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) sowie den Ergebnissen der Kontrollen, welche die SBB selber eingeleitet hat.

Die SUST hatte nach dem tragischen Unfall am 4. August in Baden, bei dem ein SBB-Zugbegleiter in der Tür eines Wagens vom Typ EW IV eingeklemmt wurde und ums Leben kam, eine Untersuchung eingeleitet. Am vergangenen Mittwoch ist der Zwischenbericht erschienen; er richtet sich an das Bundesamt für Verkehr und enthält zwei Empfehlungen. Das BAV setzt die beiden Empfehlungen der SUST gegenüber der SBB wie folgt um:

  • Die SUST stellt in ihrer Untersuchung fest, dass die bestehende Parallelschaltung bei den Türen der EW IV dazu führen kann, dass die Türen dem Lokführer als geschlossen gemeldet werden, obwohl dies nicht der Fall ist. Die SUST empfiehlt dem BAV, bei der SBB die Anpassung dieses Systems einzufordern. Das BAV verlangt, dass die SBB dieses System bis Ende Oktober so anpasst, dass es dem Lokführer den korrekten Zustand der Türen anzeigt.
  • Die SUST stellt fest, dass der Einklemmschutz bei den Türen der EW IV nicht zuverlässig funktioniert. Sie empfiehlt dem BAV, gegenüber der SBB zu verfügen, dass das heutige durch ein zuverlässigeres System ersetzt wird. Das BAV verlangt von der SBB, dass sie mit einem Vorgehens- und Zeitplan bis Ende Oktober aufzeigt, wie sie die Türsteuerung bei den EW IV ersetzen wird.
  • Für die Zeit, bis diese beiden Massnahmen umgesetzt sind, muss die SBB betriebliche Ersatzmaßnahmen prüfen und umsetzen. Zudem hat sie den Abfertigungsprozess auf Risiken zu überprüfen.
  • Die SBB hat nach dem Unfall bei einer Sonderkontrolle der EW-IV-Türen über 300 Mängel festgestellt. Die festgestellten Fehler sind unterschiedlich sicherheitsrelevant, die Fehlerquote ist trotzdem hoch. Für das BAV stellt sich die Frage, warum die SBB diese Mängel nicht im Rahmen der ordentlichen Instandhaltung und Kontrollen entdeckt hat. Das BAV verlangt deshalb von der SBB ergänzend zu den von der SUST empfohlenen Massnahmen, dass sie Organisation und Abläufe beim Fahrzeugunterhalt durch ein externes Unternehmen überprüfen lässt. Bis Ende Oktober muss die SBB dem BAV ein Pflichtenheft und einen Zeitplan für dieses externe Audit vorlegen. Weiter muss die SBB überprüfen, ob bei vergleichbaren Wagenflotten ähnliche Risiken bestehen.

SBB: Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt

Der SBB zufolge sei der derzeitige Abfertigungsprozess, der „in der letzten Woche überprüft“ wurde, „sicher“. Zum Stand der geforderten Sofortmaßnahmen teilt die SBB mit, dass zusätzlich zur normalen Kontrolle der Türen, die alle sieben bis zehn Tage erfolgt, seit dem 12. August alle Türen des Wagentyps EW IV einer detaillierten Sonderkontrolle unterzogen werden. „Bei 384 kontrollierten Zügen und 1.536 Türen wurden 512 Mängel entdeckt, der große Teil davon wirkt sich nicht auf die Funktion der Türen aus und ist nicht sicherheitsrelevant“, heißt es in einer Mitteilung. „66 Mal wurde beim Einklemmschutz ein Mangel in der Funktionsweise erkannt, wobei 7 nicht funktioniert haben.“ Alle Mängel sollen so schnell wie möglich behoben werden. „Türen mit sicherheitsrelevanten Mängeln werden repariert oder verkehren nur noch gesperrt“, erklärt die SBB. Außerdem soll das Türverriegelungs-Meldesystem für die korrekte Anzeige der Türpositionen im Führerstand bis Ende Oktober verbessert werden. Voraussichtlich in vier Jahren, so erklärt die SBB, soll der Einklemmschutz bei allen EW IV-Türen modernisiert sein.

Wie es von Seiten der SBB heißt, sei es nach „jetzigem Wissensstand und der Sicherheitseinschätzung“ der SBB „nicht nötig, die EW-IV-Wagen außer Betrieb zu nehmen.“ Die Sofortmaßnahmen und die weiteren, auch vom BAV verlangten Anpassungen gewährleisten nach Ansicht der Schweizerischen Bundesbahn die Sicherheit von Reisenden und Mitarbeitenden. Die von der SBB eingerichtete Taskforce überprüfe diese Einschätzung laufend. Sollte sich die Einschätzung verändern, „wird die SBB geeignete Maßnahmen ergreifen, unabhängig von den Auswirkungen auf den Betrieb.“


red

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