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Schweiz: SUST veröffentlicht Untersuchungsbericht zum Stromunfall in Visp

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) hat ihren Schlussbericht zum Stromunfall in Visp vom 25. Juli 2017 veröffentlicht. Die Untersuchungsstelle kommt darin zu dem Ergebnis, dass die Arbeitsstelle, an der ein Isolatorentausch vorgenommen werden sollte, nicht auf allen Seiten geerdet war. Zudem hatten weitere Versäumnisse den Unfall begünstigt. Ein Fahrleitungsmonteur wurde bei dem Vorfall schwer verletzt.


In der Nacht zum 25. Juli 2017 kam es in Visp bei Instandhaltungsarbeiten an der Fahrleitung zu einem Starkstromunfall. Der Unfall ereignete sich um 01:30 Uhr, als ein Fahrleitungsmonteur versuchte, gemäß seinem Auftrag, einen Isolator der Fahrleitung auszutauschen. Entgegen seiner Überzeugung stand die Fahrleitung unter Spannung. Beim Annähern mit einem Werkzeug an die Fahrleitung entstand ein Störlichtbogen, durch den der Fahrleitungsmonteur schwer verletzt wurde.

Der verunfallte Mitarbeiter wurde mit schweren Verbrennungen an Gesicht, Hand und Unterarm in ein Spital eingeliefert. Später informierten ihn die Ärzte, dass er Glück gehabt hätte, weil er im Bereich seines T-Shirts keine Verbrennungen erlitten hatte. Die Kunstfasern seines T-Shirts wären geschmolzen und hätten sich mit der Haut verklebt, was die Behandlung deutlich erschwert hätte. Ein zweiter Fahrleitungsmonteur, der sich ebenfalls auf der Arbeitsbühne befand, wurde durch den Lichtbogen stark geblendet. Dabei wurden seine Sehkraft temporär vermindert und seine Gesichtshaut wie bei einem Sonnenbrand gerötet. Ein Augenarzt stellte keine bleibenden Schäden fest.

Quelle: SUST

Laut dem Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) haben die folgenden Faktoren zum Unfall beigetragen:

  • Die „5 + 5 lebenswichtigen Regeln im Umgang mit Elektrizität“ wurden nicht vollständig und konsequent eingehalten.
  • Die Risikobeurteilung war allgemein gestaltet und nicht auf die konkreten Arbeiten ausgerichtet.
  • Das Sicherheitsdispositiv beinhaltete weder Hinweise noch Maßnahmen bezüglich eines unter Spannung stehenden Fahrleitungsteils in der Arbeitsstelle.
  • Der Auftrag war nicht eindeutig und beinhaltete nicht ausführbare Instandhaltungsmaßnahmen.
  • In der Vorbereitungsphase wurde keine Begehung vor Ort durchgeführt.
  • Die Mitarbeiter wurden vor der Arbeitsausführung bei der Arbeitsstelle nicht instruiert.
  • Die Fahrleitungen wurden nicht allseitig der Arbeitsstelle geerdet.
  • Die Darstellung des Symbols „elektrische Trennung (mit Parallelführung)“ hat nicht dazu beigetragen, die Gefahr zu erkennen.

Die folgenden Maßnahmen wurden laut dem SUST-Bericht durch SBB Infrastruktur veranlasst:

  • Bauliche Anpassung der Schnellfahrweichen-Abspannung in St. German (mit Parallelführung). Einbau von Stabisolatoren zwecks kürzerer Überlappung der Abschnitte.
  • Schweizweite Suche nach ähnlichen Situationen, die ebenfalls analog gebaut sind (z.B. Spurwechsel). Prüfung Einbau Stabisolatoren.
  • Sicherstellung, dass bei neuen Anlagen mit Weichen mit Parallelführung der elektrischen Trennung die Variante mit Stabisolatoren eingebaut wird (inkl. Hinterlegung in Montagehandbüchern).
  • Sensibilisierung aller Fahrleitungsteams und Erstellung eines Kurzfilms mit dem Titel „Sicherer Umgang mit Starkstrom bei der Bahn“.

Zum Schlussbericht


red

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