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Allianz pro Schiene: Bad Bentheim ist Bahnhof des Jahres 2019

Das gemeinnützige Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene zeichnet den Bad Bentheimer Bahnhof für seine besondere Kundenfreundlichkeit als Deutschlands „Bahnhof des Jahres 2019“ aus. Damit entschied sich die zehnköpfige Jury für den Bahnhof, der beim Umbau durch eine vermeintliche Fehlplanung mit einem versperrten Gebäudeeingang und dem Eintritt durch ein Fenster bundesweit Häme auf sich zog.


Pressemitteilung der Allianz pro Schiene:

„Vom Spottobjekt zum Vorbild in Deutschland – das hat Bad Bentheim mit seinem rundum gelungenen Bahnhof in wenigen Jahren geschafft“, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, am Mittwoch bei der Preisverleihung in Berlin. „Der klimafreundliche Schienenverkehr braucht attraktive Bahnhöfe, um sein ganzes Potential entfalten zu können. Dies leistet Bad Bentheim in beeindruckender Art und Weise.“

Beide Preise gehen nach Niedersachsen

Einen Sonderpreis für bürgerschaftliches Engagement erhält in dem bundesweiten Wettbewerb Cuxhaven. In der Stadt an der Nordsee retteten Bürger ihren Bahnhof mit beispiellosem Einsatz und der Gründung einer Genossenschaft vor dem Untergang. Damit gehen beide Auszeichnungen – der Hauptpreis und ein Sonderpreis ­– in diesem Jahr nach Niedersachsen. „Bahnhof des Jahres zu werden ist Gemeinschaftsleistung: Nur zusammen mit Partnern schaffen wir es, Mobilität optimal zu vernetzen und mehr Menschen für den Verkehrsträger Schiene zu gewinnen“, sagte Bernd Koch, Vorstandsvorsitzender der DB Station & Service AG. „Nicht nur in Niedersachsen, sondern bundesweit arbeiten wir daran, ein guter Gastgeber zu sein. Für eine starke Schiene schaffen wir Bahnhöfe, an denen sich unsere Kunden wohlfühlen und bequem zwischen umweltfreundlichen Mobilitätsangeboten wechseln können.“

Bad Bentheim: „Bahnhof aus einem Guss“

Mit der Auszeichnung von Bad Bentheim in Niedersachsen als Bahnhof des Jahres 2019 würdigt die Jury der Allianz pro Schiene das überzeugende Gesamtkonzept. „Hier fühlen sich die Reisenden willkommen“, heißt es in der Begründung der Jury, die von einem „Bahnhof aus einem Guss“ spricht. „Hier passt alles zusammen, was einen Bahnhof auszeichnet und zu einem kundenfreundlichen und attraktiven Ort für die Menschen werden lässt.“ Dies beginnt beim Vorplatz, der mit einem modernen Busbahnhof direkt vor der Empfangshalle, einem großen Park&Ride-Platz für Autos und einer attraktiven Radstation alles für einen guten Anschluss bietet. Das Bahnhofsgebäude, das von der Bentheimer Eisenbahn betrieben wird, präsentiert sich  frisch renoviert und empfängt die Bahnkunden mit einem hellen Sitzbereich, komfortablen Bänken, einer angenehmen Atmosphäre auch durch eine Klima- und Heizungsanlage und durch verbraucherfreundliche Informationen über die Abfahrten von  Zügen und den Bussen vor der Tür. Ein modernes, lichtdurchflutetes Bahnhofscafé sowie weitere Servicestellen wie das Reisebüro runden das Angebot ab. Sehr erfreut hat die Jury, dass der Bahnhof durch die Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Strecke Bad Bentheim-Nordhorn-Neuenhaus in diesem Sommer beispielhaft für die Renaissance der Schiene in Deutschland steht.

“Bad Doofheim”: Ein bundesweit berühmtes Fenster wird Ausstellungsobjekt

Auch zum früheren Spott über Bad Bentheim äußert sich die Jury. Während des Bahnhofumbaus lagen die bereits modernisierten Bahnsteige deutlich höher als die Wartehalle. In dieser Übergangszeit ließ sich das Gebäude von den Gleisen her nicht durch die Eingangstüren, sondern wenn überhaupt nur durch ein Fenster betreten. Zwar war in dieser Umbauphase der Eintritt ins Gebäude über den anderen Eingang mit einem kurzen Umweg möglich und vorgesehen. „Dennoch spotteten die Medien in ganz Deutschland und bald sogar in China über die vermeintlich nötige Kletterpartie am Bahnhof Bad Bentheim“, schreibt die Jury. Die Bild-Zeitung wartete mit der Überschrift „Letzter Halt – Bad Doofheim“ auf.  Andere Medien sprachen von einer „Lachnummer“. Dazu stellt die Jury fest: „Die Bad Bentheimer fühlen sich zwar zu Unrecht verspottet. Dennoch nahmen sie die Häme mit Humor. Sie stellen heute das berühmte Fenster in ihrer Wartehalle aus. Dort können Interessierte auch die bissigsten Zeitungskommentare nachlesen. Die Jury hat auch diese Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, beeindruckt.“

Cuxhaven macht Mut: Engagement lohnt sich

Ein lebendiger, attraktiver Bahnhof statt eines weiteren Einkaufszentrums in der Innenstadt – das haben die Cuxhavener mit viel Mut, Leidenschaft und Durchhaltevermögen erreicht. „In Cuxhaven haben Bürger und Bürgerinnen den Bahnhof in ihrem Heimatort zu ihrer (Herzens-)Angelegenheit erklärt – zu ihrem Bahnhof“, hebt die Jury hervor. „Aus einem als Schandfleck empfundenen Gebäude ist im doppelten Wortsinn ein „Bürgerbahnhof“ geworden, zu dem nicht nur die Reisenden gerne kommen.“ Das Umfeld entspricht allerdings noch nicht überall dem Standard des Bahnhofs selbst. Die Jury will mit dem Sonderpreis daher auch die Stadt motivieren, die Entwicklung rund um das neue Schmuckstück Cuxhavens voranzutreiben. Zudem möchte sie laut Jury-Begründung „andere Initiativen in Deutschland ermutigen, sich nach dem Cuxhavener Vorbild für ihren Bahnhof einzusetzen.“ Die Jury betont: „Die Mühe lohnt sich, wie Cuxhaven eindrucksvoll demonstriert.“

Objekte und subjektive Kriterien entscheiden   

Mit dem Titel „Bahnhof des Jahres“ zeichnet die Allianz pro Schiene seit 2004 jedes Jahr die besten Bahnhöfe in Deutschland aus. Die Jury achtet auf objektive Qualitätskriterien wie Kundeninformation, Sauberkeit, Anbindung an andere Verkehrsträger und Integration in die Stadt. In die Entscheidung geht zudem ein subjektiver Wohlfühlfaktor ein.  In der Jury sind die Fahrgastverbände Pro Bahn und Deutscher Bahnkunden-Verband ebenso vertreten wie der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der ACE Auto Club Europa, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der Bundesverband CarSharing , die Kooperation Fahrtziel Natur, und der Deutsche Tourismusverband sowie die Allianz pro Schiene.


pm

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