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Unzulässige Bedienhandlung im Stellwerk führte im Februar zur ICE-Entgleisung in Basel

Die Unfallursache der Zugentgleisung von ICE 373 am 17. Februar 2019 steht fest. Laut dem Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) war der Zug in Basel aufgrund einer unzulässigen Bedienhandlung im Stellwerk auf Höhe einer Weiche entgleist.


Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) hat die Untersuchungen zum Unfall vom 17. Februar in Basel abgeschlossen. Kurz nach der Ausfahrt aus Basel Badischer Bahnhof war ICE 373 mit 240 Personen an Bord, auf dem Weg von Berlin-Ostbahnhof nach Interlaken, gegen 20:47 Uhr auf Höhe der Weiche 194 entgleist. Laut dem Schlussbericht der SUST ist der Unfall auf ein versehentliches, unzulässiges Hilfsauflösen der Zugfahrstraße und dem folgenden Einstellen einer anderen Zugfahrstraße zurückzuführen. Weil eine Weiche in diesem Moment unter dem fahrenden ICE umgestellt wurde, fuhren nur der vordere Triebkopf und das erste Drehgestell des ersten Wagen auf dem rechten Streckengleis. Das hintere Drehgestell sowie der Rest des Zuges wurden auf das linke Streckengleis abgelenkt, wobei auch das hintere Drehgestell des ersten Wagen entgleiste. Der Lokführer bemerkte zum Zeitpunkt der Entgleisung kurzzeitig leichte Zugkraftsprünge. Als der Zug wenig später begann in Längsachse zu rütteln, stoppte der Lokführer den ICE per Schnellbremsung. Bei dem Versuch, den Zug über die Nottüröffnung anzuhalten, wurde eine Person verletzt. Der erste Wagen wurde rund 900 Meter weit schräg über beide Gleise mitgeschleift. Etwa 20 Meter vor einer Tunnelwand, die beide Gleise voneinander trennt, kam der Zug zum Stehen. Anschließend setzte der Lokführer einen Notruf ab.

Das in Basel Badischer Bahnhof verwendete und von dort aus bediente Spurplandrucktastenstellwerk der Bauart SpDrL 603 ist ein nach Spurplanprinzip gebautes Relaisstellwerk, das die Gleisanlage in Relaistechnik abbildet. Das Einstellen einer Zugfahrstraße erfolgt über die Eingabe von Start- und Zielgleis mithilfe eines Nummernstellpults (Zehnertastatur). Laut dem SUST-Bericht „ist es denkbar, dass der Fahrdienstleiter sich bei der Eingabe für einen zweiten Zug, der dem ersten, später entgleisten Zug folgen sollte, vertippt hatte und ungewollt ein falsches Zielgleis eingab. Die nun eingestellte Folgezugfahrstraße wollte er hilfsauflösen und durch die Eingabe des neuen Zielgleises ersetzen. Das Stellwerk stellte nicht die erwartete Umfahrzugfahrstraße ein, sondern die Regelzugfahrstraße über die ablenkenden Weichen 194 und 195, bevor der ausfahrende Zug diese befahren hatte.“

Zum Schlussbericht


red

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