S-Bahn Rhein-Ruhr: Keolis kann Vertragskündigung des VRR nicht nachvollziehen

Laut den ursprünglichen Plänen sollte Keolis Deutschland ab Mitte Dezember den S-Bahn-Betrieb im Rhein-Ruhr-Netz auf den Linien S 1 und S 4 übernehmen. Da dem Unternehmen jedoch noch immer zahlreiche Triebfahrzeugführer fehlen, hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) beschlossen, den Verkehrsvertrag rund drei Monate vor der Betriebsaufnahme zu kündigen. Seitens Keolis könne man diese Entscheidung nicht nachvollziehen, wie das Unternehmen erklärt.


Vor wenigen Tagen teilte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) mit, dass der mit Keolis Deutschland geschlossene Verkehrsvertrag für den künftigen Betrieb der S-Bahn-Linien S 1 und S 4 wieder gekündigt werde (Bahnblogstelle berichtete). Der Zugverkehr soll stattdessen per Notvergabe vorerst weiter durch die Bahntochter DB Regio NRW erbracht werden, hieß es in einer Erklärung des VRR. Als Begründung nannte der Verkehrsverbund, dass dem Unternehmen Keolis drei Monate vor der Betriebsübernahme noch rund die Hälfte der notwendigen Triebfahrzeugführer fehlten. Das private Bahnunternehmen, das seinen Zugverkehr unter dem Markennamen „Eurobahn“ betreibt, zeigt sich verwundert und hält die Entscheidung des VRR für rechtswidrig. „Wir halten die Vertragskündigung für unbegründet und unzulässig“, erklärte Magali Euverte, Vorsitzende der Geschäftsführung Keolis Deutschland. Man wolle sich zudem alle Optionen offen halten, die Entscheidung möglicherweise anzufechten.

Keolis hat nach eigenen Angaben im Zuge aller Rekrutierungsmaßnahmen bereits über 80 Triebfahrzeugführer ausgebildet, die ab dem 15. Dezember für die S-Bahn Rhein-Ruhr zur Verfügung stehen würden. 40 weitere Kollegen sollen 2020 die Abschlussprüfung zum Triebfahrzeugführer absolvieren. Um die zeitliche Lücke zu schließen, habe Keolis bereits Anfang des Jahres intensive Gespräche mit der Deutschen Bahn geführt und zudem eine Absichtserklärung seitens DB Regio NRW erhalten, die zugesagt hätte, dass Zugleistungen mit Fahrpersonal der Bahntochter für die Linien S 1 und S 4 erfolgen werden. Kürzlich sei dem Unternehmen nach eigener Aussage jedoch ohne Angabe von Gründen mitgeteilt worden, dass DB Regio NRW von der Absichts- und Kooperationsmöglichkeit, Zugleistungen mit DB Regio-Fahrpersonal zu leisten, zurücktreten werde. Laut Euverte verstehe man weder den Ausschluss der weiteren Kooperation noch die vorzeitige Vertragskündigung seitens des VRR. Keolis verfolge dennoch weiterhin das Ziel, die Betriebsaufnahme gemeinsam mit den Branchenpartnern umzusetzen und bittet alle Partner „zurück an den Gesprächstisch“.


red

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