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Transdev-Chef Mallet kritisiert DB-Konzern scharf – Deutsche Bahn nennt Vorwürfe „blanker Unsinn“

Der Chef des Bus- und Bahnbetreibers Transdev, Thierry Mallet, hat sich in einem Interview kritisch über die Deutsche Bahn geäußert. Er warf dem Unternehmen vor, dass die Infrastrukturtochter DB Netz AG die Züge der Deutschen Bahn bevorteile und Wettbewerbern sogar Verspätungen reindrücke. Der Staatskonzern bezeichnet die Vorwürfe als „blanker Unsinn“.


Transdev-Chef Thierry Mallet sagte kürzlich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass die Deutsche Bahn nach seiner Auffassung einen fairen Wettbewerb verhindere. „Im deutschen Schienennetz gibt es viele Engpässe. Wenn die Disponenten deshalb Prioritäten setzen müssen, geben sie den DB-Fernzügen immer den Vorrang, weil der Bahn-Vorstand an der Pünktlichkeit des Fernverkehrs gemessen wird. Dann kommen die Regionalzüge und die Frachtzüge der DB. Und erst dann kommen unsere Fahrzeuge und die der übrigen Wettbewerber“, so Mallet. Diese Diskriminierung erlebe Transdev jeden Tag. „Die Bahn drückt uns die Verspätungen rein“, behauptet Mallet.

Angesprochen auf die eigenen Defizite im Unternehmen erklärt der Manager: „Unser größtes Problem in Deutschland ist der Mangel an Lokführern“, das betreffe aber nicht nur Transdev. Laut Mallet sei der neue Tarifvertrag Schuld, dass der Branche bundesweit mehr als tausend Triebfahrzeugführer fehlten. „Sie konnten wählen zwischen Gehaltserhöhung und kürzerer Arbeitszeit. Zu unserer Überraschung haben sich 85 Prozent für mehr Freizeit entschieden. Das stellt uns vor die Entscheidung, welche Linien wir schwächen“, sagt der Transdev-Chef.

Um das Problem zu lösen, habe Transdev eine große Ausbildungsinitiative für Lokführer gestartet. Vor allem in Bayern, wo Vollbeschäftigung herrscht, sei es allerdings wahnsinnig schwer, Interessenten zu bekommen. „Wir rekrutieren deshalb auch im Ausland, etwa in Spanien und in Südosteuropa. Aber die Sprache ist eine riesige Hürde.“ Anders als ein Busfahrer müsse ein Triebfahrzeugführer aus Sicherheitsgründen fließend Deutsch sprechen. „Dieser Arbeitsmarkt ist verrückt: Ich will nicht mehr erleben, dass wir 20 Leute ausbilden – und am nächsten Tag werden fünf mit hohen Prämien abgeworben“, so Mallet weiter.

Deutsche Bahn: Vorwürfe sind „blanker Unsinn“

Die Vorwürfe von Transdev-Chef Thierry Mallet seien „blanker Unsinn“, erklärt die Pressestelle der Deutschen Bahn. Der DB-Konzern sei „nicht verantwortlich für die mangelnde Qualität der Transdev-Züge in Deutschland.“ Die Bahntochter DB Netz AG steuert bundesweit den Zugverkehr von über 400 Eisenbahnunternehmen. Die Einhaltung der „klaren Regeln“ werde durch die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde „streng“ überwacht. Die Deutsche Bahn fordert Transdev daher auf, „konkret zu werden, statt mit unwahren Behauptungen von eigenen Versäumnissen abzulenken.“ Frühere Vorwürfe seien bereits geprüft worden. Laut DB-Angaben habe die Aufsichtsbehörde bislang „keine Verstöße“ festgestellt.


red

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