Weiße Schienen gegen die Hitze – DB startet Praxistest auf Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover–Würzburg

Die Deutsche Bahn hat auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover–Würzburg einen Praxistest gestartet und dazu die Schienen im Bereich der Pfieffetalbrücke nahe Melsungen auf einer Länge von einem Kilometer mit weißer Farbe bestrichen.


© DB AG

Italien, Schweiz und Österreich haben es bereits vorgemacht: Nun färbt auch die Deutsche Bahn ihre Schienen testweise auf einem kleinen Gleisabschnitt mit weißer Farbe. Wie das Unternehmen erklärt, hätten bereits erste Tests im Sommer erfolgreich gezeigt, dass durch weiße Schienen „eine kühlende Wirkung“ des Gleiskörpers erzielt werden kann. Jetzt will die Deutsche Bahn den Farbanstrich erstmals im laufenden Betrieb testen und teilt dazu mit, dass in einem Praxistest vor allem die Haltbarkeit und Abnutzung der Farbe sowie das Auftragen über größere Entfernungen untersucht werden sollen. Fundierte Ergebnisse sollen in einem Jahr vorliegen. Diese seien dann die Grundlage für eine mögliche Ausweitung des Projekts auf weitere Strecken.

Nach eigenen Angaben untersucht die Deutsche Bahn bereits seit 2018 die Wirksamkeit von weißer Farbe auf Schienen. Aufgrund der klimatischen Veränderungen mit lang andauernden, heißen Sommern in Deutschland sei diese Lösung auch für die DB eine Option. In anderen Ländern gibt es bereits ähnliche Versuche. Hohe Temperaturen können Schienen und Gleisbett mitunter zu schaffen machen, da sich Stahl bei extremer Hitze ausdehnt – es kann dann zu einer sogenannten Gleisverwerfung kommen. Auf einem Testgelände in Königsborn läuft bereits seit Juli ein Versuch. Die dort generierten Ergebnisse seien vielversprechend: „Die weiße Schiene reflektiert mehr Licht und wird daher deutlich weniger heiß als das herkömmliche Modell“, erklärt das Unternehmen.

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Der aktuelle „Farb-Härtetest“ wird im Bereich der Pfieffetalbrücke nahe Melsungen durchgeführt. Vor allem aufgrund der hohen Zugdichte auf der Strecke fiel die Wahl der Örtlichkeit auf die 812 Meter lange, 61 Meter hohe und 14 Meter breite Spannbetonhohlkastenbrücke. Zudem seien das Bauwerk und die darauf liegenden Schienen ganzjährig einer hohen Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Die Zweigleisigkeit biete ebenfalls perfekte Bedingungen: für den Test wurde ein Gleis im Bereich der Brücke weiß gefärbt, das andere in seiner bestehenden Form belassen. Dies ermöglicht einen direkten Vergleich zwischen den im Stahl beider Schienenstränge gemessenen Temperaturen.

Die Deutsche Bahn hat zudem ein Expertenteam ins Leben gerufen, das weitere Maßnahmen, mit denen sich die Bahn auf veränderte klimatische Bedingungen vorbereitet, entwickeln soll. Als Beispiel nennt das Unternehmen das umfangreiche Vegetationsmanagement, um wetterfester zu werden. Weitere Projekte, die Technik und Anlagen Kühlung verschaffen sollen, seien etwa der Einsatz von Aerogel oder Erkenntnisse aus der Bionik.


red

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