DB-Digitalvorstand Jeschke: „Pünktlichkeit ist kein Parameter, den man per se steuern könnte“

Seit knapp zwei Jahren gehört sie zu den wichtigsten Köpfen an der Spitze der Deutschen Bahn AG: Sabina Jeschke – verantwortlich für den Bereich Digitalisierung und Technik im Konzern. Zu Beginn ihrer Tätigkeit wurde sie einmal als „Retterin der Pünktlichkeit“ bezeichnet. Sie selbst findet diesen Titel eher unpassend, arrogant und sachlich falsch. Wie Jeschke kürzlich im DB-Podcast „Fahrplan Zukunft“ verriet, sei das Thema Pünktlichkeit eine zentrale Aufgabe des Gesamtkonzerns. Die Digitalchefin der Bahn äußerte sich aber auch zu den Veränderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen.


Prof. Dr. Sabina Jeschke, Vorstand für Digitalisierung und Technik bei der Deutschen Bahn AG:

„Ich trage sehr sehr gerne im Konzern zur Pünktlichkeit bei. Man muss das Ding aber mal ein bisschen zerlegen: Pünktlichkeit ist ja kein Parameter, den man per se steuern könnte. Sondern man kann ja nur das, was zur Pünktlichkeit oder Unpüntlichkeit führt steuern, also beispielsweise wenn Züge nicht rechtzeitig die Instandhaltung verlassen, dann werden sie auch nicht pünktlich sein. Insofern steuert man ja nie die Pünktlichkeit selber, sondern man steuert das, was die Pünktlichkeit manipuliert. Und das ist natürlich eine konzernweite Aufgabe. Wenn beispielsweise der Zug rechtzeitig aus der Instandhaltung gekommen ist, der Lokführer aber nicht da war oder das Gleis nicht zur Verfügung stand, dann wird dieser Zug eben nicht pünktlich fahren. Pünktlichkeit ist der zentrale Verbundprozess den wir als Gesamtkonzern leisten müssen. Und jeder muss seinen Beitrag dazu bringen.“

Dass Arbeitsplätze bei der Deutschen Bahn aufgrund der zunehmenden Digitalisierung künftig verschwinden könnten, glaubt Jeschke nicht. Sie könne die Sorge im Grundsatz nachvollziehen, allerdings habe der Konzern derzeit eher das umgekehrte Problem:

„Wir werden in den nächsten paar Jahren versuchen hunderttausend Mitarbeiter für die Bahn neu einzustellen, weil wir diese Menschen brauchen. Klar ist es so, dass der einzelne Job, die einzelne Jobspezifikation möglicherweise einer gewissen Veränderung unterliegt, dass ein Servicemitarbeiter weniger damit befasst ist, immer wieder die selben Standardauskünfte zu geben, […] sondern möglicherweise mehr gebraucht wird, um Spezialfragen zu beantworten, während einfache Aufgaben eher von einem Chatbot oder ähnlichen Tools gemacht werden.

Wir haben für die Mitarbeiter bei uns, auch für die die wir einstellen, mehr Aufgaben als wir im Moment bewältigen können und in sofern gibt es überhaupt kein Problem, dass wir für unsere Mitarbeiter nicht vernünftige Perspektiven hätten.

Klar muss auch sein, dass die einzelnen Jobprofile sich über die Zeit verändern werden – das ist aber ehrlich gesagt nichts Neues. Die allermeisten Menschen, die heute auf einer Position sitzen, haben vor 20 Jahren diese Position in anderer Weise ausgeführt – beispielsweise weniger computergestützt, mehr zettelbasiert. Wir sind heilfroh, dass wir diese Mitarbeiter haben. […] Wir können absolut garantieren, dass auch in der Zukunft für die Mitarbeiter in unserer Bahn Raum ist und dass wir sie brauchen.“

Laut Jeschke müssen sich alle Mitarbeiter gemeinsam auf die Veränderung der Arbeitsprofile einlassen und sollten diesen Weg sogar mitgestalten.


red

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