Nach tödlichem Unfall mit Zugbegleiter: SBB ändert Verfahren für Zugabfertigung

Bei Zügen mit EW-IV-Türen und ähnlichen Türsystemen kommt in der Schweiz ein angepasstes Abfertigungsverfahren zur Anwendung. Ab sofort erteilen Zugbegleiter die Abfahrerlaubnis erst, wenn alle Türen geschlossen sind. Durch diese Maßnahme soll die Sicherheit nach dem tödlichen Unfall Anfang August weiter erhöht werden.


Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben in Abstimmung mit den Sozialpartnern entschieden, dass der Abfertigungsprozess bis zum Abschluss der laufenden und zusätzlich geplanten technischen Arbeiten an den EW-IV-Türen ab sofort angepasst wird. Bei Zügen mit diesen Türen oder ähnlichen Türsystemen betätigt der Zugbegleiter die zentrale Türschließung und beobachtet den Schließvorgang von außen. Erst nach dem Zustieg des Zugbegleiters und dem vollständigen Schließen seiner Tür, erteilt er die Abfahrerlaubnis an den Lokführer. Durch die Anpassung soll die Sicherheit sowohl für Reisende als auch für das Zugpersonal weiter erhöht werden, teilte die SBB kürzlich mit.

© SBB / Christof Schuerpf

Die Anpassung dieses Abfertigungsprozesses sei eine Maßnahme, welche die SBB unabhängig von der noch laufenden Untersuchung des tödlichen Unfalls eines Zugbegleiters umsetzt. Nachdem Anfang August ein SBB-Mitarbeiter bei der Zugabfahrt aufgrund eines technischen Defekts an einer Tür verunglückte, ließ die SBB Sonderkontrollen an über 1.800 Zugtüren durchführen und stellte dabei nach eigenen Angaben fast 70 „sicherheitsrelevante Mängel“ fest.

Die Änderung betrifft Re460-Pendelzüge und von Loks gezogene Kompositionen. Modernere Zugtypen verfügen über zusätzliche Sicherheitselemente in den Türschließsystemen. Deshalb werde laut SBB bei allen anderen Zügen weiterhin der Standardprozess angewendet.


red

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