„Die Bahn wird besser, aber dafür braucht es Jahre“ – Bahnchef Lutz reagiert auf Scheuer-Ultimatum

Bahnchef Richard Lutz hat sich in einem Zeitungsinterview zum Ultimatum von Verkehrsminister Andreas Scheuer geäußert. Scheuer hatte Lutz in einem Brief aufgefordert, bis Mitte November konkrete Maßnahmen gegen Verspätungen, Zugausfälle und Personalmangel vorzulegen (Bahnblogstelle berichtete).


Wie der Konzernchef der Deutschen Bahn, Richard Lutz, gegenüber der Wochenzeitung DIE ZEIT sagte, gebe es „keinen Dissens zwischen Bund, Verkehrsministerium und uns.“ Wenn man auf die Fakten schaue – und die Pünktlichkeit sei hier nur ein Thema von vielen –, sei die Bahn gegenüber dem Vorjahr besser geworden. Außerdem habe man bis Ende September bereits rund 20.000 neue Mitarbeiter eingestellt und damit fast schon das Jahresziel erreicht. Der DB-Chef erklärte aber auch: „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Die Bahn werde nicht von heute auf morgen rundum besser, „dafür braucht es Jahre“. Entscheidend sei, „dass wir Schritt für Schritt besser werden. Und die Fakten zeigen, dass wir Fortschritte machen“, so Lutz.

Auf die Frage, ob er an Weihnachten noch Bahnchef sei, antwortet Lutz: „Ich verschwende meine Zeit nicht mit solchen Gedanken.“ Ihm habe der Job noch nie so viel Spaß gemacht wie heute. „Ich habe gerade mein 25-jähriges Bahn-Jubiläum gefeiert, und ich erlebe Historisches: Die Politik hat die Eisenbahn nach vielen Jahrzehnten wiederentdeckt. Als Schlüssel für Klimapolitik und Mobilitätswende.“

Eine bessere Bahn gebe es nicht zum Nulltarif, erklärt der DB-Chef nachdem er auf die zusätzlichen Investitionen des Bundes angesprochen wird. „Wir können jetzt endlich anfangen, die Verkehrsverlagerung auf die Schiene zu organisieren.“ Die Infrastruktur sei dabei der Schlüssel für Wachstum, Betriebsqualität und Pünktlichkeit. „Dafür müssen wir uns natürlich mehr anstrengen. Und für die Umsetzung brauchen wir nicht nur neue digitale Technik, sondern auch mehr Mitarbeiter, beispielsweise Ingenieure.“

Ob der Rückbau des Streckennetzes seit der Bahnprivatisierung ein schwerer Fehler gewesen sei, beantwortet Lutz mit den Worten: „Das war leider der Zeitgeist.“ Damals hätten Politiker in Bund und Ländern Milliardeneinsparungen verlangt. „Da gab es niemanden in der Politik, der sagte: Wir haben Spielräume im Haushalt, um die Bahn größer und die Nahverkehrssysteme fit für die Zukunft zu machen“, so der heutige Bahnchef. Mittlerweile habe sich die Einstellung völlig gedreht. „Überall werden Programme aufgelegt. Rund um Frankfurt heißt das ‚Rhein-Main-Plus‘, in Berlin und Brandenburg ‚i2030‘, in München soll eine zweite Stammstrecke für die S-Bahn her. In einer ständig wachsenden Stadt wie Berlin platzt das Nahverkehrssystem aus allen Nähten. Kann man das der heutigen Politik vorwerfen? Ich glaube nicht.“

Zum Thema Deutschlandtakt verrät Lutz im Interview, dass bis zum Jahr 2030 fast 30 Großstädte im Halbstundentakt an das Fernverkehrsnetz angebunden werden sollen. Städte mit 100.000 Einwohnern sollen dann im Ein- oder Zweistundentakt bedient werden. Mit dem Deutschlandtakt wolle die Bahn in die Fläche zurückkehren. „Wir brauchen den engeren Takt und mehr Züge, um unser Ziel zu erreichen: die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr zu verdoppeln“, so Lutz.


red, Titelfoto: DB AG (Archiv)

Advertisements