Nach der Schule in den Führerstand – DB Regio wirbt um Nachwuchskräfte für den Lokführerberuf

Die Deutsche Bahn hat am Montag und Dienstag (28./29. Oktober) Schnuppertage für Jugendliche angeboten. Ziel war es, interessierten Schülern in München und Umgebung den Beruf des Triebfahrzeugführers – wie der Lokführer mittlerweile korrekterweise heißt – näher zu bringen. Bahnblogstelle konnte das spannende und informative Event von DB Regio begleiten.


© Bahnblogstelle

Montagmorgen, 9:00 Uhr. Pünktlich mit Zeigersprung begrüßte Andreas Schneider von DB Regio die Teilnehmer der Schnuppertage. Als erstes war eine Führerstandsmitfahrt von München Hbf nach Garmisch-Partenkirchen vorgesehen. Gut 15 Minuten vor der Abfahrt stand der Regionalzug, bestehend aus Fahrzeugen der Baureihe ET 442 (Talent 2) in Dreifachtraktion, am Gleis 31 bereit. Auf dem Weg zum vorderen Zugteil hallte bereits ein freundliches „Guten Morgen“ aus einer der Zugtüren. Denn neben den ersten Fahrgästen hatten sich auch schon die für den Fahrgastbereich zuständigen Kundenbetreuer am Zug eingefunden. Ebenfalls an diesem Morgen dabei, war Azubi Noah. Für den 17-Jährigen, der gerade sein zweites Lehrjahr absolviert, ist der Lokführerberuf schon lange ein Traum. „Ich habe mich schon immer für alles interessiert, was fährt.“ Und als Lokführer sei jeder Tag anders, erzählt Noah zu Beginn der Tour begeistert.

Um kurz vor halb zehn nahm Lokführer Holger Oesterreich im Führerstand Platz. Das Fahrzeug war aufgerüstet, die Zugdaten eingegeben, der Fahrplan geladen und die Bremsprobe durchgeführt. Es konnte also in Kürze losgehen. Als um 9:32 Uhr die Abfahrtzeit erreicht war, das Ausfahrsignal einen Fahrtbegriff zeigte und die Türen geschlossen waren, konnte sich der Zug langsam in Bewegung setzen. Die 217 Meter lange Regionalbahn verließ den Münchner Hauptbahnhof mit rund 40 km/h. Wenig später, nach dem Verlassen des Weichenbereichs, konnte der Zug bereits auf über 100 km/h beschleunigen. Der erste Halt des Zuges war München-Pasing, anschließend folgten neun weitere Halte – darunter Tutzing, Weilheim, Murnau und Ohlstadt. Auf der rund 82-minütigen Zugfahrt erklärte der Lokführer die Bedeutung der unterschiedlichen Anzeigen und Bedienelemente auf dem Führerpult. Zu den wichtigsten gehören hier neben dem kombinierten Fahr-/Bremshebel, zum Beschleunigen und Bremsen des Zuges, das Führerbremsventil und die Taster zur Bedienung der Punktförmigen Zugbeeinflussung (PZB). Es folgten Erläuterungen zum maschinen-technischen Display (MTD), zur Geschwindigkeits- und Zugkraftanzeige im modularen Führerraumdisplay (MFD) und zur Darstellung des elektronischen Buchfahrplans (EBuLa).

Auch wenn das Steuern eines Zuges im ersten Moment spielerisch einfach scheinen mag, so steckt doch einiges dahinter. Lokführer haben eine große Verantwortung, betonte Oesterreich, der nicht nur Lokführer sondern auch Azubifachkoordinator ist. Die ganze Theorie, das Regelwerk und die Technik der unterschiedlichen Baureihen – alles muss jederzeit sitzen.

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Pünktlich in Garmisch-Partenkirchen angekommen, folgte eine Führung durch den dortigen Bahnhof, inklusive einem Rundgang auf der dazugehörigen Abstellanlage. Da der Weg hierfür auch durch die Gleise führte, durfte die UVV-Unterweisung zur Unfallverhütung und zum korrekten Verhalten im Gleisbereich sowie das Tragen der Warnwesten nicht fehlen. Anhand einer elektrisch ortsgestellten Weiche (EOW) erklärte der erfahrene Ausbilder die wichtigsten Bestandteile dieses Fahrwegelements.

Gegen 12 Uhr stand die Rückfahrt von Garmisch-Partenkirchen nach München an. Diesmal aber nicht mit einem modernen Triebzug, sondern etwas klassischer mit einem lokbespannten Doppelstockzug. Zum Einsatz kamen hier zwei rund 40 Jahre alte Elektrolokomotiven der Baureihe 111, die in Mehrfachtraktion (Sandwitch) am Beginn und Ende des Zuges liefen. Aufgrund einer vorangegangenen technischen Störung an einem der beiden Triebfahrzeuge hatte der Zug aus vorheriger Fahrt bereits eine leichte Verspätung aufgebaut. Nach einem kurzen Fahrtrichtungswechsel, dem sogenannten „Kopfmachen“, war der Zug nach wenigen Minuten bereits wieder Abfahrbereit.

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Erschien die Hinfahrt zuvor im modernen ET 442 noch eher ruhig und komfortabel, kam man nun auf der 111er in den Genuss, die Leistung der 83 Tonnen schweren Maschine deutlich und kraftvoll zu spüren. Mit leichtem Durchrütteln und einem lauten Dröhnen der Lüfter im Maschinenraum, die während der Fahrt für die Kühlung der Fahrmotoren sorgen, setzte sich der Zugverband zügig in Bewegung. „Die Bedienung der beiden Fahrzeugtypen unterscheidet sich schon sehr. Man sieht deutlich die technische Entwicklung. Da liegen rund 40 Jahre dazwischen“, erklärte Oesterreich. Wurde der moderne Triebzug am Vormittag noch mit einem kombinierten Fahr-/Bremshebel gesteuert, hat der Lokführer in der 111er schon deutlich mehr zu tun und zu beachten. Hier gibt es zum einen den Fahrschalter auf der linken Führerpultseite zur Regelung der Fahrstufen sowie die verschiedenen Bremshebel auf der rechten Seite – vom Führerbremsventil für die Ansteuerung der Druckluftbremse des kompletten Zuges, die elektrodynamische Bremse der Lok, die an den Fahrmotoren wirkt, und eine direkt wirkende Zusatzbremse zum kurzzeitigen Sichern des Zuges beim Halt am Bahnsteig. Bis München setzte sich die leichte Verspätung zwar weiter fort, der Freude an der Fahrt tat dies aber keinen Abbruch.

Bitte Platznehmen zum Rangieren

Für den zweiten Tag stand ein Besuch in der Abstellanlage der Vorstellgruppe Nord in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofes an. Dort durften die Teilnehmer mal selbst auf dem Lokfürersitz Platz nehmen. Nach dem Durchführen einer vereinfachten Bremsprobe übergab Ausbilder Oesterreich den Zug nacheinander an die jungen Lokführeranwärter. Mit maximal 15 km/h durften die Schnuppertags-Teilnehmer den 140 Tonnen schweren Triebzug rund 300 Meter weit bewegen. Genutzt wurde dafür ein freies Abstellgleis. Und die jungen Leute schlugen sich gut. Das Anfahren und Bremsen gelang auf Anhieb – und auch die Bedienung der Sicherheitsfahrschaltung, kurz Sifa, die die Handlungsfähigkeit des Lokführers überwacht, sorgte für keinerlei Zwangsbremsungen.

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Anschließend ging es weiter zur Besichtigung der neuen Fahrzeuginstandhaltungs- und Behandlungsanlage (FIBA). Die moderne DB-Regio-Werkstatt in München-Pasing ist erst seit gut zwei Jahren in Betrieb. Rund 50 Millionen Euro hatte die Deutsche Bahn in die neue Instandhaltungsanlage investiert. Bei der Führung durch die 207 Meter lange Werkshalle waren sowohl Doppelstockwagen älterer Bauart als auch moderne Triebzüge der Baureihen ET 445 und 442 zu bewundern. Hier können die Züge von DB Regio auf fünf Gleisen kontrolliert, repariert und instand gehalten werden. Über Arbeitsgruben und -bühnen kommen die hier arbeitenden Techniker auch an jedes Bauteil, das sich unter- oder oberhalb der Züge befindet, heran.

Als die Schnuppertage am frühen Nachmittag ihr Ende fanden war klar, es gibt sie noch: Junge Menschen die sich für einen Beruf bei der Eisenbahn begeistern und sich den Traumberuf Lokführer vorstellen können. Bei einigen Teilnehmern zeigte sich sogar schon ein solides Grundwissen, das in einer späteren Ausbildung sicher nicht schaden kann.

Wer selbst Interesse an einer Ausbildung bei der Deutschen Bahn hat, erhält weitere Informationen auf der Internetseite karriere.deutschebahn.com. In bestimmten Fällen sind sogar Praktika in der Ferienzeit oder in Kooperation mit Partnerschulen möglich.


red, Titelfoto: Bahnblogstelle

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