ICE-Entgleisung im Februar 2017 durch Fehlverhalten des Triebfahrzeugführers verursacht

Die Untersuchungen zum Bahnbetriebsunfall vom 17. Februar 2017 in Frankfurt am Main sind abgeschlossen. Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) hat nun den Bericht zur Entgleisung einer ICE-Leerfahrt, die auf dem Weg in die Waschanlage war, veröffentlicht. Der Unfall ist auf einen Fehler des Triebfahrzeugführers zurückzuführen.


Am 17. Februar 2017 befand sich ein ohne Reisenden besetzter ICE auf einer Leerfahrt von Frankfurt am Main Hbf über Frankfurt/M-Niederrad – Kelsterbach (mit Fahrtrichtungswechsel) – Frankfurt/M-Niederrad nach Frankfurt/M-Griesheim auf dem Weg in die Waschanlage. Gegen 01:39 Uhr kollidierte Zug LPFT-T 78730 bei der Einfahrt nach Gleis 207 im Bahnhof Frankfurt/M-Griesheim mit dem dortigen Gleisabschluss. Durch den Aufprall auf den Prellbock entgleiste der Zug mit drei Achsen des führenden Endwagens und kam erst auf dem anschließenden Bahnsteig in Höhe der Personenunterführung zum Stehen. Der Triebfahrzeugführer blieb unverletzt. Durch den Unfall entstanden Sachschäden am Schienenfahrzeug und den Infrastrukturanlagen in Höhe von über 1,56 Millionen Euro. Zudem kam es damals zu erheblichen Beeinträchtigungen im Eisenbahnbetrieb.

Quelle: BEU

Laut dem Untersuchungsbericht der BEU war das Fehlverhalten des Triebfahrzeugführers ursächlich für die Zugkollision. Der Triebfahrzeugführer an der Spitze eines Zuges hat ständig die zu befahrende Strecke, die Signale, die Bahnübergänge und die Oberleitung zu beobachten.  Er habe in diesem Fall „seine Aufgaben während der Fahrt nicht mit der gebotenen Sorgfalt“ durchgeführt und letztendlich den „Bremsvorgang zu spät eingeleitet“.

Der Triebfahrzeugführer sagte im Rahmen der Unfalluntersuchungen aus, dass er die Signalstellung Hp 2 (Langsamfahrt) mit Zs 3 Kennziffer 3 (Geschwindigkeitsanzeiger 30 km/h) bei der Einfahrt in den Bahnhof Frankfurt/M-Griesheim erkannt und wahrgenommen hatte. Er habe sich anschließend auf das Zielsignal und den Bahnsteig konzentriert, wo er hätte abgelöst werden sollen. Er habe völlig übersehen, dass der Fahrweg ins Stumpfgleis an den Prellbock führen würde. Durch den Regen sei er bei der Einfahrt durch die Bahnsteigbeleuchtung leicht geblendet worden. Als der Triebfahrzeugführer bemerkte, dass er mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs war und ein Aufprall bevorsteht, habe er eine Schnellbremsung mit Sandunterstützung eingeleitet und einen Notruf abgesetzt.

Nach Auswertung der Elektronischen Fahrten-Registrierung (EFR) kann die Kollision mit dem Gleisabschluss bei einer Geschwindigkeit des Zuges von ca. 31 km/h angenommen werden, heißt es im Untersuchungsbericht. Ob die Druckabsenkung in der Hauptluftleitung durch das Einleiten einer Schnellbremsung oder aufgrund der Beschädigung der Druckluftanlage des Triebzuges als Folge der Kollision erfolgte, ist nicht abschließend geklärt. Die Fahrtaufzeichnung ergibt einen Bremsweg (ab Registrierung der Druckabsenkung in der Hauptluftleitung bis Fahrzeugstillstand (Registrierung „V“ = 0 km/h)) von ca. 16 Meter bei einer Bremszeit von ca. 4 Sekunden.

Quelle: BEU

Auswertung und Schlussfolgerungen

  • Mängel an den vom Unfallzug genutzten Infrastrukturanlagen, die in Zusammenhang mit dem Ereignis stehen könnten, wurden nicht festgestellt.
  • Die signaltechnischen Überprüfungen des Stellwerks und dessen Außenanlagen wurden regelmäßig durchgeführt. Erkenntnisse über Fehlfunktionen oder Störungen konnten dabei
    nicht gewonnen werden. Das Stellwerk arbeitete ordnungsgemäß.
  • Unregelmäßigkeiten oder den Ereigniseintritt begünstigende Umstände aus der Leit- und Sicherungstechnik wurden der BEU im Rahmen dieses Ereignisses nicht bekannt.
  • Die Untersuchung des Triebzuges einschließlich des führenden Fahrzeugs 93 80 5411 554­ 9 lieferte keine Hinweise auf unfallbegünstigende oder unfallverursachende Unregelmäßigkeiten.

Bisher getroffene Maßnahmen

Als Sofortmaßnahme wurde der am Ereignis beteiligte Triebfahrzeugführer zunächst nicht mehr im Bahnbetrieb eingesetzt. Nach der Feststellung der Ursache wurde der Mitarbeiter, entsprechend dem Fehlverhalten, durch einen zertifizierten Trainer und Prüfer nachgeschult.

Zum Untersuchungsbericht


red, Titelfoto: Bundespolizei

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