Unzulässige Rangierbewegung führte im September 2017 zur Zugkollision

Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) hat die Untersuchungen zur Zugkollision vom 18. September 2017 in Augsburg Hbf abgeschlossen. Der Untersuchungsbericht kommt zum Ergebnis, dass der Unfall durch eine unzulässige Rangierbewegung verursacht wurde.


Am 18. September 2017 kollidierte im Augsburger Hauptbahnhof eine einfahrende Regionalbahn der Bayerischen Regiobahn (BRB) auf der Weiche 659 mit einer Rangierbewegung. Der Unfall, bei dem der Triebfahrzeugführer der BRB und drei Fahrgäste leicht verletzt wurden, ereignete sich gegen 12:49 Uhr. Der Triebwagen der BRB entgleiste mit der führenden Achse des Mitteldrehgestells. Die Rangierfahrt entgleiste mit dem Steuerwagen mit allen Achsen und verkeilte sich in Schräglage im Schotterbett zum Nachbargleis. Der nachfolgende Doppelstockwagen entgleiste mit dem vorderen Drehgestell. An den Fahrzeugen und der Infrastruktur entstanden Schäden in Höhe von rund 435.000 Euro.

Quelle: BEU

Die BEU kommt in ihrem Untersuchungsbericht zu dem Ergebnis, dass die Zugkollision auf eine unzulässige Fahrt der Rangiereinheit in die Fahrstraße des ein­fahrenden Zuges zurückzuführen ist.

Nachdem Zug RE 59119 aus Nürnberg Hbf im Gleis 7 am Augsburger Hauptbahnhof eingetroffen war, sollte der Zug als Rangierfahrt nach Gleis 4 umgesetzt werden, um anschließend als RE 59124 nach Nürnberg Hbf zurückzufahren. Nach der Ankunft mit dem Steuerwagen voraus wechselte der Triebfahrzeugführer auf die Lokomotive, um von dort als gezogene Rangierfahrt nach Gleis 660 zum erneuten Richtungswechsel zu fahren. Gemäß der Rangiervereinbarung mit dem zuständigen Weichenwärter sollte er bis hinter das Lichtsperrsignal Ls 660I fahren. Er informierte den Zugbegleiter (Kundenbetreuer im Nahverkehr) über die getroffene Rangiervereinbarung und übertrug ihm die Aufgabe des Rangierbegleiters (Rb) zur Fahrwegbeobachtung bei der späteren Rückfahrt nach Gleis 4. Nach Ankunft im Gleis 660 folgte der Fahrt­richtungswechsel. Der nun an der Spitze der Rangierfahrt befindliche Rangierbegleiter hatte das für die Rangierfahrt maßgebliche und haltzeigende Lichtsperrsignal Ls 660I von seiner Position im Führerstand des Steuerwagens nicht wahrgenommen. Stattdessen beobachtete er das nächstfolgende Ls 659. Nach dem Wechsel des Signal­begriffs auf Signal Sh1 (Fahrverbot aufgehoben) für die Zugfahrt BRB 86523 interpretierte dieser das Signal fälschlich als Zustimmung des Weichenwärters für die eigene Rangierfahrt. Daraufhin erteilte der Rangierbegleiter dem Triebfahrzeugführer mit den Worten „Du kannst herkommen“ den Fahrauftrag nach Gleis 4. Die geschobene Rangierfahrt setzte sich in Bewegung. Kurz darauf nahm der Triebfahrzeugführer am Zugschluss über das Mobiltelefon folgenden Wortlaut des Rb wahr: „Was ist hier los, die Weiche stimmt nicht“. Fast zeitgleich verspürte er einen mäßigen Widerstand beim Fahren und der Hauptschalter der Lok schaltete sich selbsttätig aus. Zusätzlich stellte er fest, dass die Oberleitung im Nachbargleis stark zu schwanken begann und die Rangierfahrt zum Stillstand kam.

Quelle: BEU

Der Kundenbetreuer, der die Aufgaben des Rangierbegleiters wahrnahm, hat sich nach Angaben der BEU bis zum Zeitpunkt der Berichtsveröffentlichung nicht zum Unfallhergang geäußert. Er war dem Bericht zufolge für seine Tätigkeit als Rb hinreichend qualifiziert.

Bisher getroffene Maßnahmen

Die DB Regio AG hat den Vorfall in die regelmäßigen Schulungen aufgenommen, um die am Rangieren ihrer Fahrzeuge beteiligten Mitarbeiter für die Problematik der richtigen Zuordnung der für die Rangierfahrt geltenden Signale zu sensibilisieren. Ferner werden die Kundenbetreuer im Nahverkehr (KiN) der betroffenen Einsatzstelle aktuell nicht zum Rangieren eingesetzt.

Zum Untersuchungsbericht


red, Titelfoto: BEU

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