München-Nürnberg-Express: Neue Skoda-Züge lassen weiter auf sich warten – Neufahrzeuge seit Monaten im Zulassungsverfahren

  EXKLUSIV   Die neuen Doppelstockzüge für den München-Nürnberg-Express lassen auch drei Jahre nach der ursprünglich geplanten Betriebsaufnahme weiter auf sich warten. Das Zulassungsverfahren läuft. Wann es abgeschlossen ist, steht aber derzeit weiterhin aus. Die zuletzt für den Fahrplanwechsel im Dezember erhoffte Inbetriebnahme wird mit jedem Tag unwahrscheinlicher.


2013 hat die DB Regio AG sechs neue Züge für den schnellen Regionalverkehr zwischen München, Ingolstadt und Nürnberg bestellt. Sie sollen die älteren, derzeit noch in Betrieb befindlichen Intercity-Wagen im Regio-Design ablösen und mit 676 Sitzplätzen fast 40 Prozent mehr Kapazität als heute bieten. Die Kosten: Rund 110 Millionen Euro. Bis heute warten jedoch die Deutsche Bahn und ihre Fahrgäste auf den Einsatz der Neufahrzeuge. Nach den ursprünglichen Plänen sollten die sechs neuen Doppelstockzüge, die aus jeweils einer Lok der Baureihe 102 und sechs Wagen bestehen, bereits Ende 2016 in den Regelbetrieb gehen. Doch daraus wurde bekanntlich nichts. Grund für die Verzögerungen waren zunächst Lieferprobleme von Seiten des Herstellers. Ab wann die neuen Doppelstockzüge mit Fahrgästen unterwegs sein werden, ist weiterhin unklar. Die Zulassung steht noch aus.

© Bahnblogstelle

Einige der Neufahrzeuge stehen derzeit in der alten Instandhaltungshalle des DB-Regio-Werks in München-Pasing. Trotz mehrfacher Anfrage wollte sich der tschechische Zughersteller Skoda Transportation nicht zur aktuellen Lage äußern. Im Mai erklärte Zdeněk Sváta, Vorstandsmitglied und Senior Vizepräsident für die Technik der Gruppe Škoda Transportation: „Momentan sind wir de facto am Ende des Genehmigungsverfahrens. Wir führen zusätzliche Messungen sowie die Dokumentation bezüglich der Zulassung des Fahrzeugbetriebes für 190 km/h durch und wir glauben fest daran, dass wir innerhalb weniger Wochen die notwendigen Genehmigungen für den Fahrgastbetrieb erhalten werden.“

Nun ist erneut ein halbes Jahr ins Land gegangen. Fortschritte sind von außen betrachtet, bislang nur wenige zu erkennen. Allerdings erklärt das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) auf Anfrage, dass der Zulassungsprozess nach derzeitigem Erkenntnisstand „weit fortgeschritten“ sei. Eine zeitliche Prognose darüber, wann der Bescheid erlassen werden kann, sei indes aber noch nicht möglich. Wie Pressesprecherin Heike Schmidt weiter erläutert, wurden dem EBA im Rahmen des Zulassungsverfahrens erstmals Anfang 2019 Dokumente zur Prüfung vorgelegt. „Dabei hatten sich zu verschiedenen Themen – unter anderem aus den Bereichen der Zugkonfiguration, Fahrtechnik und Aerodynamik – offene Fragen ergeben. Der Antragsteller hat die Unterlagen in der Folgezeit daher umfassend überarbeitet und uns bis in den November 2019 hinein erneut eingereicht.“

Der Vorsitzende der Regionalleitung der DB Regio Bayern, Hansrüdiger Fritz, machte im Frühjahr klar, dass die Deutsche Bahn die sechs Skoda-Züge erst abnehmen werde, „wenn die Zulassung ohne Einschränkung und Auflagen erfolgt ist.“ Dennoch stand die Hoffnung im Raum, die neuen Fahrzeuge möglichst zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 im Fahrgastbetrieb einsetzen zu können. Ob dies jetzt – knapp vier Wochen davor – noch realistisch erscheint, bleibt weiter offen. Denn von Seiten der Deutschen Bahn heißt es aktuell auf Nachfrage nur, dass man sich erst „nach der Zulassung“ zu weiteren Planungen und Schritten bezüglich des Fahrzeugeinsatzes äußern könne.

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Ob der Zughersteller aufgrund der massiven Lieferverzögerungen mit Vertragsstrafen rechnen muss, ist nicht bekannt. Allerdings erklärte die Bundesregierung im Juli auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion, dass der geschlossene Liefervertrag nach Auskunft der Deutschen Bahn derartige Regelungen – beispielsweise für den Verzug bei der Fahrzeuglieferung – beinhalte. Die konkrete Höhe der Vertragsstrafen unterliege jedoch der vertraglich geregelten Vertraulichkeitsvereinbarung mit dem Hersteller. Skoda habe die Lieferfähigkeit im Ausschreibungsverfahren nachgewiesen und die von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) geforderten Liefertermine mit dem Angebot bestätigt, heißt es in der damaligen Antwort der Bundesregierung weiter.


red, Titelfoto: Bahnblogstelle

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