Modellprojekt: In Mannheim werden 15 Flüchtlinge für den Triebfahrzeugführerberuf qualifiziert

Seit Anfang Oktober werden in Mannheim 15 Flüchtlinge zu Triebfahrzeugführern ausgebildet. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann hat das Modellprojekt, das gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit entstanden ist, kürzlich besucht.


© Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg

Bei einem Besuch in den Schulungsräumen der MEV-Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft hat sich Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann kürzlich über den Fortschritt eines Modellprojekts zur Qualifizierung von Flüchtlingen zu Triebfahrzeugführern informiert. Das Projekt war von Seiten des Landes gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit im Januar ins Leben gerufen worden, um dem Personalmangel in der Bahnbranche zu begegnen. Zugleich soll damit ein wichtiger Beitrag zur Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt geleistet werden. Ziel ist es, geflüchtete Menschen, die in einem geklärten Aufenthaltsstatus im Land leben und über hinreichend gute Deutschkenntnisse verfügen, für den Triebfahrzeugführerberuf zu qualifizieren. Das Konzept soll zunächst in drei Modellregionen erprobt werden. Hierzu zählen die Qualifizierungscluster Karlsruhe/Mannheim, Stuttgart und Zollernalb/Hechingen. An dem Gesamtprojekt beteiligen sich DB Regio Baden-Württemberg, Abellio, Go-Ahead, die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG), die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), sowie die MEV Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft.

„Es werden dringend zuverlässige Lokführer gebraucht. Die Geflüchteten können einen wichtigen Beitrag leisten, um die Stabilität des Fahrbetriebs zu gewährleisten“, betonte Verkehrsminister Winfried Hermann.

Hans-Peter Sienknecht, Geschäftsleiter Go-Ahead Baden-Württemberg, unterstrich: „Wir müssen gemeinsam alles dafür tun, mehr Menschen für den Nahverkehr und den Beruf des Triebfahrzeugführers zu interessieren. Diesen tollen Beruf so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen und sie für eine Zukunft auf der Schiene zu begeistern, ist eine tolle Initiative, die wir vollumfänglich unterstützen. Die Motivation der Mitarbeiter steht bei uns im Vordergrund, unabhängig von kultureller Herkunft, Hautfarbe, Sprache, Alter oder Geschlecht.“

Das Modellprojekt biete „Geflüchteten die Chance, eine Ausbildung in einem verantwortungsvollen Beruf zu erlernen und anschließend in ein sicheres und langfristiges Arbeitsverhältnis übernommen zu werden“, ergänzte Rolf Schafferath, Vorsitzender der Geschäftsführung der Abellio Rail Baden-Württemberg GmbH. Außerdem profitiere die „an einem Fachkräftemangel leidende Bahnbranche von den frisch ausgebildeten und motivierten Triebfahrzeugführern.“

© Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg

Die ersten 15 Teilnehmer des Projekts haben im Oktober ihren Qualifizierungskurs begonnen. Weil die Kurse zum großen Teil in Mannheim stattfinden, ließ sich der Verkehrsminister vor gut drei Wochen im modernen Simulator-Raum einen Überblick über die Ausbildungsinhalte geben. Der hier ansässige Qualifizierungscluster setzt sich aus den Nahverkehrsunternehmen Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), Abellio, Go-Ahead, MEV zusammen und wird vom baden-württembergischen Verkehrsministerium und der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit begleitet.

Die zwölfmonatige Qualifizierung findet vollständig bei der MEV Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft mbH in Mannheim statt. In den Schulungsräumen des Dienstleisters werden alle Auszubildenden der am Cluster beteiligten Verkehrsunternehmen gemeinsam qualifiziert. In einem ersten Schritt erwerben die Auszubildenden einen Führerschein zum Rangieren (A-Führerschein). Im Anschluss steht dann der Erwerb des B-Führerscheins auf der Agenda, der für das Fahren von Bahnen im Regelbetrieb erforderlich ist.

2020 startet weiterer Kurs in Stuttgart

Ein weiterer Kurs im Rahmen des Modellprojekts ‚Qualifizierung Geflüchteter zu Triebfahrzeugführern‘ soll im zweiten Quartal nächsten Jahres bei DB Regio in der Region Stuttgart starten. Seit dem 15. November werden 12 Teilnehmer in Stuttgart mit einer achtwöchigen Schulungsmaßnahme darauf vorbereitet. Innerhalb dieses Vorkurses wird Basiswissen für den Beruf, wie Berufskunde, das Kennenlernen betrieblicher Anforderungen, Lernen und Entwicklung von Selbstlernkompetenz und berufsbezogene Kommunikation vermittelt und geprüft. Zum Kennenlernen des Berufes wird es auch eine sechstägige Erprobung im Betrieb geben. Bevor die Umschulung bei der S-Bahn Stuttgart losgeht, bekommen einige Teilnehmer noch einen Deutschkurs, mit dem Ziel, ihr Sprachniveau von B1 auf B2 anzuheben. „Mit diesem Maßnahmenpaket wollen wir unseren zukünftigen Mitarbeitern den bestmöglichen Start geben und sie sowohl gesellschaftlich als auch beruflich bestmöglich integrieren“, sagte DB Regio Chef David Weltzien.


red, Titelfoto: VM BW

Advertisements