Wasserstoff statt Diesel – In Südostbayern sollen künftig emissionsfreie Züge zum Einsatz kommen

Ab Ende 2024 sollen in Südostbayern Züge mit Wasserstoffantrieb unterwegs sein. Das zuständige Verkehrsministerium hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) beauftragt, im Vergabeverfahren für den „Linienstern Mühldorf“ Wasserstoff als Antriebstechnik zu berücksichtigen. Im kommenden Jahr soll eine Testfahrt im Allgäu durchgeführt werden.


„In Bayern sollen bald erste Wasserstoffzüge unterwegs sein“, sagt Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart. „Wir wollen den Einsatz von Dieselzügen sukzessive reduzieren und auf Dauer sogar ganz durch innovative Antriebsarten ersetzen. Die Elektrifizierung hat sich bereits bewährt, das Potential von Wasserstoff wollen wir nun genauer untersuchen.“

Aus Sicht Reichharts sei der Raum Mühldorf für eine Erprobung von Wasserstoff besonders gut geeignet: „Bei der Chemieindustrie im Chemiedreieck fällt der sogenannte ‚braune Wasserstoff‘ als Nebenprodukt an. Diesen könnten wir kostensparend und ohne Effizienzverluste für die Züge einsetzen.“ Außerdem benötigen die Züge auf den Schienenstrecken rund um Mühldorf keine spezielle Neigetechnik. Diese sei bei Wasserstoffzügen noch nicht ausgereift, allerdings vor allem bei hügeligen Strecken notwendig, um Fahrzeit zu sparen und Anschlusszüge zuverlässig zu erreichen. „Hier muss sich die Wasserstofftechnik noch bewähren“, so Reichhart.

Wasserstoffzug Coradia iLint von Hersteller Alstom. © Alstom

Nach den Plänen des bayerischen Verkehrsministeriums soll 2020 eine Testfahrt im Allgäu stattfinden. „Wir wollen herausfinden, wie sich der Wasserstoffzug unter den speziellen Gegebenheiten der Bahnlinien im Allgäu mit seiner hügeligen Strecke verhält. Der Antrieb gefällt uns deshalb, weil Fahrgäste und Anwohner von sauberer Luft und leiseren Zügen gleichermaßen profitieren. Aber zuverlässige Züge und Anschlüsse sind mindestens genauso wichtig. Die Fahrgäste sollen keine Nachteile beim Fahrplan in Kauf nehmen müssen“, so Reichhart. In den nächsten Wochen soll festgelegt werden, wann und wo diese Testfahrt erfolgen wird. Eine erste Testfahrt auf dem bayerischen Schienennetz mit dem Prototypen-Zug des Herstellers Alstom, dem Coradia iLint, fand bereits im Juli zwischen Coburg und Bayreuth statt (Bahnblogstelle berichtete).

Im Raum Mühldorf soll in weiteren Gesprächen festgelegt werden, bei welchen Strecken der erstmalige Einsatz von Wasserstoffzügen erfolgen soll. Grundsätzlich kämen die Strecken Mühldorf – Burghausen, Mühldorf – Passau und Mühldorf – Traunstein in Frage, heißt es. Frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2020 startet das Vergabeverfahren, dann können sich Eisenbahnverkehrsunternehmen für die Strecken im Linienstern Mühldorf bewerben. Die neuen Züge sollen ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 fahren.

Laut dem Verkehrsministerium wolle man in Zukunft bei jeder turnusmäßig anstehenden Neuvergabe von Verkehrsleistungen in bisherigen Dieselnetzen den Einsatz emissionsfreier Fahrzeuge mit innovativem Antrieb prüfen lassen. Dies betreffe insbesondere die Strecken, für die auf absehbare Zeit keine Elektrifizierung vorgesehen ist. Zuvor müssten sich die Fahrzeuge allerdings im Rahmen von Pilotanwendungen über alle Jahreszeiten hinweg als zuverlässig und einsatzreif erweisen.


red, Titelfoto: Bahnblogstelle (Archiv)

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