Berateraffäre bei der Deutschen Bahn: Lokführergewerkschaft fordert lückenlose Aufklärung durch Aufsichtsräte

Ehemalige Führungskräfte und externe Berater der Deutschen Bahn haben nach Ansicht der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) viele Millionen Euro zu Unrecht erhalten. Das, was bisher aufgedeckt wurde, scheint noch lange nicht das Ende der Fahnenstange zu sein, ist sich die Lokführergewerkschaft sicher. 


Im aktuellsten Fall geht es um Rüdiger Grube, der von 2009 bis 2017 Vorstandsvorsitzender der DB AG war und das Unternehmen vor über zwei Jahren mit einer üppigen Abfindung von rund 2,25 Millionen Euro verließ. Aber auch in einem ähnlich gelagerten Fall verlangt die GDL derzeit Aufklärung.

Laut dem Bundesvorsitzenden der GDL, Claus Weselsky, sei die Gesamtsumme für Beratungsleistungen gigantisch: „Dieser Umgang mit Steuergeldern ist hanebüchen. Der Gipfel ist jedoch, dass die DB und ein Teil ihrer Aufsichtsräte die Berateraffäre absichtlich verzögern, kleinreden und sie am Ende gerne auch noch vertuschen würden.“ Die GDL lehnt eigenen Angaben zufolge jedwede Verzögerung und die Vertuschung der Berateraffäre rigoros ab und fordert eine lückenlose Aufklärung über die gesamten Beraterleistungen innerhalb der vergangenen zehn Jahre. „Nicht nur die ehemaligen Führungskräfte müssen zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie für Peanuts oder für gar nicht erbrachte Leistungen horrende Summen kassiert haben“. Außerdem fordert Weselsky: „Darüber hinaus muss das gesamte Beraterunwesen auf den Prüfstand, damit wieder interne Fachkräfte mit Sachverstand im Eisenbahnsystem zum Zuge kommen und die Verschwendung von Steuergeldern endlich aufhört.“

GDL-Mitglieder in den Aufsichtsräten der DB-Transportgesellschaften haben laut einer Mitteilung entsprechende Anträge eingebracht und außerordentliche Sitzungen beantragt. Die Sitzungen sollen am heutigen Freitag (13. Dezember) bei der DB Regio AG sowie bei der DB Fernverkehr AG stattfinden. Bei der DB Cargo AG war bereits für den vergangenen Mittwoch (11. Dezember) eine außerordentliche Sitzung beantragt worden.

Claus Weselsky,  Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer | © GDL

Man wolle sich in allen Aufsichtsräten dafür einsetzen, dass die Missstände nicht nur umfänglich aufgeklärt, sondern auch für die Zukunft abgeschafft werden, heißt es von der Gewerkschaft. GDL-Chef Weselsky: „Das Zugpersonal bringt für wenig Geld die Wertschöpfung in den Betrieben und ist immer für alles selbst verantwortlich. Zur ‚Belohnung‘ werden unsere Kollegen bei kleinsten Verfehlungen abgemahnt und bestraft. Die Führungskräfte erhalten schon üppige Vergütungen und entziehen sich dann auch noch der Verantwortung, indem sie permanent externe Beratungsleistungen einkaufen, um sich bestmöglich abzusichern.“ Die GDL fordert: „Es muss Schluss sein mit dieser Doppelmoral und zweierlei Maß: Die Kleinen fängt man, weil sie bei der Arbeit Fehler machen und die Großen lässt man laufen, weil sie sich ungestraft mit Steuergeldern für alle Fälle des Lebens absichern können.“

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG hatte Mitte September mitgeteilt, dass man ab sofort Beraterverträge für frühere DB-Manager grundsätzlich untersagen werde, ebenso entsprechende Verträge mit „Personen mit politisch exponierter Stellung“.

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervorgeht, sind seit dem 22. Februar 2017 von der Deutschen Bahn AG 16 Beraterverträge mit ehemaligen Vorstandsmitgliedern des Konzerns oder Vorstandsmitgliedern beziehungsweise Geschäftsführern ihrer Tochtergesellschaften abgeschlossen worden. Die Regierung beruft sich dabei auf Angaben der DB AG. Keine Beraterverträge seien hingegen ab dem gleichen Zeitpunkt mit ehemaligen Bundesministern, Staatssekretären, Bundestagsabgeordneten oder Landtagsabgeordneten abgeschlossen worden. Es gebe zudem keine Anhaltspunkte dafür, dass derartige Verträge mit ehemaligen Mitgliedern der Interessenvertretungen der Arbeitnehmer der DB AG oder ihrer Tochtergesellschaften bestehen, heißt es in der Antwort weiter.


red, Titelfoto: DB AG (Archiv)