Verkehrsminister Scheuer zeigt sich „prinzipiell offen“ für neuen DB-Nachtzugverkehr

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zeigt sich einem Medienbericht zufolge „prinzipiell offen“ für einen Nachtzugverkehr mit Schlafwagen. Doch eine Abkehr von der derzeitigen Strategie der Deutschen Bahn ist nicht in Sicht.


Die Deutsche Bahn hat auch drei Jahre nach der Einstellung des eigenen Nachtzugverkehrs bislang kein großes Interesse an einer Wiederaufnahme des Angebots gezeigt. Ein Verkehr mit Schlafwagen sei nicht geplant, machte das Bundesverkehrsministerium noch vor wenigen Wochen deutlich.

Nun berichtet allerdings die Deutsche Presse-Agentur (dpa), dass möglicherweise ein Umdenken einsetzen könnte. Doch die Zeichen dafür sind ausgesprochen widersprüchlich. Denn während Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dem aktuellen Bericht zufolge geäußert habe, dass er „prinzipiell offen“ für einen Nachtzugverkehr der Deutschen Bahn sei, ließ der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, auf Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion wissen, dass der Staatskonzern an der derzeitigen Strategie festhalten werde. Diese sieht vor, dass die Deutsche Bahn die klassischen Nachtzugverkehre anderer Anbieter zum Beispiel mit Lokomotiven, Personal und im Vertrieb unterstütze, aber kein eigenes Angebot betreiben wolle. Außerdem werde die Bundesregierung der DB „aufgrund des schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnisses“ kein Geld zur Wiedereinführung des Schlafwagenbetriebs bereitstellen, hieß es noch vor etwa einem Monat.

„In Deutschland schläft die Bahn, in Österreich der Kunde – und kommt dabei noch ausgeruht und pünktlich ans Ziel“, kritisiert FDP-Verkehrspolitiker Oliver Luksic die aktuelle Strategie. Nach seiner Meinung sollte sich die DB an den ÖBB ein Beispiel nehmen. „Gerade im gehobenen Segment ist Komfort für Reisende ausschlaggebend und der Nachtzug mit Schlafwagen eine attraktive Alternative zum Flugzeug.“ Spannend wäre dafür etwa eine Verbindung Berlin–Paris – die hatte die Bahn 2014 eingestellt.

Laut dem dpa-Bericht sagte Scheuer: „Die entscheidende Frage ist: Was macht Bahnfahren attraktiver?“ Der Komfort müsse besser werden. „Wie kann ich die Zeit am besten nutzen, wenn ich zum Beispiel von Passau nach Berlin fahre? Kann ich diese fünfeinhalb Stunden auch nachts nutzen, um mich zu erholen, oder fahre ich lieber tagsüber und nutze die Zeit, um zu arbeiten?“

Die Deutsche Bahn hatte ihr eigenes Angebot an Schlafwagen-Zügen im Dezember 2016 eingestellt, nachdem es im letzten Betriebsjahr nur noch 181.000 Schlafwagen-Buchungen gegeben hatte. 2014 lag die Zahl der Buchungen noch bei 232.000. Anfang Dezember 2019 teilte das Verkehrsministerium mit, dass derzeit acht verschiedene Nachtzuganbieter in Deutschland unterwegs seien – unter anderem aus Polen, Russland, Ungarn und Österreich. Seit Ende 2016 setzt die Deutsche Bahn nachts nur normale ICE und Intercity-Züge ein.


red – aktualisiert, Titelfoto: Bahnblogstelle (Archiv)

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