Güterverkehr: Neue Verkehrsstaatssekretärin Zieschang unterstützt Wettbewerb – Westenberger fordert schnelle Modernisierung

Tamara Zieschang, die neue Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, hat sich im Rahmen einer Veranstaltung des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE) hinter den Wettbewerb auf der Schiene gestellt. NEE-Chef Peter Westenberger forderte zudem Branche und Politik dazu auf, den Schienengüterverkehr deutlich schneller zu modernisieren.


Laut einer Mitteilung des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE) erklärte die neue beamtete Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Tamara Zieschang, am 7. Januar im Rahmen einer Veranstaltung, dass sie „eine Verfechterin und Vertreterin des Wettbewerbs“ sei. „Wettbewerb ist ein Entdeckungsverfahren, Wettbewerb sichert Qualität.“ Davon könne auch die Deutsche Bahn AG profitieren. Mittelbar werde dadurch Innovation gefördert, ließ sie durchblicken.

Sie knüpfte damit an die Worte von NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger an, der zuvor Branche und Politik aufgerufen hatte, den Schienengüterverkehr deutlich schneller zu modernisieren. „Wir wollen den Straßengüterverkehr in puncto Innovationstempo überholen – nicht nur einholen.“

Unter Bezug auf ein neues Positionspapier des Verbandes sagte er, an erster Stelle müssten Produktivität und Qualität des Eisenbahnverkehrs gesteigert werden. Am wichtigsten sei es dabei, möglichst zeitnah die Prozesse für das Zusammenstellen der Züge zu automatisieren. „Konkret geht es um das Kuppeln von Wagen und Lokomotiven, die zeitaufwändige Bremsprobe und die technische Untersuchung der Güterwagen“, erläuterte Westenberger. „Zum Beispiel könnten Schwingungssensoren unrunde Räder und Defekte an den Federn erkennen.“ So ließe sich Lärm, Erschütterungen und hohem Verschleiß an den Schienen wirkungsvoll vorbeugen. „Außerdem könnten seitlich am Gleis aufgestellte Kameras mit intelligenter Bildauswertung das heute noch übliche Abschreiten des Zuges durch Wagenmeister ganz oder teilweise ersetzen.“ Damit sind nach seiner Einschätzung Produktivitätssteigerungen im zweistelligen Prozentbereich erreichbar.

Zweitens können durch vorausschauende Wartung (PM – predictive maintenance) mit Hilfe von Sensoren an kritischen Bau- und Verschleißteilen optimale Eingriffs- oder Erneuerungszeitpunkte ermittelt werden, zum Beispiel wenn ein Güterwagen aus anderem Grund ohnehin in einer Werkstatt ist. So könnten Güterwagen und Lokomotiven als wichtigste Ressourcen der Güterbahnen wirtschaftlich vernünftiger im Sinne der Lebenszykluskosten genutzt werden.

Drittwichtigster Baustein ist laut Westenberger das (teil-) automatisierte Fahren auf der letzten Meile vom Streckengleis zur Verladestelle. „Damit können hohe Effizienzpotenziale beim Rangieren und bei der Ladestellenbedienung gehoben werden“, betonte er. Langfristig könnten es autonom fahrende Güterwagen erleichtern, den Schienengüterverkehr wieder in die Fläche zurückkehren zu lassen. 

Viertens forderte Westenberger einen Normungsprozess, um Lade- und Umschlagvorgänge mit Trailern, Wechselbrücken, Containern und insbesondere modularen Transportbehältern unterhalb dieser Standardgefäße automatisieren zu können. In diesen Prozess müssten alle Akteure eingebunden werden, von Verladern und Verkehrsunternehmen über die Fahrzeug- und Behälterhersteller bis hin zur Forschung. Der Prozess sollte von der EU-Kommission oder der Bundesregierung moderiert werden. Damit könnten Skaleneffekte und ein viel effizienteres intermodales Transport- und Logistiksystem ermöglicht werden, so dass auch kleinteilige Sendungen für die Schiene zurückgewonnen und geringere Mengen gebündelt werden könnten.


red/pm, Titelfoto: Pixabay (Archiv)

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