Automatische Kupplung bis 2030 – Bahnverbände zeichnen Charta zur Digitalisierung des Schienengüterverkehrs

In spätestens 10 Jahren sollen alle Güterwagen in Europa mit automatischen Kupplungen ausgestattet sein, damit Güterzüge von der Lok bis zum letzten Wagen digital verbunden sind. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sechs Bahnverbände am Dienstag (14. Januar) in Hamburg gemeinsam die Charta zur Digitalen Automatischen Kupplung, kurz DAK, unterzeichnet. 


Geht es nach den Unterzeichnern – zu denen der Verband der Güterwagenhalter in Deutschland (VPI), das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE), der Verband der Bahnindustrie (VDB), der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), die Allianz pro Schiene und UIP Rail gehören, sollen Güterwagen in ganz Europa bis spätestens 2030 automatisch kuppelbar sein. Mit dieser Technologie soll der Gütertransport auf der Schiene zum einen effizienter werden und zum anderen seinen Umweltvorsprung gegenüber anderen Verkehrsträgern weiter ausbauen.

© VDV

Damit die DAK aber ihr Potenzial ausspielen kann, müsse sie europaweit eingeführt werden, fordern die Verbände. Für die Politik gelte es daher jetzt, die notwendigen Rahmenbedingungen für den flächendeckenden europaweiten Einsatz zu schaffen. Nach Ansicht von Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, sollte die Bundesregierung „die einmalige Chance“ nutzen, „sich durch die Einführung der neuen Technologie als Vorreiter der Digitalisierung in der Mobilitätsbranche hervorzutun.“ Die Digitalisierung im Güterverkehr sei zudem auch ein perfektes Handlungsfeld, um zu zeigen, dass stärkere Bemühungen im Umweltschutz auch den Mobilitätssektor umfassen.

„Wir müssen in einer gemeinsamen Kraftanstrengung dafür sorgen, dass spätestens 2030 Güterwagen in ganz Europa automatisch kuppeln“, sagte Malte Lawrenz, VPI-Vorsitzender, bei der Präsentation der Charta vor den mehr als 300 Teilnehmern des 10. VPI-Symposiums. Die Zielmarke der Charta sei ebenso ambitioniert wie notwendig. „Wer die stetig wachsenden Transportmengen klimafreundlich bewegen will, kommt an der DAK nicht vorbei“, betonte Lawrenz. Sie sei Voraussetzung für spürbare Produktivitätssteigerung im Schienengüterverkehr und damit auch für das von der Politik postulierte Ziel, bis 2030 den Gütertransport zu 25 Prozent auf der Schiene zu bewegen. „Mit der neuen Kupplungstechnologie verbinden wir in einem Schritt die überfällige Automatisierung des Wagenkuppelns mit der Welt der Schiene 4.0. Sie ist Enabler und Innovationstreiber zugleich“, unterstrich Lawrenz die Bedeutung der DAK.

Miroslav Obrenovic, Leiter Technik Gesamtsystem Bahn (DB AG), Johann Feindert, CEO GATX Europe, und Peter Reinshagen, CEO Ermewa SA, unterstrichen in ihren Beiträgen den Willen der Unternehmen zu handeln und zügig voranzuschreiten. Wichtig sei, den Prozess der Umstellung auf die DAK von Anfang an europäisch aufzusetzen. Dies unterstrich auch Gilles Peterhans vom Dachverband der europäischen Wagenhalter, UIP. Ein europäisches Großprojekt wie die DAK lasse sich ohne Förderprogramme aus Brüssel nicht stemmen. Hier müssten zügig entsprechende Programme aufgelegt werden. An die Politik richteten Unternehmens- und Verbandsvertreter den Wunsch, Deutschland möge die anstehende EU-Ratspräsidentschaft dafür nutzen, das Thema DAK ganz oben auf der Liste der verkehrspolitischen Vorhaben in Brüssel zu verankern. Alle Player sollten jetzt aufs Tempo drücken.

Experte Stefan Hagenlocher, hwh, unterstrich in seinem Einführungsvortrag, dass es nun auf ein klares Bekenntnis des Sektors zur DAK ankomme. Die ersten Schritte wie die Festlegung technischer Standards müssten bereits im kommenden Jahr erfolgen, um 2023 erste kommerzielle Verkehre mit der DAK zu fahren. Hier seien die Unternehmen gefordert, sich schnell zu verständigen. Gleichzeitig sei klar, dass der Sektor die milliardenschweren Investitionen nicht alleine schultern könne, so Hagenlocher.

Die am Dienstag unterzeichnete Charta sieht auf dem Weg zur flächendeckenden Einführung drei Schritte vor: Die Forschung zur DAK solle gestärkt werden, ein europäischer Fahrplan zur Umstellung der Flotten festgelegt und die Finanzierung des Migrationsprozess müsse sichergestellt werden. Für die europaweite Ausrüstung von Loks und Güterwagen mit der neuen Technologie seien etwa sechs bis zehn Milliarden Euro nötig.


red/ApS/VPI, Titelfoto: DB AG / Volker Emersleben